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Karriere

Serie: Was Firmen attraktiv macht (Teil 5)

Vertrauen in das Team

Mitarbeiter müssen angstfrei ihre Kritik äußern können.

"Unser Unternehmen wird geprägt von einem vertrauensvollen Umgang und offener Kommunikation." So etwas steht in nicht wenigen Firmenleitlinien. "Das Schwierige aber ist, diese Worte bis ins Detail mit Leben zu füllen", weiß Managementtrainerin Ursula Hollerbach ("Training im Dunkeln"). "Denn verordnen lässt sich Vertrauen natürlich nicht." Was dagegen "von oben" kommen muss, ist das Vorbild.

Dies bestätigt Marco Rumberg. Er ist einer der beiden Geschäftsführer von Rewatec. Der Anbieter von Systemlösungen für Wassertechnik wurde in diesem Jahr von der Initiative Top Job als einer der besten Arbeitgeber im Mittelstand ausgezeichnet - und speziell für seine Vertrauenskultur gelobt. "Wir haben keine expliziten Verhaltensvorgaben", erklärt Rumberg dazu. "Unsere Gesellschafter leben es einfach vor." Seine Mitarbeiter gut zu informieren, ist für den Chef dabei ganz wichtig: "Es gibt zum Beispiel monatliche Reporte über den Zustand des Unternehmens, und außerdem ist die Geschäftsleitung für die Mitarbeiter immer ansprechbar", erklärt er. "Denn wenn man zu wenig kommuniziert, entsteht Misstrauen", davon ist Rumberg überzeugt.

"Regelmäßige Gespräche sind ein zentraler Punkt in einer Vertrauenskultur", sagt auch Andrea Matthiesen, Führungskräftecoach und Inhaberin von matthiesen consulting. "Und wenn eine Führungskraft dabei auch mal ein negatives Feedback bekommt, ist das ein gutes Zeichen." Denn daran zeige sich, dass der Mitarbeiter Vertrauen in die Souveränität seines Vorgesetzten habe, erklärt sie. "Denn theoretisch könnte der sich für diese Kritik ja rächen." Angstfreiheit, und damit Vertrauen komme auch dadurch zum Ausdruck, dass sich ein Mitarbeiter über störende Umstände beklagen darf - etwa wenn ihm zu viele Aufgaben aufgebürdet werden oder indem er Arbeitsabläufe kritisiert -, ohne dass es ihm negativ ausgelegt wird. "Dadurch zeigt die Führungskraft, dass sie den Mitarbeiter in seinem Urteil ernst nimmt", erklärt Ursula Hollerbach. Die Vertrauenskultur im Unternehmen zu etablieren, ist eine klassische Managementaufgabe. "Ob eine angstfreie und konstruktive Atmosphäre entsteht, hängt stark von der Persönlichkeit der Führungskräfte ab", betont die Trainerin. Denn auch die Kommunikation innerhalb des Managements hat für die Mitarbeiter Vorbildfunktion.

Darüber hinaus ist es Aufgabe der Führungsebene, eine Struktur zu schaffen, damit ein vertrauensvolles Miteinander tatsächlich funktionieren kann. Sich die Zeit für regelmäßige Gespräche zu nehmen, ist nur ein Merkmal dieser Struktur. Mitarbeiterbefragungen können ein weiteres sein. "An der Beteiligung kann man schon sehen, ob die Beschäftigten überhaupt einen Sinn darin sehen, sich konstruktive Gedanken über ihr Unternehmen zu machen", erklärt Andrea Matthiesen. Rücklaufquoten von 60 Prozent und mehr hält sie für gut. "Ganz wichtig für das Vertrauensverhältnis ist aber, dass die Ergebnisse der Befragung veröffentlicht werden und Konsequenzen gezogen und umgesetzt werden", betont die Führungskräftetrainerin.

Doch was passiert, wenn ehrliches Feedback von Mitarbeitern nicht erwünscht ist, wenn die Arbeit scharf kontrolliert wird, Konflikte nicht fair ausgetragen und Informationen zurückgehalten werden? "Demotivation ist die Folge", erklärt Andrea Matthiesen. "Im Extrem führt das dazu, dass gute Mitarbeiter das Unternehmen verlassen und schwächere innerlich kündigen." Ein Fiasko für jede Firma also.

  • Lesen Sie am nächsten Wochenende: Teil 6 - Unternehmer im Unternehmen

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