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Karriere

Ökobranche: Wachsender Umsatz bei Produzenten und Händlern

"Bio" braucht viel Arbeitskraft

Das Geschäft mit Naturwaren beschäftigt rund 160 000 Menschen. Tendenz steigend.

Discounter haben sie, Drogerieketten und Warenhäuser haben sie, Baumärkte auch und jetzt sogar die traditionsreiche Flensburger Brauerei. Gemüse, Brot und Käse, Kosmetik, Bekleidung, Baustoffe oder Bier - Produkte mit Öko-Siegel sind längst aus der Alternativ-Ecke in die Regale des klassischen Einzelhandels gewandert. Bio boomt in Deutschland und ist längst nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Arbeitsplatzfaktor. Schätzungen des "PresseForums BioBranche", eines Verbunds der Pressesprecher der Naturwarenbranche zufolge sichert der Bio-Markt hierzulande das Einkommen von rund 160 000 Menschen in den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Dienstleistung.

Zum Beispiel die Handelsgesellschaft Gut Rosenkrantz in Neumünster. Keimzelle des Unternehmens ist der gleichnamige landwirtschaftliche Betrieb in Schinkel bei Kiel, den Ernst-Friedemann Freiherr von Münchhausen 1989 auf ökologischen Landbau umstellte. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er 1992 die Handelsgesellschaft, die heute 30 000 bis 40 000 Tonnen Bio-Getreide umschlägt und 300 Bio-Bäcker mit einem Vollsortiment von Mehl und Ölsaaten bis zu Trockenfrüchten und Schokostäbchen beliefert. 32 Beschäftigte zählt die Gesellschaft, unter anderem Büro- und Speditionskaufleute, Kraftfahrer, Schlosser, Müller. Kein Riesenbetrieb, räumt von Münchhausen ein. "Aber ein gutes Beispiel dafür, wie Bio Arbeitsplätze schafft und sichert", sagt Carola Ketelhodt, Geschäftsführerin des Bioland-Landesverbands Schleswig-Holstein. Ebenso der Naturkostgroßhandel Grell in Kaltenkirchen, der sich vom kleinen Landhandel zum Vollsortimenter mit mehr als 100 Mitarbeitern entwickelt hat. Oder die Firma Zwergenwiese im schleswig-holsteinischen Silberstedt, wo Firmengründerin Susanne Schöning ehemals für den Eigenbedarf mit Rezepten für vegetarische Brotaufstriche experimentierte. Heute werden dort mit mehr als 50 Mitarbeitern täglich 60 000 bis 80 000 Gläser mit süßen und herzhaften Inhalten befüllt.

Oder nehmen wir Alnatura. Vor rund 20 Jahren brachte das Handelshaus erste Bio-Lebensmittel unter diesem Produktnamen in süddeutsche Drogeriemärkte und gründete kurz darauf den nach eigenen Angaben ersten Bio-Supermarkt Deutschlands. Heute ist Alnatura mit etwa 30 Filialen vornehmlich südlich des Mains, seit einiger Zeit aber auch in Norddeutschland vertreten. Rund 1000 Beschäftigte stehen auf der Gehaltsliste, der Großteil davon Verkaufskräfte in den Filialen; etwa 130 sind am Unternehmensssitz in Bickenbach bei Darmstadt beschäftigt. "Bei uns haben besonders Quereinsteiger eine Chance, wenn sie sich für das Thema Bio interessieren", sagt Unternehmenssprecherin Stefanie Neumann. Sie selbst ist als Skandinavistin das beste Beispiel für diese Firmenphilosophie. 182 Millionen Euro setzte Alnatura nach eigenen Angaben 2006 um, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Solche Wachstumsraten sind keine Einzelfälle in der Bio-Branche: 2006 stiegen allein die Lebensmittelumsätze Branchenexperten zufolge im Vergleich zum Vorjahr um rund 16 Prozent auf gut 4,5 Milliarden Euro. Der Umsatzanteil des Bio-Segments am gesamten Lebensmittelhandel werde sich bis 2010 auf sechs Prozent verdoppeln, ergab laut Messe Biofach eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und des EHI Retail Institute, Köln.

Kein Wunder, dass auch die Handelsriesen Geschmack an "Bio" gefunden haben. Ob Rewe, Famila, Budni, Plus oder Plaza: Sie alle verfügen über Abteilungen, in denen es von Butter, Milch und Fruchtjogurt über Kaffee bis zur Tiefkühlpizza vieles auch in Bio-Qualität gibt. Ein Trend, der Pioniere und Puristen nicht uneingeschränkt jubeln lässt. Denn "BioBio", "Naturgut", "Bioness" oder wie sie alle heißen erfüllen zwar die Voraussetzungen, um das EG-Ökosiegel tragen zu dürfen, meist aber nicht die strengeren Anforderungen deutscher Verbände wie Bioland und Demeter.

Außerhalb der Bundesgrenzen spielen solche Aspekte eine untergeordnete Rolle. Denn auch wenn Deutschland, was Bio-Lebensmittel angeht, bei Insidern als wichtigster Verbrauchermarkt Europas gilt - ökologische Produkte liegen nicht nur hier im Trend. Die Nürnberger Biofach, eigenen Angaben zufolge die Weltleitmesse im Bio-Bereich, spricht vom "weltweit riesigen Bio-Appetit", dessen Sättigung noch lange nicht in Sicht sei. "Global gesehen ist das Bio-Segment der am stärksten wachsende Sektor in der Lebensmittelbranche", zitieren die Veranstalter Amarjit Sahota von der britischen Unternehmensberatung Organic Monitor. Der weltweite Umsatz von Bio-Produkten wachse jährlich um über fünf Milliarden US-Dollar (rund 3,65 Milliarden Euro) und werde 2007 die Grenze von 40 Milliarden US-Dollar (29,2 Milliarden Euro) überschreiten.

 

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