Serie: Was Firmen attraktiv macht (Teil 2)
Mitarbeiter gezielt entwickeln
Statt Weiterbildung von der Stange: kollektives Lernen.
Für Sören Stamer ist Mitarbeiterentwicklung Chefsache. "Meine Aufgabe als CEO ist es, dafür zu sorgen, dass die Menschen hier wachsen können und damit automatisch auch das Unternehmen", sagt der Vorstandsvorsitzende des Softwareunternehmens CoreMedia AG. Wer jetzt allerdings eine ausgeklügelte Personalstrategie mit den neuesten und trendigsten Tools erwartet, den überrascht der Hamburger mit seiner nächsten Aussage: "Wir setzen auf eine selbst bestimmte und organisierte Weiterbildung und kollektives Lernen."
Statt Entwicklung nach dem Defizit-Prinzip zu verordnen, bietet CoreMedia seinen Mitarbeitern den Freiraum, selbst zu entscheiden, welche Weiterbildungen sie brauchen, um ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Hilfestellung bekommen sie durch das Feedback der Kollegen und optionale Coaching-Sitzungen mit den beiden Personalexperten des Competence Centers, das direkt in der Geschäftsleitung angesiedelt ist. "Bei CoreMedia wird die Verantwortung für die Personalentwicklung auf mehrere Schultern verteilt. Ein Teamleiter, der dem Zeit-Druck eines Kunden-Projektes ausgesetzt ist, kann nicht ständig auch noch die Entwicklung seiner Mitarbeiter im Blick haben. Deshalb haben wir zusätzlich die beiden Spezialisten für das Thema geholt", erklärt Sören Stamer.
Während durch die ausgeprägte Feedback-Kultur bei CoreMedia jeder Mitarbeiter irgendwie an der Entwicklung der Kollegen mitwirkt, sehen sich in vielen anderen Unternehmen zunehmend die Führungskräfte in der Pflicht. "Immer mehr Firmen schulen ihre Führungskräfte, damit diese sich noch besser um die Entwicklung ihrer Mitarbeiter kümmern können. Schließlich ist der direkte Vorgesetzte derjenige, der am besten weiß, welche Entwicklungsmaßnahme für welchen Mitarbeiter gerade angebracht ist", sagt die Unternehmensberaterin Maren Lehky.
Das Ziel dieser Bemühungen ist, die Personalentwicklung noch individueller auf den einzelnen Mitarbeiter zuschneiden zu können. Pauschale Trainings von der Stange, die nach dem Gießkannenprinzip für ganze Abteilungen angesetzt werden - unabhängig vom Wissenstand und der Qualifikation der einzelnen Mitarbeiter - gehören vielerorts der Vergangenheit an. "Man sollte sich als Unternehmen immer fragen, wo man mit einer Maßnahme die größte Hebelwirkung erzielt. Oft macht es mehr Sinn, statt des ganzen Teams nur den Abteilungsleiter zu schulen, damit dieser dann seine Kompetenz an das Team weitergibt", sagt der Trainer und Coach Jörn Ehrlich.
CoreMedia hat diesen Gedanken noch ein Stück weiter gesponnen und setzt flächendeckend auf kollektives Lernen. "ITler suchen sich oft ein Umfeld, in dem sie etwas von guten Leuten lernen können. Wir nutzen bei unserer internen Wissensvermittlung den Effekt, dass man noch viel mehr über eine Sache lernt, wenn man sie weitergibt", erklärt Stamer. Dafür erhält jeder Mitarbeiter im Monat acht Stunden Gelegenheit, um in Peergroups von zwei bis acht Mitarbeitern an frei wählbaren Themen zu arbeiten. Zusätzlich findet einmal im Quartal ein Open Space Workshop statt, dessen Agenda sich aus den Vorschlägen der Mitarbeiter zusammensetzt.
Ein weiterer Baustein neben der fachlichen Weiterbildung ist nicht nur bei CoreMedia die Etablierung einer Wertschätzungs-Kultur. "Es ist wichtig, dass der einzelne Mitarbeiter sich in seinen Fähigkeiten und Talenten erkannt fühlt und weiß, welchen Beitrag er im Gesamtzusammenhang leistet", sagt Maren Lehky.



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