Wirtschaftsfaktor: Vierbeiner sorgen für Umsatz und Arbeitsplätze
Jobs - auf den Hund gekommen
Der beste Freund des Menschen beschäftigt hierzulande 100 000 Berufstätige.
Steffi Theile verbringt einen großen Teil des Tages draußen auf dem Hundeplatz. Für die Hundetrainerin sind Jeans und festes Schuhwerk das A und O. Candice Kohnert steht in ihrem Laden "Cool Pets Paradise". Ihre Arbeitskleidung? "Hauptsache stylish!" Zwei grundverschiedene Frauen, ein Trend: Steffi Theile und Candice Kohnert sind Beispiele für die vielen Berufe und Erwerbsmöglichkeiten, die sich rund um den Hund entwickelt haben. Sammy, Buddy, Lena und wie sie alle heißen sind nicht nur beste Freunde des Menschen, sondern auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor.
Fünf Milliarden Euro werden nach einer Studie des Volkswirtschaftlichen Seminars der Universität Göttingen in Deutschland pro Jahr bei der Hundehaltung umgesetzt. 100 000 Arbeitsplätze hat sie direkt oder indirekt hervorgebracht. Hierzulande gibt es laut einer Erhebung des VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) fünf Millionen dieser Vierbeiner. Zu rund 13 Prozent der Haushalte gehört ein Hund. Anders gesagt: Fast zehn Millionen Deutsche haben einen bellenden Hausgenossen. Und diese Millionen besuchen mit ihrem Tier eine Welpenschule, gehen zum Tierarzt, kaufen Futter, Körbchen und so manches, was für ein glückliches Hundeleben nicht zwingend notwendig ist.
Die Bandbreite der Erwerbsmöglichkeiten ist groß. Sie reicht von A (Angestellte im Hundebuchverlag) bis Z (Zubehörverkäufer). Auch die Beschäftigten in Hundefutterproduktion und -handel gehören dazu. Wie viele es sind, lässt sich schwer beziffern, aber eine Zahl macht die wirtschaftliche Bedeutung der Branche deutlich: In der Futtermittelindustrie wurden 2005 allein für Hundefutter beim Endverbraucher 950 Millionen Euro umgesetzt; 1996 waren es noch 650 Millionen. Auch Hundetrainer und Heilpraktiker, Mitarbeiter in Tierheimen, Arztpraxen und Hundepensionen, Züchter, Pfleger und Tierbestatter verdienen am Hund. Schier unüberschaubar ist die Zahl der Hundebücher; dazu kommen Fachzeitschriften wie "Der Hund" aus dem Deutschen Bauernverlag in Berlin. Erst vergangenes Jahr gründete Gruner + Jahr das Magazin "dogs". Den Gesamtumsatz aus hundespezifischen Druckerzeugnissen beziffern die Göttinger Volkswirtschaftler auf 75 Millionen Euro.
Es gibt unzählige Menschen, die sich ihren Arbeitsplatz rund um den Hund selbst schaffen. Dazu gehören Hundetrainer wie Steffi Theile. "Für mich ist das ein Traumjob", sagt die gelernte Masseurin. Ende 2005 machte sich die heute 41-Jährige, die sich in der Schweiz zur Hundepsychologin ausbilden ließ, mit der Hundeschule "Leine los" im nordfriesischen Katharinenheerd selbstständig.
Die Zahl der Hundeschulen ist riesig, von Einzelkämpferinnen wie Steffi Theile über Organisationen wie die "Interessengemeinschaft unabhängiger Hundeschulen" bis zu Franchise-Systemen. Die für die VDH-Studie mit Hilfe von Branchenverzeichnissen ermittelte Zahl von 765 Hundeschulen bundesweit jedenfalls ist nach Überzeugung von Experten nur die Spitze des Eisbergs: "Die Nachfrage nach Angeboten rund um Hundeerziehung ist enorm", bestätigt VDH-Sprecher Udo Kopernik.
Doch die Spreu vom Weizen trennen kann der Laie kaum, denn sehr zum Ärger seriöser Ausbilder braucht man zur Gründung einer Hundeschule in Deutschland lediglich einen Gewerbeschein. "Da gibt es Handlungsbedarf", sagt Kopernik. Ziel seien Mindeststandards wie etwa ein Sachkundenachweis für Hundetrainer. Den Gesamtumsatz von gewerblichen Hundeschulen in Deutschland beziffert die Göttinger Studie auf 34,5 bis 38 Millionen Euro.
Auch der Zubehörhandel boomt. Er hat laut Berechnungen der Volkswirtschaftler einen Jahresumsatz von knapp 200 Millionen Euro erreicht. So, wie sich die Einstellung zum Hund geändert habe, der heute als Familienmitglied angesehen werde, sei auch die Bereitschaft gewachsen, für dieses Familienmitglied Geld auszugeben, hat Udo Kopernik beobachtet. Und so hat auch Candice Kohnert mit ihrem "Cool Pets Paradise" im Kölner Stadtteil Lindenthal ihre Kundschaft gefunden. Sie expadiert sogar: Gerade baut sie einen Großhandel auf. Menschen vom Mops- bis zum Doggenhalter kaufen bei ihr Zubehör vom strassbesetzten Halsband bis zum exklusiven Spielzeug. "Das Schöne mit dem Sinnvollen verbinden, das ist mein Prinzip", erklärt die 28-Jährige. Von dem, was sie verdiene, könne sie zwar "keine großen Sprünge machen", aber eine Existenz biete ihr "Cool Pets Paradise" allemal.
Aber längst nicht für alle, die ihr Hobby Hund zum Beruf machen wollen, geht der Traum auch wirklich in Erfüllung, weiß Candice Kohnert: "Es gibt Läden, die öffnen und schließen wenig später wieder." Außer Idealismus gehöre eben auch kaufmännisches Know-how zum Erfolg, betont die Kölnerin - und, wie wohl überall im Leben, eine gewisse Portion Glück.




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