Serie: So meistern Sie Einstellungstests (Teil 9)
Locker plaudern, sicher punkten
Auch in den Pausen stehen Bewerber unter Beobachtung. Einige Tipps.
Sie sind gefordert. Leistungs- und Persönlichkeitstests, ein Kurzvortrag, die Postkorbübung, eine Diskussionsrunde und ein Rollenspiel - das Assessment Center (AC) verlangt Ihnen viel ab. Die Pausen haben Sie sich redlich verdient. "Leider vergessen manche Kandidaten, dass auch ihr Auftritt in den Pausen zählt", warnt der Karriereberater Uwe Schnierda aus Bredenbek bei Kiel vor allzu viel Entspannung: "Sie stehen die ganze Zeit unter Beobachtung."
Natürlich sei es verlockend, den Druck von sich abfallen zu lassen, wenn eine Übung geschafft sei, sagt Schnierda. Aber: "In den sogenannten ,heimlichen Übungen' machen sich die Beobachter ein Bild von Ihnen abseits der harten Bewerbungsfakten. Es spielt daher eine wichtige Rolle, wie Sie sich in den Kaffeepausen, der Mittagspause oder auch am Abend beim geselligen Zusammensein verhalten."
Dabei werden leicht Fehler gemacht, die den Ausschlag zu Ungunsten des Kandidaten geben können. So rät Schnierda: "Lassen Sie beispielsweise die Gruppendiskussion nicht noch einmal aufflammen, nur weil Sie sich in der Übung von den anderen Teilnehmern falsch verstanden gefühlt haben. Schnierda und sein Kompagnon Christian Püttjer haben in ihrem Kompakt-Ratgeber "Assessment-Center" (Campus, 9,90 Euro) einige typische Pausenpatzer zusammengestellt:
Der Kandidat zieht sich in den Pausen zurück. Die Beobachter deuten: Er ist introvertiert.
Die Kandidatin lästert über andere Teilnehmer. Die Beobachter deuten: Sie ist intrigant.
Der Kandidat äußert sich nur negativ. Die Beobachter deuten: Er ist übermäßig krisenorientiert.
Die Kandidatin vergisst ständig die Namen anderer Teilnehmer. Die Beobachter deuten: Sie ist nicht souverän im Smalltalk.
Der Kandidat wirkt unsicher im Kontakt mit den Beobachtern. Die deuten: Er hat kein Selbstbewusstsein.
Der Schlüssel zu einem souveränen Auftritt in den Pausen ist Smalltalk - ein lockeres, zwangloses, im Idealfall unterhaltsames und humorvolles Gespräch mit anderen Teilnehmern und den Beobachtern. Denn jemand, der gekonnt Smalltalk betreibe und dabei positive Aspekte betone, gelte als kommunikationsstark, teamfähig und erfolgsorientiert, erklärt Püttjer.
Selbst wenn Sie sich sonst schwer tun, mit fremden Menschen zwanglos zu plaudern - beim AC sollten Sie diese Scheu ablegen und am besten selbst ein Gespräch eröffnen. Ein Satz wie "Das war aber eine interessante Aufgabe" ist zwar ein leichter Einstieg und klingt dabei sogar positiv, aber Gespräche über die Aufgaben des AC sollten Sie tunlichst nicht führen. Sie begeben sich sonst allzu schnell aufs Glatteis.
Um dieser Gefahr zu entgehen, raten Püttjer und Schnierda, sich noch vor dem AC einige allgemeine Themen zu überlegen, über die mit den anderen Teilnehmern gesprochen werden könnte. Wichtig dabei: "Vermeiden Sie kontroverse Themen, damit keine schlechte Stimmung entsteht." Tabu also Themen wie Geld, Körper, Krankheit, Katastrophen, Verbrechen, Politik und Religion, empfiehlt die Etikette-Expertin Elisabeth Bonneau.
Worüber aber sollten Sie sprechen? "Ein Thema, das Sie aus der Situation heraus entwickeln: das Wetter, die Stadt, in die Sie gereist sind, etwas, was gerade Tagesgespräch ist und das nicht zu ernst oder kompliziert ist", sagt der Autor Matthias Nöllke. Das kann auch ein Sportereignis sein oder eine kuriose Nachricht. Durch offene Fragen wie "Mir gefällt der Einrichtungsstil des Hotels. Wie finden Sie ihn?" binden Sie Ihre Gesprächspartner geschickt ein.




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