Serie: So meistern Sie Einstellungstests (Teil 5)
Den Postkorb managen
Das Wichtigste: Ruhe bewahren und den Überblick behalten.
Jetzt sind Sie mal der Geschäftsführer. Sie stehen kurz vor einer Dienstreise - und haben nur noch eine Stunde Zeit, um wichtige Termine zu koordinieren, Probleme zu lösen und dafür zu sorgen, dass die Geschäfte auch in Ihrer Abwesenheit rund laufen. "So in etwa sieht die typische Coverstory aus, wenn Bewerber eine Postkorbübung bewältigen müssen", sagt Dr. Olaf Ringelband, Geschäftsführer der Gesellschaft für Management-Diagnostik in Hamburg.
Die Zeit, die die Kandidaten zur Verfügung haben, kann von 20 Minuten bis zu zwei Stunden reichen, die Zahl der Vorfälle, die verarbeitet werden müssen, liegt meist zwischen 20 und 60. Die Teilnehmer erhalten sie in Form von Mails, Memos oder Gesprächsnotizen.
"Mit der Postkorbübung werden Fähigkeiten erfasst, die im Management relevant sind", erklärt Jörg Schumann, Experte für Potenzialanalysen beim Hamburger Coaching-Anbieter Coatrain. "Es geht darum, Probleme zu analysieren, ihnen eine Priorität zuzuordnen und sie in Beziehung zueinander zu setzen." Und das alles nicht nur auf dem Papier: In der Regel müssen die Bewerber ihre Ergebnisse anschließend in einem kurzen Vortrag präsentieren. Getestet werden damit meist Führungskräftenachwuchs und Manager, die den nächsten Karriereschritt tun wollen.
Zeitdruck gehört dazu: "Die Übung ist so konzipiert, dass man gar nicht alles schaffen kann", betont Olaf Ringelband. Wie gut die Teilnehmer mit Frustration umgehen können, ist also ein weiteres Merkmal, das so für den potenziellen Arbeitgeber erkennbar wird.
Für Jörg Schumann ist der Postkorb so etwas wie eine Mischung aus Kombinations- und Detektivspiel. "Man muss vernetzt denken und oft auch originelle Lösungen entwickeln." Kein Vorfall im Postkorb erfordert nur eine Maßnahme. Schumann: "Wenn Ihnen als Logistikleiter ein Lkw mit Waren verunglückt, müssen Sie nicht nur daran denken, einen neuen Wagen hinzuschicken und den Kunden über die Verspätung zu informieren. Eventuell waren defekte Bremsen der Grund - dann müssen Sie auch die Sicherheit Ihrer anderen Lkw checken lassen."
Olaf Ringelband rät Bewerbern davon ab, ihre Planung im Kopf machen zu wollen. "Visualisieren Sie!", sagt er. Am besten, man schreibt die Aufgaben auf ein Blatt Papier und markiert mit Pfeilen, was womit in Verbindung steht. "Man darf nicht voreilig etwas als unwichtig einschätzen", warnt er. "Heißt es zum Beispiel, die Putzfrau kommt nicht, scheint das auf den ersten Blick nicht so schlimm zu sein. Auf einer anderen Notiz könnte aber stehen, dass Sie ihr gestern den einzigen Schlüssel für einen Raum mitgegeben haben, den Sie heute brauchen werden."
"Wichtig ist, dass man aufschreibt, warum man zu einer Maßnahme gekommen ist", sagt Jörg Schumann. "Denn was nur im Kopf passiert, zählt nicht." Genau diese Begründungen sind es auch, die die Personaler hören wollen, wenn der Kandidat anschließend sein Ergebnis präsentiert - was nicht immer, aber meistens gefordert wird. Kommen Nachfragen, sollte man zu seinen Maßnahmen stehen - außer man hat inzwischen erkannt, dass sie falsch waren. "Dann beharrt man besser nicht stur auf seiner Entscheidung, sondern gibt den Fehler zu", betont Olaf Ringelband.




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