Serie: So meistern Sie Einstellungstests (Teil 4)
Souverän einen Vortrag halten
Zehn Minuten frei über ein Thema sprechen. Was in dieser Situation hilft.
"Ich mochte schon während der Schulzeit nicht gern Referate vor der versammelten Klasse halten", erinnert sich Vera M. Jetzt steht die inzwischen 26-Jährige vor einer ähnlichen Herausforderung - mit dem Unterschied, dass der Vortrag mit über ihre berufliche Zukunft entscheidet. Vera muss im Assessment Center (AC) bei einem Energieversorger einen zehnminütigen Vortrag halten. Ihr Thema: "Wie lässt sich Kundenorientierung auf allen Ebenen des Unternehmens verankern?" Zur Vorbereitung gewährten die Tester ihr und den anderen sieben Kandidaten nur eine halbe Stunde. Stress pur für die Bewerber - und genau das ist gewollt. "Da die meisten Menschen ohnehin sehr viel Respekt vor öffentlichen Redeauftritten haben, wird die Anspannung der Kandidaten im AC noch zusätzlich erhöht", erklärt der Bewerbungsexperte Christian Püttjer aus Bredenbek. "Deshalb schätzen die Beobachter diese Übung als einen echten, aussagekräftigen Stresstest."
Doch der Vortrag beim AC ist nicht nur Schikane. "Präsentationen haben im Berufsalltag einen hohen Stellenwert, und deshalb möchten Arbeitgeber wissen, ob die Bewerber mit dieser Herausforderung auch zurechtkommen", sagt Püttjer. Dabei ist der Inhalt dieser Präsentation zweitrangig - im Gegensatz zur meist nur fünfminütigen Selbstpräsentation. "Jene ist oft das einzige Element im AC, auf das man sich gezielt inhaltlich vorbereiten kann und das eine große Chance bietet, dem potenziellen Arbeitgeber die eigene Motivation für die Bewerbung zu verdeutlichen", sagt Friedemann Stracke, Hamburger Experte für Persönlichkeitsdiagnostik.
Beim Themenvortrag hingegen wollen die Tester über Vera wissen: Gelingt es ihr, das Thema Kundenorientierung verständlich darzustellen? Kann sie sich schnell in das Thema eindenken? Ist ihr Vortrag gut strukturiert? Und wie überzeugend sind ihr Auftritt sowie ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit?
Inhaltlich sammelt Vera mit ihrem Vortrag zwar Pluspunkte, doch ihr Unbehagen, vor anderen Menschen zu sprechen, zeigt sich besonders an zwei typischen Fehlern: Sie hält sich geradezu schutzsuchend am Tisch fest und richtet ihren Blick zu häufig auf ihre Notizen, anstatt das Publikum anzusehen. "Ein Publikum, das nicht richtig wahrgenommen wird, kann auch nicht überzeugt werden", meint Experte Püttjer.
Die Fertigkeiten eines guten Redners lassen sich natürlich nicht kurzfristig antrainieren. Gleichwohl gibt es einige Kniffe, die in der Stresssituation helfen können.
"Wenn Sie das Vortragsthema erhalten haben, sollten Sie in einem Brainstorming zunächst wahllos Argumente sammeln. Anschließend wählen Sie die aussagekräftigsten aus und bringen sie in eine vernünftige Reihenfolge", sagt Christian Püttjer.
"Überlegen Sie sich, welche Botschaft in jedem Fall hängen bleiben soll", empfiehlt Friedemann Stracke.
Für das Ende Ihres Vortrags schlägt Püttjer vor: "Liefern Sie eine Zusammenfassung mit klaren Handlungsanweisungen!" Hier sollte auch Ihre Kernbotschaft wiederholt werden.
Nutzen Sie, wenn möglich, Flipchart oder Overheadprojektor, um Ihr Thema, Ihre Gliederung und Ihre Kernaussagen in Stichworten zu visualisieren.
"Verstecken Sie sich nicht hinter dem Flipchart oder Projektor, sondern stellen Sie sich mitten in den Raum; dann füllen Sie ihn automatisch und gewinnen dabei noch an Sicherheit ", regt Stracke an.
Gegen das Lampenfieber hilft bewusstes, ruhiges und tiefes Atmen. "In Stresssituationen verflacht nämlich unser Atem", weiß der Kommunikationsberater Volker Hoffmann.
Ganz wichtig: "Kümmern Sie sich zuerst um die Beziehung und kommen Sie dann zur Sache! Sprechen Sie Ihr Publikum persönlich an", rät Stracke.



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