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Karriere

Blutdruck und Kosten senken

Jobprofile: Wie die Gesundheitsreform neue Berufsbilder schafft. Weiterbildungen in Betriebswirtschaft boomen. Kliniken droht Mangel an Azubis.

Immer weniger Geld und Personal für immer mehr Arbeit, wachsende Bürokratie - kein anderer Berufsstand steht derzeit so heftig unter Druck wie die Mediziner. Die Gesundheitsreform fegt durch Kliniken und Praxen. Kaum ein Bereich kann so bleiben, wie er war. Doch der aus der finanziellen Not geborene Wandel hat auch positive Seiten: neue Berufsbilder - und ein ganz neues Denken.

So florieren momentan Qualifizierungen zum Fachwirt oder zum Betriebswirt im Sozial- und Gesundheitswesen. Immer mehr Hochschulen bieten berufsbegleitende Bachelor-, Master- und postgraduale MBA-Studiengänge in Gesundheitsökonomie oder Sozial- und Gesundheitsmanagement an. Für diese Abschlüsse hätte es vor wenigen Jahren kaum Interessenten gegeben. Doch heute ist das, was die spezialisierten Fach- und Betriebswirte mitbringen, begehrtes Expertenwissen.

"Qualitätsmanagement hat heute eine ganz andere Dimension als früher. Ärzte müssen ihre Praxen immer mehr als Betriebe begreifen und gleichzeitig das Wohl der Patienten im Auge behalten. Betriebswirtschaftliche Abläufe müssen aber gelernt werden. Das kann kein Mediziner so einfach aus dem Bauch heraus", sagt Martin Vorhauer (48), Leiter der Grone PersonalAkademie. Diese Anforderungen sollen in immer mehr Praxen Fach- und Betriebswirte wie Axel Grundmann erfüllen. Der 43jährige ist kaufmännischer Geschäftsführer der Conradia, einer Praxisgruppe für Radiologie und Nuklearmedizin. In drei Hamburger Einrichtungen betreuen 13 Ärzte und 60 weitere Mitarbeiter jährlich 70 000 Patienten. Grundmanns Tätigkeit hat sich aus den Anforderungen der Gesundheitsreform ergeben. "Ich betreue alles, was nicht direkt Medizin ist", sagt er. "So haben die Ärzte den Rücken frei für ihre medizinischen Aufgaben."

Grundmann, von Haus aus Bilanzbuchhalter, Kaufmann und Betriebswirt, erinnert sich an ein turbulentes erstes Jahr bei Conradia. Flankiert von Fachleuten und Literatur erarbeitete er sich das Wissen, das er im täglichen Betrieb braucht, selbst. Er managt Personalfragen, Organisation, Finanzen, Marketing, Einkauf - und damit einen Arbeitsbereich, der vorher von drei bis fünf Mitarbeitern betreut wurde. "Dieser Wandel ist aus der Not heraus geboren, das Ergebnis aber eindeutig: Wir sind effizienter geworden."

Längst gehören zur Qualitätssicherung nicht mehr nur Überlegungen, wie gute Leistung so preiswert wie möglich anzubieten ist. "Es geht darum, effektiver und schneller zu helfen, sowie den Patienten selbständiger zu machen", sagt Grone-Leiter Martin Vorhauer. Und es geht darum, die Menschen möglichst gar nicht erst krank werden zu lassen, sondern durch gezielte Vorsorge bei guter Gesundheit zu halten. Zumindest in der Theorie. Denn dieses sinnvolle Vorhaben wird dadurch torpediert, daß die Krankenkassen bei Vorsorgeuntersuchungen, etwa bei der Mammographie, immer weniger Kosten erstatten. Hier müssen viele Patienten dazu zahlen.

Nicht nur ans Management, auch an die Mitarbeiter werden heute andere Anforderungen gestellt. "In Zukunft reicht es nicht mehr, in einer Praxis MTA zu sein, sondern dann benötige ich eine Fortbildung als Qualitätsmanager", erklärt Grone-Chef Martin Vorhauer. "Die Berufsbilder in der Medizin wandeln sich", betont Veronika Vaupel (46), pädagogische Leiterin am Bildungszentrum für Gesundheitsfachberufe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Die größere Aufgabenbreite werde auch an der Entwicklung der Berufsbezeichnungen deutlich: Statt "Krankenschwester" heißt es heute "Fachkraft für Gesundheits- und Krankenpflege".

Der Bedarf an qualifiziertem Personal in den Kliniken ist da. Einige Experten erwarten sogar einen Nachwuchsmangel. "Schon heute ist absehbar, daß wir in wenigen Jahren die Auszubildenden werden umwerben müssen", sagt Veronika Vaupel. Noch vor kurzem seien im Uniklinikum Schleswig-Holstein auf 25 Ausbildungsplätze in der Gesundheits- und Krankenpflege 600 Bewerbungen gekommen. Jetzt seien es 400, die Tendenz weiter fallend.

Wer gut ausgebildet ist und sich regelmäßig fortbildet, dem gehört die Zukunft. "Im Bereich der Radiologie beispielsweise gibt es ein enorm schnelles technisches Wachstum", sagt die Leiterin des Bildungszentrums. "Wer darin als MTA ausgebildet wird, erhält in aller Regel schon vor dem Abschluß die Zusage für einen Arbeitsplatz."

  • Weiterbildungen in Gesundheitsberufen bieten beispielsweise an:

    Apollon Hochschule: www.apollon-hochschule.de

    Bildungszentrum für Gesundheitsberufe: www.bzg.lbk-hh.de

    Bildungszentrum für Gesundheitsfachberufe: www.uk-sh.de

    Fernakademie Klett: www.fernakademie-klett.de

    Grone PersonalAkademie: www.grone.de

    Institut für Lernsysteme: www.ils.de

    Weiterbildung Hamburg: www.weiterbildung-hamburg.com

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