Wie Container Arbeit schaffen
Jobmotor Güterumschlag. Seit 2001 netto 9000 neue Stellen. Und die Branche wächst weiter.
9000 neue Jobs in drei Jahren - die verdankt Hamburg dem Boom in der Seeschiffahrt und immer neuen Umschlagrekorden im Hafen. Insgesamt sind zwischen 2001 und 2004 rund um den Containerumschlag sogar mehr als 20 000 Jobs hinzugekommen. Aber es sind auch viele Stellen abgebaut worden, etwa im Massengutumschlag. Rechnet man Einstellungen und Entlassungen gegeneinander bleibt unterm Strich ein Plus von 9000 Beschäftigen. "Das ist die Nettozahl", erklärt Christian Saadhoff, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. "Von 145 000 in 2001 ist die Zahl der hafenabhängig Beschäftigten auf 154 000 in 2004 gestiegen."
Ein Aufwärtstrend, der sich in diesem Jahr fortsetzt und von dem gerade Unternehmen profitieren, die indirekt mit dem Hafen verbunden sind. "Das betrifft Spediteure, Schiffsmakler und Schiffsbauer", sagt Norman Zurke, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Hafen Hamburg. Auch Banken und Versicherungen gehören dazu. "Drei Viertel der neuen Arbeitsplätze sind im Sektor Dienstleistungen entstanden, rund 1500 in der Bauwirtschaft und nur 500 im Verarbeitenden Gewerbe", sagt Christiane Kuhrt, Sprecherin der Hamburg Port Authority. Vorbei sind die Zeiten, in denen 20 000 Blaumänner an den Kais auf Arbeit warteten. Ihre Jobs sind der Automatisierung zum Opfer gefallen. "Es geht mehr in Richtung Planung und Technisierung, um Wartungsarbeiten und Qualitätssicherung", sagt Norman Zurke.
Generell gibt es nur noch wenige Nischen für ungelernte Arbeitskräfte, dennoch tun sich im Hafen zwei auf: zum einen für die Lascher, die mit Stangen und Verbindungsstücken die Container auf den Frachtern festmachen, zum anderen für die Stauer, die für das Be- und Entladen im konventionellen Bereich zuständig sind. Wenn beispielsweise eine große Anlage verschifft werden soll, muß sie geschickt zerlegt und platzsparend verpackt werden. "Stauer sind handwerklich begabte Leute, die gerade wieder gefragt sind." Henning Scharringhausen, Geschäftsführer des Fortbildungszentrums Hafen Hamburg (FZH), spricht von 400 neuen gewerblichen Stellen, die in diesem Bereich 2005 entstanden sind. 250 davon hat das FZH mit ehemals Arbeitslosen besetzt: Sie bringen eine abgeschlossene Ausbildung mit, haben das vierzehntägige Auswahlverfahren bestanden und werden zur Fachkraft im Containerumschlag weitergebildet. "Die Leute sind hochmotiviert und nach zwölf Wochen soweit, daß sie voll Verantwortung übernehmen können", erklärt der FZH-Chef. Eine Chance für alle, die wüßten, mit welchen Werten sie es zu tun haben, und die teamfähig seien. "Selbst wenn man allein auf der Containerbrücke oder bei den Gütern agiert, nur mit dem Bewußtsein für die Gruppe kommt man zum Ziel." Das gilt nicht nur für die Arbeiter in den "blue collar jobs", sondern auch für die mit dem weißen Kragen, die Logistikleiter, Reeder, Transportökonomen.
"Logistik ist der Jobmotor von morgen", sagt Christian Jauernig, Lehrbeauftragter für Logistik an der Seefahrtschule im niedersächsischen Elsfleth. Die logistische Arbeit im Hafen sei IT-lastig und komplex. "Es schafft doch keinen Mehrwert, die Ware von A nach B zu bringen. Sie muß im Hafen weiterentwickelt, kommissioniert oder umgebaut werden." Durch umfassende Logistikdienstleistungen sollen in Hamburg in den nächsten zehn Jahren 14 000 Jobs entstehen. 1000 sind allein bei der HHLA geplant. Die Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG hat gerade zur Hafen und Logistik AG umfirmiert und unterstreicht so die Entwicklung zum Logistikdienstleister.
Aber kein Warenumschlag ohne Seeleute: "Der Hafen boomt, weil die Seeschiffahrt boomt", betont Max Johns, Sprecher beim Verband Deutscher Reeder. Das habe handfeste Beschäftigungseffekte: "In der Seeschiffahrt gibt es - volkswirtschaftlich gesehen - derzeit Vollbeschäftigung." Die Ausbildungsinitiativen der Reeder laufen auf Hochtouren, schon im vergangenen Jahr wurde die Ausbildungsquote verdoppelt. Und doch reicht es immer noch nicht. "Wir suchen dringend technische Schiffsbetriebsingenieure", sagt Willem Dekker, Geschäftsführender Gesellschafter der Reederei E.R. Schiffahrt, einem Tochterunternehmen der Nordcapital Unternehmensgruppe. Diese Inspektoren sind für die Wartung der Containerschiffe verantwortlich und reisen häufig in ausländische Häfen. "Aber es ist schwer, Leute zu finden", weiß Dekker, "in Deutschland hat man die Entwicklung unterschätzt und zu wenig Personal ausgebildet." Damit die Charterreederei für Containerschiffe dennoch ihren Wachstumskurs halten kann, will sie Studenten über Praktika und projektbezogene Diplomarbeiten an sich binden und intern ausbilden. Parallel dazu sollen Techniker aus den Niederlanden, England und Dänemark angeworben werden. Nicht nur auf See, auch in den Büros rund um den Hafen wird das Personal immer internationaler.



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