Franchise-Nehmer werden
Serie: Das 1 x 1 der Selbständigkeit (Teil 10). Von den guten Ideen und der Logistik anderer profitieren.
Es gibt Gründer, die haben einfach ungewöhnliche Ideen: wie die U-Boot-Disco auf Mallorca und der Ersatzteilexport aus recycelten Militärfahrzeugen. Doch man muß das Rad für seine Existenzgründung nicht unbedingt neu erfinden - zum Beispiel wenn man aufs Franchising zurückgreift. Dabei kaufen Lizenznehmer Unternehmenskonzepte von Franchise-Gebern und profitieren von deren günstigen Einkaufsbedingungen, gemeinsamem Marketing und Vertrieb. "Man muß nicht bei Null anfangen", sagt Dieter Schäfers, "das ist ein großer Vorteil." Der Unternehmer war jahrelang im Einzelhandel tätig, bis er sein Geschäft schließen mußte. Jetzt ist er "Master Franchise Partner" der Rating 180 GmbH in Eschenburg und hilft als Unternehmensberater kleinen und mittleren Unternehmen, ihre Liquidität zu verbessern und Ansprüche der Banken (Basel II) zu erfüllen. Der Begriff "Master" impliziert, daß er für ein Gebiet - in seinem Fall den Großraum Hamburg - Mandanten-Schutz genießt. Kein anderer Franchise-Nehmer von Rating 180 darf sich dort niederlassen.
Dieter Schäfers ist zufrieden mit seinem Franchise-Geber: "Ich bekomme eine fundierte Ausbildung und Softwareprogramme zur Verfügung gestellt." Für die Nutzungsrechte und die Schulungen mußte der Gründer in Jork im Alten Land allerdings eine - einmalige - Franchise-Gebühr von 25 000 Euro zahlen. Und der Franchisegeber ist laufend an seinem Umsatz beteiligt.
"Ganz ohne Eigenkapital geht es im Franchising nicht. 5000 Euro sind das Minimum", erklärt Holger Schlotfeldt. Der Berater ist selbst Franchise-Nehmer bei der Kölner initiat GmbH. Das Beratungsunternehmen unterstützt Gründer bei der Suche nach einem passenden Franchisesystem. Die Beratung ist kostenlos, finanziert wird sie von Anbietern, die der Berater vertritt: "Wir kennen den Markt und vertreten nur Systeme, von denen wir auch überzeugt sind", betont Diplom-Ingenieur Schlotfeldt. Auch auf Seiten der Gründer schaut der Manager genau hin. "Denn Franchise-Systeme eignen sich nicht für Berufsanfänger. Erfahrene Geschäftsleute zwischen 40 und 50 Jahren, das sind die guten Partner." Partner, die sich auf ihre Aufgaben und Stärken konzentrieren, während die Zentrale das System voranbringt.
"Franchising ist ein Vertriebsweg, der auf Kooperation und Selbständigkeit basiert", erklärt Klaus P. Morin. Der Franchise-Berater warnt jedoch vor einseitigen Verträgen, die dem Lizenznehmer nur Pflichten, aber keine Rechte einräumen. Um bei über 900 im Markt vertretenen Franchise-Systemen sicherzugehen, sollte man unabhängige Berater hinzuziehen, sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen und andere Lizenznehmer befragen. "Auch die Mitgliedschaft im Deutschen Franchise Verband (DFV) ist ein guter Hinweis auf die Qualität eines Systems", sagt Morin.
TELEFONAKTION
Sie haben Fragen zum Thema Franchising? Die Gründungs-Initiative H.E.I. berät Sie. Am Montag, 12. September, von 9 bis 13 Uhr am Info-Telefon: Dirk Bachmann von der Bürgschaftsgemeinschaft (BG) Hamburg. Sie erreichen ihn unter der Rufnummer (040) 611 70 00. Bitte nennen Sie beim Anruf das Stichwort "Abendblatt-Aktion".




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