Besser über 40: Bleiben Sie gelassen
Stress im Beruf? Das können Sie dagegen unternehmen.
Angst um den Arbeitsplatz und hohe Arbeitsbelastung gehören zum Alltag im Berufsleben. (Dauer-)Belastung durch Arbeitsstress kann krank machen. Aber Stress, der Begriff kommt aus der Physik und bedeutet Druck, ist an sich nichts Schlechtes. Und: Völlige Abwesenheit von Stress bedeutet den Tod. "Leben heißt immer, daß ich mich auseinandersetzen muß. Stressfreies Leben ist utopisches Leben", sagt Frank Meiners, Diplom-Psychologe bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK). Fachleute unterscheiden positiven (Eu-Stress) und negativen Stress (Dys-Stress). Während Eu-Stress aufbauend ist und sogar beflügelt, ist Dys-Stress destruktiv und macht auf Dauer krank. Er entsteht durch Zeit- und Termindruck, Überforderung, Mobbing, aber auch durch Monotonie bei der Arbeit.
"Eine hohe Arbeitsbelastung oder Konfliktsituationen allein führen nicht zu negativen Stressreaktionen", sagt die Diplom-Psychologin Denise Leifert. "Erst das Gefühl, nicht mehr Herr der Lage zu sein, das Leben nicht mehr beeinflussen und steuern zu können, macht uns krank." Die Perspektive zu verändern und eine andere Einstellung zu entwickeln, sei der erste Schritt aus der Stress-Spirale. Denn: Der Umgang mit Stress lasse sich trainieren, behaupten Hirnforscher.
Zunächst sei es wichtig, die Stress-Situation zu analysieren, denn "Stress wird von jedem Menschen unterschiedlich bewertet", sagt Meiners. Zu klären ist: Wie reagiere ich in Stress-Situationen, was sind meine Stressauslöser, welche Warnzeichen gibt es? "Es geht zunächst um Selbsterforschung und dann darum, sein Denken und sein Verhalten zu ändern", sagt die Diplom-Psychologin Simone Meller. Häufige Fehler: Gleichzeitig mehrere Dinge zu erledigen oder während der Arbeit zu essen. Kurzfristig seien diese Strategien zwar erfolgreich, langfristig jedoch raubten sie Kraft und führten zu Stressfolgen, erläutert Meller.
Am erfolgreichsten bei der Bewältigung von Stress zeigt sich eine Kombination aus gedanklicher Umbewertung, die eine neue Sicht- und Denkweise vermittelt, verbunden mit körperlich-seelischem
Entspannungtraining. Dabei werden eingefahrene Denkmuster ("Das schaffe ich nicht") und überhöhte Erwartungen ("Ich muß perfekt sein") durch realistische Anschauungen ersetzt ("Wenn ich mich gut vorbereite, schaffe ich das"). Simone Meller, die in ihren Seminaren auch Entspannungsübungen einbaut: "Man muß sich auf die Schliche kommen, wie man sich selbst durch negative Gedanken oft entmutigt." Diese vergrößerten den vorhandenen Stress zusätzlich.
Ziel sei weder eine falsch verstandene Schonhaltung noch, jede Lebenslage perfekt zu meistern. "Die persönlichen Ressourcen, der eigene Werkzeugkoffer sollen erweitert werden", sagt Simone Meller. "Je mehr Werkzeug wir zur Verfügung haben, desto selbstbewußter können wir uns den täglichen Herausforderungen stellen." So kann Gelassenheit entstehen, eine Fähigkeit, die erst im Laufe des Lebens erworben wird.
EXPERTENFORUM Noch sind einige Plätze frei: Den Auftakt zur Seminarreihe "Besser über 40. Flexibel und gesund im Job bleiben" macht ein Diskussionsforum mit hochkarätigen Fachleuten. Moderieren wird Bernd Seguin von NDR 90,3. Der Termin ist am 19. April ab 18 Uhr in der HWP (Von-Melle-Park 9, Uni-Campus). Anmeldung bitte unter der Telefonnummer: (040) 40 18 83 31.



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