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Karriere

Das können Sie verlangen

Lieber tief stapeln oder selbstbewusst fordern? Was Fachleute Bewerbern raten.

Bitte senden Sie die Bewerbung unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellungen - so oder ähnlich heißt es scheinbar völlig harmlos in immer mehr Stellenanzeigen. Doch dieser Satz hat es in sich. Denn eine Antwort darauf erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch eine gute Vorbereitung.

Rund 60 bis 70 Prozent der Bewerbungen scheitern an so genannten formalen Mängeln. Dazu gehören Rechtschreibfehler, lückenhafte Angaben - "und leider auch nur allzu oft die Gretchenfrage zum Gehalt", sagt Christian Püttjer von der Karriereberatung Püttjer & Schnierda. Fordert der Bewerber zu viel, wird er schnell als zu teuer aussortiert. Laut Expertenschätzungen wird etwa ein Drittel aus diesem Grund abgewiesen. Fordert er hingegen zu wenig, signalisiert das mangelndes Selbstbewusstsein oder erweckt den Eindruck fehlender Kompetenz. Und auch die Floskel "Über das Gehalt würde ich mich gern in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen unterhalten" bietet nicht den ersehnten Rettungsanker. "Wird die Gehaltsvorstellung im Inserat abgefragt, erwartet das Unternehmen darauf eine klare Antwort", sagt Tom Feldkamp, Seniorberater bei Kienbaum. Fehlt diese Angabe, landen die Unterlagen bei großem Andrang vielleicht schon in der ersten Schnelldurchsicht auf dem Stapel der Absagen.

Auch der Versicherer Hamburg- Mannheimer fragt bereits in der Stellenanzeige die Gehaltsvorstellungen ab. "Die neuen Mitarbeiter sollten sich in unser Gehaltsgefüge einpassen", begründet Rainer Möller von der Hamburg- Mannheimer diesen Schritt. Zudem zeigen die Angaben, ob sich der Bewerber über die übliche Vergütung in der Branche informiert hat. Interessante Unterlagen werden aber auch geprüft, wenn die Gehaltsangabe fehlt: "Zum Teil können wir durch die Vorbeschäftigung abschätzen, auf welchem Niveau sich der Bewerber befindet", so Möller. Drücken kann sich niemand vor einer Antwort. Denn spätestens beim persönlichen Gespräch kommt das Thema wieder auf den Tisch.

Beim Konsumgüterhersteller Unilever stellt man vor allem dem Führungsnachwuchs bereits im Inserat die Frage nach dem Gehaltswunsch. "Vereinzelt gibt es schon mal Ausreißer", sagt Personalmanager Jens-Peter Stehnke. Wichtig sei, dass der Bewerber seinen Marktwert richtig taxieren könne. "Daran sehen wir, ob er den Wert seiner Qualifikation realistisch einschätzt", so Stehnke. Die meisten Bewerber würden sich ausreichend informieren, insbesondere bei den Einstiegsgehältern sei die Transparenz sehr groß. Ansonsten wird bei interessanter Qualifikation im Telefoninterview nachgehakt. "Passen die Vorstellungen nicht zusammen, senden wir die Unterlagen jedoch zurück", sagt Stehnke.

Klare Angaben gewünscht - das bedeutet jedoch nicht auf Euro und Cent genau. Im Gegenteil. "Nie exakt festlegen", so die goldene Regel von Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie. Statt dessen am besten eine Spanne angeben, die jedoch nicht zu weit auseinander liegen darf. Bei einem Jahressalär von 30 000 bis 50 000 Euro etwa sollte sie nicht größer als 5000 Euro sein. "Sonst fehlt die Aussagekraft", so Hesse.

Wer sich trotzdem unsicher ist, dem bietet sich eine weitere Möglichkeit: "Bewerber mit Berufserfahrung geben einfach ihr letztes Einkommen an", rät Horst van Gageldonk von der Ahrensburger Managementberatung SKP. Personalleiter gehen davon aus, dass in der Regel eine Verbesserung angestrebt wird.

Doch auch hier sollte man sich informieren. Denn die Traumgehälter, die in Boomzeiten gezahlt wurden, gehören inzwischen der Vergangenheit an. "Gerade die Branchen IT, Biotechnologie und Werbung hat es schwer getroffen", so Kienbaum-Berater Feldkamp. Im Schnitt müsse man hier Abschläge von zehn bis 20 Prozent hinnehmen.

Ist die erste Hürde erfolgreich genommen, steht das Vorstellungsgespräch an. Dann ist das Jahresgehalt ohnehin nur noch ein Baustein der Gesamtvergütung. Weiteren Spielraum bieten Zusatzleistungen wie etwa die Betriebliche Altersvorsorge oder ein Firmenwagen.

Der Bewerber sollte seinen Gehaltswunsch immer begründen können. "Wir erwarten etwa Informationen über die Basis der Angaben wie die Orientierung am Tarifvertrag oder die Recherche im Internet", so Möller von der Hamburg- Mannheimer.

Für viele ein weiterer Stolperstein: "Die Unternehmen möchten wissen, was sie für ihr Geld bekommen", sagt Karriereberater Püttjer. Schließlich soll der Gehaltswunsch die Fähigkeiten widerspiegeln. Deshalb sind gute Argumente gefragt, die aufzeigen, welche besonderen Qualifikationen vielleicht auch mal eine höhere Bezahlung rechtfertigen.

 

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