Kontaktpflege wird immer wichtiger. Für Freiberufler ist der Austausch mit anderen unverzichtbar

Immer mehr Selbstständige und Freiberufler haben es satt, ihren Arbeitsalltag als Einzelkämpfer zu bestreiten. Es fehlt an Austausch, Reibung und Inspiration - jenen Kommunikationspfeilern, die den Tellerrand erweitern. Die Lösung suchen viele berufliche Solisten im Netzwerk. Anne-Rose Sieland, Leiterin der Weiterbildungsberatung Continyou, begrüßt diesen Trend. "Grundsätzlich empfehle ich allen Unternehmern - vom Existenzgründer bis zum gestandenen Manager - die Teilnahme an Netzwerken."

Mehr zum Thema

Hamburger Abendblatt

Als wichtige Voraussetzungen für ein funktionierendes Netzwerk nennt sie den guten Leitgedanken für gemeinsames Handeln, verbindende Ethik und eine interessante Mitglieder-Konstellation. "Entscheidend ist, vom Netzwerk nicht nur Dinge zu erwarten, sondern vor allem auch etwas für die regelmäßige Kontaktpflege zu leisten", sagt Sieland.

Wer Geschäftspartner suchen oder sich mit Menschen seiner Branche austauschen möchte, wird im Internet fündig. So treffen sich zum Beispiel die OnlineKapitäne bei Hamburg@work, dem Netzwerk der Digitalen Wirtschaft in Hamburg. Mit 300 Firmen und etwa 2200 Menschen aus dem Medien-, IT- und Telekommunikationsbereich (MITT) zählen die onlineKapitäne zu Hamburgs größten Branchen-Netzwerken. In Arbeitskreisen und Veranstaltungen knüpfen sie Kontakte, tauschen Informationen aus und machen Geschäfte. "Hamburg@work ist das Netzwerk, das nicht unwesentlich zu unserem Erfolg beigetragen hat", so Marc-Christian Rossig, Geschäftsführer bei 24translate.

Ein kleines, effizientes Netzwerk für Selbstständige, die im weitesten Sinne Agenturarbeit leisten, ist auch das Jetztwerk. Die Initiatoren Simone Walter und Jürgen Pötschik, die die Mitgliedschaft zunächst auf Hamburg beschränkten, haben ihr Netz inzwischen bundesweit gespannt. Profis für Design, Beratung, Fotografie, Text, Marketing, Multimedia und mehr treffen sich nicht nur unter dem virtuellen Dach, sondern auch persönlich am Stammtisch und an besonderen Themenabenden. So entsteht eine Kooperationsdichte, die die Schwerpunkte einzelner Mitglieder transparent und geeignete Dienstleister bei Projektanfragen leicht vermittelbar macht. "Durch das Netz von Kooperationen wird jedes Mitglied zur Eingangstür einer Full-Service-Agentur", sagt Walter.

Dass die Theorie praktisch aufgeht, beweisen diverse Mitglieder, die schon projektweise zusammenarbeiten. Zum Beispiel Volker Graubaum, Webdesigner und Programmierer, der im Oktober letzten Jahres von Itzehoe nach Hamburg zog. Übers Jetztwerk fand er außer einem Büro auch mehrere Kooperationspartner. "Langfristig erleichtert mir das Netzwerk die Arbeit", sagt Volker Graubaum. "Es bietet mir den Zugriff auf Ressourcen aller Art."