06.10.12

Hochschule

Die besten Tipps: Auch das Lernen kann man lernen

Die Uni geht los und mit ihr der Druck: Wie sollen Studenten sich das üppige Material bloß "draufschaffen"? Experten geben Tipps.

Von Yvonne Scheller
Foto: dpa-Zentralbild
Studentin im eigenen Wohlfühl-Ambiente
Arbeiten kann man überall. Wichtig ist, sich nicht ablenken zu lassen und ein Ritual "Jetzt fange ich an" einzuführen

Die vorlesungsfreie Zeit neigt sich dem Ende zu, an einigen Hochschulen hat der Studentenalltag auch schon begonnen. Für die Anfänger ist das ein großer Schritt: Denn das Lernen an der Uni ist doch sehr anders als das an der Schule. Gerade Erstsemester hätten oft viel zu hohe Ansprüche an sich, sagt Julia Zampich, die als freie Dozentin an der HAW Hamburg Tutorien zum Thema "Wie lerne ich richtig?" gibt. Sie rät neuen Studenten, sich mit höheren Semestern auszutauschen. "Die wissen, welche Fächer besonders lernintensiv und welche Bücher hilfreich sind."

Das können durchaus auch sogenannte Dummie-Bücher sein, sagt Wibke Derboven, die sich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TUHH intensiv mit Theorien zum intelligenten Lernen auseinandergesetzt hat. "Populärwissenschaftliche Bücher bieten oft einen guten Einstieg in ein neues Themenfeld - auch wenn sie nicht unbedingt auf den Literaturlisten der Lehrenden zu finden sind." Entsprechende Literaturtipps seien meist in der Fachschaft zu erhalten. "Da finden sich auch alte Klausuren, die - gern auch mit Blick auf die Uhr - durchgerechnet werden können."

Beim Einlesen in ein neues Thema geht es zunächst darum, wichtiges von unwichtigem Material zu trennen. Dazu rät Julia Zampich: "Erst einmal mit dem Querlesen anfangen. Also Überschriften scannen, nach Schlüsselworten suchen, sich die Zusammenfassungen vornehmen. Und dann eine Auswahl relevanter Bücher zum intensiveren Studium aus der Bibliothek mit nach Hause nehmen." Der Arbeitsplatz dort darf gern "studienfreundlich" gestaltet sein, zum Beispiel mit Lieblingsfotos oder Postern in Blickweite, die zwischendurch ein bisschen Entspannung bieten können.

Wer sich an seinen Schreibtisch setzt, sollte dabei klar den Übergang von Freizeit zu Arbeitszeit markieren. "Arbeitnehmer kommen allein durch den Wechsel vom Privaten in ihr Arbeitsumfeld in einen Arbeitsmodus, Künstler wechseln die Kleidung", gibt Lern-Forscherin Wibke Derboven Beispiele. Sie rät dazu, Rituale einzuführen, um dem Gehirn zu signalisieren: Jetzt wird konzentriert gearbeitet.

Bernd Nixdorff von der Studienberatung der Uni Hamburg sagt: "Lernerfolg ist immer auch eine Frage der inneren Aufmerksamkeit - und die gerät oft durch einen einzigen Mausklick in Gefahr." Am PC zu arbeiten beinhalte vielfältige Verlockungen, à la: Nur mal schauen, ob ich neue Mails habe, nur ganz kurz bei Facebook reingucken - schon ist Schluss mit der Konzentration auf ein linguistisches Problem oder eine physikalische Formel.

"Danach kostet es viel Willenskraft, sich erneut auf den vielleicht trockenen Stoff zu konzentrieren." Nixdorff nennt E-Mails und Social Media deshalb "ständige Motivations- und Konzentrationskiller". Im Umgang mit trockenen Lerninhalten hat Lernexpertin Wibke Derboven diesen Tipp: "Nicht aufschieben, sondern wiederum ritualisieren. Jeden Tag eine kleine Dosis, vielleicht 30 Minuten - das ist eine Portion, die sich bewältigen lässt." Wer seine halbe Stunde langweiligen Büffelns direkt vor die Mittagspause setzt, kann sich anschließend sogar mit einem guten Essen belohnen.

Dozentin Julia Zampich rät zu dezidierten Tagesplänen, die festlegen: Wann lerne ich wie lange wofür?, sowie zu allgemeinen To-do-Listen. "Frei nach dem Motto: Raus aus dem Kopf, rauf aufs Papier. Sonst läuft das 'Ich muss noch dies, ich muss noch jenes' als Dauerschleife im Hinterkopf und blockiert." Zudem ist jeder Haken auf der To-do-Liste ein kleiner Motivator.

Äußerst demotivierend wirkt dagegen das Gefühl, das Lernpensum rage wie ein hoher Berg vor einem auf. Zampich hat auch dafür ein Rezept: "Das Problem mit dem Berg ist: Von oben ist die Aussicht klasse, aber wie komme ich da hoch?" Sie sagt: "Indem ich den Berg, in kleine Hügel zerlege und die Hügel Schritt für Schritt erklimme." Jede Aufgabe lässt sich in Teilziele zerlegen, und die sind viel leichter zu beherrschen.

Doch ob große oder kleine Ziele, auf keinen Fall dürfe man sich buchstäblich in die Erschöpfung arbeiten, warnt Diplom-Psychologe Nixdorff. "Studenten haben nie Feierabend. Immer gibt es noch einen Text zu lesen, die nächste Hausarbeit oder ein Referat vorzubereiten." Doch das richtige Pausieren sei wichtig zur Regeneration. "Für den Körper, speziell für die Pupillen, ist es keine Erholung, wenn nach der Bildschirmarbeit eine nette DVD eingelegt wird." Besser sei eine echte Abwechslung: Raus aus dem Haus, Freunde treffen oder Sport treiben. "Sport bringt das Blut in Wallung und versorgt das Gehirn mit Sauerstoff - so lernt es sich viel besser", sagt Studienberater Nixdorff.

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