29.09.12

Karriere

So beginnt eine Karriere bei der Uno

Für Hochschulabsolventen gibt es Einstiegsprogramme bei den Vereinten Nationen. Die Stellen sind begehrt, die Bezahlung ist sehr gut.

Von Kristin Kruthaup
Foto: DPA
Schuften für den Weltfrieden: Karriere bei den Vereinten Nationen
Hier wird Weltpolitik gemacht: ein Blick in die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York

Die meisten verfolgen internationale Politik nur in den Medien. Die 32-jährige Aleksandra M. Dier gestaltet sie mit. Seit November 2010 arbeitet die Politologin im Sekretariat der United Nations Organization (Uno; deutsch: Vereinte Nationen, VN) in New York. Dort sitzt sie im Büro für Sanktionsarbeit und überwacht, dass die vom Sicherheitsrat verhängten Sanktionen umgesetzt werden. "Wir bekommen von Mitgliedstaaten dann Fragen wie 'Wir wollen dieses Produkt in den Iran verkaufen. Ist das erlaubt?'"

Lange hat Dier sich theoretisch mit internationaler Politik auseinandergesetzt. Nach dem Abitur hat sie in Oxford Politikwissenschaft studiert und promoviert. Dann hat sie in der Schweiz und in Berlin zum Thema geforscht. "Irgendwann wollte ich wissen, wie internationale Politik praktisch stattfindet."

Mit 193 Mitgliedstaaten sind die Vereinten Nationen die größte internationale Organisation der Welt. Ihr Ziel ist die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Rund 11 442 Menschen arbeiteten dort 2011 im höheren Dienst, davon 437 aus Deutschland. Die Jobs sind begehrt. "Fast jeder hier will mitgestalten und bringt Idealismus mit", sagt Dier.

Ohne Idealismus geht es vermutlich kaum. Denn der Weg zu den VN ist lang. Für Deutsche gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten: "Es gibt das YPP-Programm, die Möglichkeit, als Beigeordneter Sachverständiger zu gehen, oder den Quereinstieg über eine Stellenanzeige der Vereinten Nationen", sagt Botschafter Bernd Borchardt. Er ist im Auswärtigen Amt zuständig für die Koordination der internationalen Personalpolitik der Bundesregierung.

YPP steht für Young Professionals Programme. Das Nachwuchsförderprogramm wird von den VN bezahlt. "Es ist der Einstieg, der direkt zur Beamtenlaufbahn führt", sagt Borchardt. Das YPP wird jedes Jahr ausgeschrieben. Doch nicht immer können sich Deutsche bewerben. "Das geht streng nach Quoten", sagt Hellmut Meinhof vom Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) der Bundesagentur für Arbeit. So dürfen sich Deutsche erst seit 2011 wieder bewerben. In den Jahren 2005 bis 2010 waren sie nicht zugelassen, da Deutschland bei den VN stark vertreten war.

Über das YPP werden jedes Jahr andere Stellen ausgeschrieben. Dieses Jahr zum Beispiel für Architekten, Wirtschaftswissenschaftler oder Politikwissenschaftler. Aus allen zugelassenen Ländern schicken Bewerber ihre Unterlagen ein. Dann folgen ein schriftlicher und ein mündlicher Test. Die Erfolgschance ist gering. "Im letzten Jahr hatten wir etwa in einem der Fachbereiche 214 Bewerber. Davon haben 43 den schriftlichen Test gemacht, drei wurden zum Gespräch eingeladen und zwei wurden genommen", sagt Borchardt.

Einer der beiden Glückspilze war Aleksandra Dier. Bewährt sie sich in den kommenden zwei Jahren, wird sie auf Lebenszeit eingestellt. Das Gehalt ist für Berufseinsteiger nicht schlecht. Es liegt für Angestellte in New York bei 60 000 Euro pro Jahr, so das Auswärtige Amt. Der Lohn ist steuerfrei.

Die Beigeordneten Sachverständigen werden dagegen nicht von den VN, sondern von der Bundesregierung finanziert. Das Programm hat die Regierung aufgelegt, um so viele Deutsche wie möglich in die Internationalen Organisationen zu bringen. "Jedes Jahr werden rund 60 Stellen ausgeschrieben. Auf diese bewerben sich im Durchschnitt je 20 bis 30 Leute", sagt Hellmut Meinhof von der Arbeitsagentur. Bis zu drei Jahre zahlt die deutsche Regierung das Gehalt. Danach müssen die Beigeordneten Sachverständigen eine reguläre Stelle bei den VN bekommen. "80 Prozent schaffen den Übergang."

Schließlich bleibt noch der Quereinstieg über Stellenanzeigen. "Das ist jedoch ausgesprochen schwierig", sagt Meinhof. Rund 1000 Stellen seien derzeit weltweit ausgeschrieben. "Doch das heißt nicht, dass die Positionen tatsächlich offen sind." Vieles sei bereits intern vergeben. Etwa 50 bis 60 Leute vermittelt das BFIO auf diese Art und Weise jedes Jahr an die VN.

Wer bei den Vereinten Nationen arbeiten will, plant seine Karriere am besten sorgfältig. Das Studienfach ist nicht entscheidend. Politologie, Informatik, Physik - es werden Fachkräfte aus allen Bereichen gesucht. "Wichtiger ist, dass die Leute zeigen können, dass sie schon internationale Erfahrungen gesammelt haben", sagt Botschafter Borchardt. So sollten Bewerber ein oder zwei Semester im Ausland studiert haben. Von Vorteil sei ein Praktikum bei den VN.

Direkt nach der Uni steigt übrigens kaum jemand in der internationalen Organisation ein. Zwei bis drei Jahre Berufserfahrung sind eigentlich Pflicht. Außerdem sollte man Englisch oder Französisch fließend sprechen, am besten noch eine weitere Fremdsprache.

Aleksandra M. Diers Arbeit in New York verlangt ihr viel ab. "Es ist selbstverständlich, bis spätabends und am Wochenende zu arbeiten", sagt sie. Dennoch würde sie den Job immer wieder wählen. "Es ist eine großartige Erfahrung, mit Menschen aus so vielen Nationen zusammenzuarbeiten." Und spannend sei die Arbeit. Wer sonst kann schon von sich sagen, dass er internationale Politik mitgestaltet.

Friedensnobelpreisträger seit 1970
Von Norman Borlauq bis Liu Xiaobo
1970: Norman E. Borlauq, US-Agrarwissenschaftler
1971: Willy Brandt, deutscher Bundeskanzler
1972: kein Preis
1973: Henry Kissinger, US-Außenminister, und Le Duc Tho, nordvietnamesischer Außenminister; Tho nahm den Preis nicht an
1974: Eisaku Sato, ehemaliger japanischer Ministerpräsident, und Sean MacBride, UN-Kommissar für Namibia
1975: Andrej Sacharow, sowjetischer Physiker und Menschenrechtsaktivist
1976: Mairead Corrigan und Betty Williams, Mitbegründerinnen einer nordirischen Frauenfriedensgruppe
1977: Amnesty International
1978: Anwar el-Sadat, ägyptischer Staatspräsident, und Menachem Begin, israelischer Ministerpräsident
1979: Mutter Teresa, Ordensschwester in Kalkutta
1980: Adolfo Perez Esquivel, argentinischer Menschenrechtsaktivist
1981: Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR)
1982: Alva Myrdal, Schweden, und Alfonso Garcia Robles, Mexiko
1983: Lech Walesa, Führer der polnischen Gewerkschaft Solidarität
1984: Bischof Desmond Tutu, Südafrika
1985: Internationale Vereinigung der Ärzte zur Verhinderung eines Atomkrieges (IPPNW)
1986: Elie Wiesel, US-Schriftsteller
1987: Oscar Arias, Präsident von Costa Rica
1988: die Friedenstruppen der Vereinten Nationen
1989: Dalai Lama
1990: Michail Gorbatschow
1991: Aung San Suu Kyi, birmanische Oppositionspolitikerin
1992: Rigoberta Menchu, guatemaltekische Bürgerrechtlerin
1993: Frederik de Klerk, südafrikanischer Präsident, und ANC-Präsident Nelson Mandela
1994: Jizchak Rabin, israelischer Ministerpräsident, Schimon Peres, israelischer Außenminister, und Jassir Arafat, PLO-Chef
1995: Joseph Rotblat und seine Pugwash-Bewegung für die Abschaffung von Atomwaffen
1996: Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo und Jose Ramos-Horta, Osttimor
1997: Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL) und ihre Koordinatorin Jody Williams
1998: John Hume und David Trimble, nordirische Politiker
1999: Ärzte ohne Grenzen
2000: Kim Dae Jung, südkoreanischer Präsident
2001: Vereinte Nationen und Generalsekretär Kofi Annan
2002: Jimmy Carter, früherer US-Präsident
2003: Schirin Ebadi, iranische Menschenrechtlerin
2004: Wangari Maathai, kenianische Umweltschützerin
2005: Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und ihr Generaldirektor Mohamed ElBaradei
2006: Muhammad Yunus und das von ihm gegründete Armenhilfsprojekt der Grameen Bank in Bangladesch
2007: Al Gore, früherer US-Vizepräsident, und der Weltklimarat (IPCC)
2008: Martti Ahtisaari, ehemaliger finnischer Präsident
2009: Barack Obama, US-Präsident
2010: Liu Xiaobo, chinesischer Dissident
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