01.09.12

Berufseinstieg

Zukunftsfrage: Was wollen Führungskräfte von morgen?

Im Seminar der Professorin Gabriele Perger setzen sich HAW-Studenten mit der Frage auseinander, wie ihre künftige Berufswelt aussehen soll.

Foto: picture alliance / JOKER/JOKER
Internationale Fachhochschule Bad Honnef
Viele Studenten streben nach dem Masterabschluss eine Führungsposition an (Symbolbild).

Studien und Umfragen zeigen immer wieder, wie belastet und gestresst Beschäftigte heute sind. Wie sehen eigentlich Studenten ihre zukünftige Berufswelt?

Undine von Hoyningen-Huene, 22, und Julien Kuhlmann, 23, Studenten der Gesundheitswissenschaften im 6. Semester an der HAW Hamburg, blicken optimistisch in die Zukunft. "Unsere Generation wird alle Herausforderungen meistern", sagt von Hoyningen-Huene. Wie eine Arbeitswelt aussehen könnte, die engagierte, leistungsbereite und gesunde Arbeitnehmer hervorbringt, statt sie einzuengen und im schlimmsten Fall krank zu machen, haben sie im Studium erarbeitet.

"Die Individualität in unserer Gesellschaft wird zunehmen", sagt von Hoyningen-Huene. Deshalb sei Flexibilität für den beruflichen Erfolg kommender Generationen eine wichtige Eigenschaft. Nach Ansicht der Studenten aber mit Grenzen: Flexible Arbeitszeit, um Familie und Beruf zu vereinbaren, ja. Verwischen der Grenzen zwischen Beruf und Privatleben durch ständige Erreichbarkeit: ein klares Nein.

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Diese Vorstellung sieht ihre Professorin schon halb verwirklicht: "Immer mehr Unternehmen erkennen, wie notwendig Freizeit ist, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu erhalten", sagt Gabriele Perger vom Department Gesundheitswissenschaften. "Sie schränken aus dieser Erkenntnis heraus die ständige Erreichbarkeit deutlich ein."

Ob sich dieser Trend flächendeckend durchsetzt, liegt maßgeblich in der Hand künftiger Führungskräfte - just die Position, die von Hoyningen-Huene und Kuhlmann nach ihrem Masterabschluss anstreben. Beide sprechen sich für einen offenen, transparenten und partizipativen Führungsstil aus. "Ich sehe mich vor allem als Koordinatorin, die Ideen zusammenführt und die richtigen Leute auf den passenden Positionen einsetzt", sagt von Hoyningen-Huene. "Wobei Verantwortung nicht zu kurz kommen darf", ergänzt ihr Kommilitone. "Eine Führungskraft muss als eindeutiger Ansprechpartner agieren."

"So sensible Führungskräfte wünschen wir uns!", kommentiert Professorin Perger die Vorstellungen ihrer Studenten. Sie sagt aber auch: "Noch scheitern hehre Vorsätze viel zu oft an wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Anforderungen des Tagesgeschäfts. Dabei zahlt sich ein guter Führungsstil langfristig für alle Seiten aus."

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Dass Berufseinsteiger oft nur befristete Verträge zu erwarten haben, stellt für Undine von Hoyningen-Huene und Julien Kuhlmann kein Problem dar. Die Vorstellung, (berufs)lebenslang einem Unternehmen anzugehören, schreckt sie eher ab. Dementsprechend stören sie sich nicht an der Unsicherheit befristeter Verträge. "Ich möchte sowieso erst einmal möglichst viele unterschiedliche Unternehmen und deren Führungsstile und -kulturen kennen lernen", sagt Kuhlmann. "Wer sich beweist, wächst automatisch in die Unternehmen hinein. Da ist es dann an denen, attraktive Mitarbeiter zu halten", glaubt von Hoyningen-Huene.

Und wodurch würden sie sich als junge Berufstätige später binden lassen? Die beiden sind sich einig: durch eine gute Work-Life-Balance, vielfältige Weiterbildungsangebote und anspruchsvolle Aufgaben. "Ich würde sogar Einkommenseinbußen für einen interessanten, mich fordernden Beruf akzeptieren", sagt von Hoyningen-Huene.

Was ihr Arbeitsumfeld betrifft, so erwartet die Studentin: "Wir werden tendenziell in Großraumbüros arbeiten, weil Austausch und Teambildung unter den Mitarbeitern immer wichtiger werden." Kuhlmann ergänzt: "Aber diese Großraumbüros werden ein anderes Gesicht bekommen, mehr hin zu einer stimulierenden Arbeitsumgebung." Dazu sagt Perger: "Die Forschung befasst sich schon sehr lange mit Arbeitsplatzgestaltung, wobei sich die Ansichten mit den Anforderungen ändern. Die Frage, ob nun Großraum- oder Einzelbüro besser den Arbeitnehmern entspricht, ist ein Beispiel. Für konzentrierte Arbeit ist der Einzelraum ohne störende Geräuschkulisse geeignet, dafür fehlen aber inspirierende soziale Kontakte. Eine optimale Lösung ist noch nicht gefunden."

Umso wichtiger sei es, dass sich junge Akademiker mit den Rahmenbedingungen unserer heutigen und künftigen Arbeitswelt beschäftigen, sagt Perger. "Sie sind die Führungskräfte von morgen und können ganz entscheidend Einfluss nehmen auf generell positive und im Speziellen gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen." So hätten Statistiken ergeben, dass Führungskräfte im Vergleich zu ihren Mitarbeitern oftmals gesünder sind. Sie fühlen sich also wohl in ihrem Umfeld. "Nun müssen wir dazu kommen, dass künftige Führungskräfte einen Schritt weiter gehen und die Weichen stellen, um auch Mitarbeitern eine gesunde und fördernde statt belastende Arbeitsumgebung zu bieten."

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