28.07.12

Abschlussarbeiten

Türöffner zum ersten Job nach dem Studium

Wer das Thema seiner Bachelor- oder Masterarbeit klug auswählt, kommt leichter in Kontakt mit interessanten Arbeitgebern und erhöht Jobchancen.

Foto: mhvogel.de
Auch auf Jobmessen, wie zum Beispiel hier beim Absolventenkongress Norddeutschland in der Hamburger Handelskammer, kann eine praxisorientierte Abschlussarbeit ein Türöffner sein
Auch auf Jobmessen, wie zum Beispiel hier beim Absolventenkongress Norddeutschland in der Hamburger Handelskammer, kann eine praxisorientierte Abschlussarbeit ein Türöffner sein

Oliver Schulz sah seine Abschlussarbeit als Türöffner für den Einstieg in die Berufswelt. Während seines Bachelorstudiums der Elektrotechnik an der FH Kiel strebte er zunächst den Schwerpunkt Energiemanagement an. Um sein Studium zu finanzieren, arbeitete er aber im IT-Dienstleistungsbereich - und stellte fest, dass ihm der Charakter der Branche lag.

Für seine Abschlussarbeit stand fest, dass er sie für ein Unternehmen schreiben wollte. Außer dem deutlich praktischeren Themenbezug bekommen Absolventen so die Möglichkeit, Inhalte zu erarbeiten, die nach der Abgabe oft real verwendet werden. Gleichzeitig können sich die Studenten für eine Stelle im Unternehmen empfehlen.

+++Thema für die Bacherloarbeit - Lauter Bäume, aber kein Wald+++

Die Aussichten sind gut: Karrierecoach Anne-Rose Sieland schätzt die Chancen auf eine Anstellung auf 70 Prozent. "Sicher gibt es auch Unternehmen, die die Arbeit der Studenten für sich nutzen, ohne eine Einstellungsabsicht zu haben", sagt sie. "Aber das ist wirklich nur der geringere Anteil."

Oliver Schulz fand in Ferchau Engineering, einem Ingenieurdienstleister, den passenden Arbeitgeber für ein vergütetes Praktikum und seine Abschlussarbeit. Für sie untersuchte er die Stellung freiberuflicher Ingenieure in Industrieunternehmen. Bei Ferchau kam die Arbeit sehr gut an. Sie lieferte etliche Anhaltspunkte, wie das Unternehmen seine Zusammenarbeit mit freiberuflichen Ingenieuren verbessern kann. Sogar eine Arbeitsgruppe entstand, in der Oliver Schulz heute mitarbeitet. Denn direkt im Anschluss an sein Praktikum bei Ferchau folgte die Übernahme als Account Manager für IT Solutions. Schulz' Tipp: "Das Praktikum sollte genutzt werden, um das Unternehmen und die Unternehmenskultur kennenzulernen."

Sich im Unternehmen bekannt zu machen fällt denjenigen, die ihre Arbeit dort schreiben, meistens nicht schwer. "Man hat ja eine Art Stabsstellenfunktion inne", sagt Karriereberaterin Sieland. Sie empfiehlt Studenten, Kontakte über fachliche Gespräche zu knüpfen. "Und nicht zu fraternisieren." Netzwerken ja - aber nur fachbezogen. Das hinterlässt den besten Eindruck.

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Vom Auftreten als Besserwisser rät Sieland dringend ab. Schließlich kennt man als Neuling im Unternehmen nicht alle Sachverhalte und Befindlichkeiten und weiß darum zum Beispiel nicht, warum ein bestimmter Prozess so lange dauert. Selbstbewusst, aber zurückhaltend sei die richtige Haltung.

"Unternehmen sind sehr daran interessiert, Kandidatinnen und Kandidaten kennenzulernen, die bereits erste Erfahrungen in der Branche oder in bestimmten Fachthemen aufweisen können", sagt Carsten Buchberger von bmv Consulting. Der Veranstalter der Karrieremessen Talents in München und Hamburg hält eine praxisorientierte Bachelorarbeit darum "in jedem Fall für ein echtes Differenzierungsmerkmal", an dem sich Unternehmen bei der Bewerberauswahl orientieren.

Es muss also gar nicht zwingend die im Unternehmen geschriebene Abschlussarbeit sein, die als Türöffner fungiert. Buchberger: "Zum Beispiel fällt der Gesprächseinstieg auf Jobmessen so deutlich leichter, als wenn Sie zunächst einmal außer Ihrem Interesse wenig Bezug zum Unternehmen und zur Branche mitbringen."

Zielstrebigkeit und Eigenständigkeit gehören natürlich dazu. Sieland: "Bei vielen Studenten fehlt es an der eigenen Zielsetzung. Sie lassen sich Themen übertragen, die vor allem ihrem Professor oder der Hochschule dienen." Persönlichkeiten dagegen dächten weiter. "Sie haben ein klares Berufsziel und stellen ihre Schritte darauf ab", sagt sie. "Wer früh herausfindet, was er will, hat es leichter, beruflich voranzukommen."

In technischen Studiengängen sei die Bereitschaft, mit Unternehmen zu kooperieren, deutlich größer als in den Geisteswissenschaften, hat Sieland festgestellt. Für sie werden aber auch seltener Unternehmenspraktika angeboten, während der eine Abschlussarbeit geschrieben werden soll. Sieland empfiehlt Studenten, sich anzubieten: "Es hängt auch von der Persönlichkeit ab, wie bereit ein Unternehmen ist, ein solches Praktikum zur Verfügung zu stellen. Wenn man von einer Idee beseelt ist, findet man auch Mitstreiter."

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