02.06.12

Dos & Dont's Berufeinstieg

Echte Erfolgstypen zeigen Körperspannung

Zu lässig wirkt lästig, besser wissen kommt beim Gegenüber nicht an. Lesen Sie, wovor sich junge Akademiker beim Berufseinstieg hüten sollten.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o/Bildagentur-online
Portrait of man sitting in armchair
Lässig, aber ob dieser Auftritt auch dem neuen Chef gefällt?

Abgabetermine verschieben, ewig herumdiskutieren und unordentlich sein - an der Uni mag das noch durchgehen. Im Arbeitsleben weht ein schärferer Wind. Dabei muss es nicht immer gleich ein großer Fehltritt sein, der die Studentenmentalität von Berufseinsteigern entlarvt.

Manchmal genügen auch kleine, unbewusste Gesten, um dem Chef zu signalisieren, dass jemand für die Anstellung nach dem Jahresvertrag noch nicht reif ist. "Studenten haben an der Uni in einem eigenen System gelebt", sagt Karriereberaterin Nandine Meyden aus Berlin, die einen Ratgeber über Karrierekiller geschrieben hat.

Zu den Relikten dieses eigenen Systems gehört zum Beispiel die Körperhaltung: Auf dem Stuhl zu lümmeln ist an der Uni ganz normal. Im Büro gilt das nicht. "Gerade wenn die Atmosphäre generell informell ist, dann entspannen sie sich innerlich und flegeln sich genauso auf den Stuhl, wie sie das auch in der Vorlesung oder der Kneipe machen", sagt Meyden.

+++So klappt's in der neuen Firma+++

Selbst beim Stehen können Einsteiger etwas falsch machen: In offizieller Runde die Hände in die Hosentaschen zu stecken könne zu große Lässigkeit oder Respektlosigkeit signalisieren.

Von Nicole Willnow, Karrierecoach und Trainerin aus Hamburg, bekommen Absolventen ebenfalls Abzüge in der B-Note. Sie kritisiert, dass akademische Berufseinsteiger durch ihre lockere Haltung oft unengagiert wirken. Das falle Kollegen und Vorgesetzten gar nicht unbedingt bewusst auf, sagt Willnow, Inhaberin der Firma winggiver. "Aber unbewusst wirkt das."

Kein Wunder also, wenn derjenige dann nicht gerade als Erfolgstyp gilt. Wer im Job gut ankommen will, dem rät die Karriereexpertin dazu, "wirklich offen zu sein". Dazu gehöre es, richtig zuzuhören - auch was Flurfunk und informelle Regeln angeht - und engagiert zu sein. "Das funktioniert aber eben nur, wenn ich den Job, den ich mache, auch wirklich wollte."

Ganz praktische Fehler machen ehemalige Studenten gern beim Begrüßen. "Sie können mich ruhig duzen" - so stellen sich manche Einsteiger selbst dem Kollegen vor, der ihnen übergeordnet ist. "Das geht so gar nicht", sagt Kommunikationstrainerin Meyden. Klar, in der Uni durften Studenten viele Dozenten duzen. "Aber in Unternehmen sind Hierarchien sehr wichtig."

Gegrüßt wird erst einmal jeder, den man trifft: Neulinge haben Grußpflicht, sagt Etikette-Trainerin Lis Droste. "Aber Vorsicht: Grüßen ist nicht begrüßen." Grüßen geschehe verbal, begrüßen mit Handschlag. "Begrüßen muss immer vom Vorgesetzten ausgehen."

+++Sauber durchs Geschäftsessen+++

Kommt es zum Händeschütteln, darf der Druck nicht zu lasch sein. Körperspannung ist hier das Thema: "Wer keine Körperspannung zeigt, wirkt auch nicht so, als ob er gespannt auf den Job sei", sagt Nicole Willnow.

Auch langes Diskutieren kann im Job schnell zu viel des Guten sein. Kritisches Hinterfragen ist an der Uni zwar erwünscht - wer aber beim ersten Arbeitsauftrag gleich eine Grundsatzdebatte startet, bekommt Probleme. "Niemand, der neu im Team ist, sollte den Eindruck erwecken, er wolle gleich alles umstrukturieren", sagt Willnow. "Die erste Zeit verbringt man besser mit Zuhören - und steuert seine Ideen erst dann bei, wenn man gefragt wird."

Vermeintliche Kleinigkeiten wie das Trinken aus der Flasche, der unordentliche Schreibtisch oder das unaufgeforderte Hinsetzen im Büro des Chefs können ebenfalls zum Problem werden. Das Uni-Verhalten sei gerade heute im Beruf hinderlicher denn je, warnt Nandine Meyden. Denn Disziplin und Respekt spielten eine immer größere Rolle. Die Lockerheit im Berufsleben habe sich in den vergangenen Jahren verselbstständigt. "Jetzt gibt es das Problem: Wie kriegen wir den Deckel wieder zu? Deshalb guckt man auch schon bei den Neuen ein bisschen: Was holen wir uns da ins Netz?"

+++Der erste Eindruck im Job zählt+++

Auch bei der Teamarbeit können Büroneulinge mit Studentenmentalität leicht anecken. Hat an der Uni einer aus der Referatsgruppe bei seinem Part geschludert, reißen ihn die anderen einfach raus. Im Job sehen Teammitglieder Unzuverlässigkeit weniger locker. "Im Berufsleben ist es sehr oft so: Wenn Dinge nicht rechtzeitig fertig gemacht werden, dann kann die kleinste Zuarbeit das Rädchen sein, das alles zum Bremsen bringt", sagt Meyden.

Wahrscheinlich sage der Chef erst einmal nichts, wenn der Neue seine Abgabefrist um ein paar Stunden überzieht. Aber er merkt es sich. Wie schlimm es ist, wenn ein Berufseinsteiger zu lange Student im Kopf bleibt, hänge vom Job ab, sagt Meyden. "Je mehr es in einer Branche um das Thema Seriosität geht, desto mehr geht das ins Gewicht."

Wobei sich Berufseinsteiger aber auch nicht verrückt machen sollten. "Anfangs nimmt einem keiner einen Fehler übel", sagt Karrierecoach Nicole Willnow. Schließlich gebe es auch viele firmeninterne Regeln und ungeschriebene Gesetze, die ein Neuling gar nicht kennen könne. "Wenn man das nicht aus den Gesprächen heraushören kann, dann soll man gern die Kollegen fragen und sich informieren", sagt Willnow. "Stellen Sie lieber eine Frage zu viel als zu wenig - auch was die Arbeitsabläufe angeht."

Am ersten Tag, so Nicole Willnows Erfahrung, passieren übrigens die wenigsten Fehler. "Da sind die meisten Berufseinsteiger ohnehin noch ein bisschen eingeschüchtert", sagt sie.

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