Berufsporträt
Pyrotechniker: Den Himmel zum Leuchten bringen
Matthias Hörr plant und zündet als Pyrotechniker Großfeuerwerke, je nach Anlass kann es besinnlich bunt oder rockig laut sein.
Matthias Hörr, 44, lässt das Silvesterfeuerwerk über der Alster steigen. Mit Kollegen sorgt er fürs richtige Timing
Foto: Klaus Bodig
Wenn ein künstlicher Sternenregen den Nachthimmel erhellt, bleibt es unten am Boden meist andächtig still. Für staunende Blicke nach oben bleibt Pyrotechniker Matthias Hörr aber keine Zeit. Wenn über ihm die Funken sprühen und Blitze zucken, arbeitet der 44-Jährige hoch konzentriert zwischen Kabeln, Zündanlagen und Abschussgeräten. "Jeder Zünder muss sitzen", sagt er. Schließlich steht hinter den mal leuchtenden, mal krachenden Spektakeln immer eine minutiös geplante Choreografie.
Vor zwölf Jahren hat sich Hörr mit dem Ein-Mann-Unternehmen "Das Feuerwerk" selbstständig gemacht. Vier Jahre zuvor hatte er als Requisiteur beim Thalia-Theater die Bühnenpyrotechnik für Aufführungen übernommen. Die Pyrotechnik werde dort eher szenisch eingesetzt: für die Darstellung eines Gewitters mit Blitzen oder des Nebels, in dem ein Raub geschieht. "Irgendwann wollte ich einfach mehr machen", sagt er. "Gestalterisch austoben kann man sich im Theater als Feuerwerker nicht."
Inzwischen hat Matthias Hörr Hunderte Großfeuerwerke in Norddeutschland abgebrannt, zum Beispiel für das Hotel Le Royal Méridien, die Firma Tchibo, das Deutsche Rote Kreuz oder beim Drachbootrennen in Schwerin. "Bei größeren Events kooperieren wir Pyrotechniker oft untereinander und nehmen freiberufliche Helfer hinzu", sagt Hörr. Wie Silvester: Da sitzt er diesmal mit Kollegen aus Goslar an der Binnenalster nahe der Lombardsbrücke, um das Großfeuerwerk zu zünden.
Das Abfeuern dauert meist sechs bis zehn Minuten. Ein paar Stunden vorher beginnt Hörr, die Technik aufzubauen. Damit die Feuerwerkskörper in der geplanten Reihenfolge abbrennen, installiert der Pyrotechniker Verzögerungszünder. Für Schüsse, die kurz nacheinander abgefeuert werden, befestigt er Hülsen nebeneinander auf Holzplatten. Wenn es losgeht, sitzt Hörr vor Ort am Funkzündsystem, um per Knopfdruck die Feuerwerkskörper zu starten. Oft übernimmt dies auch ein Computer, den er entsprechend programmiert hat. "Bei allem hat die Sicherheit höchste Priorität", sagt Hörr. Falscher Umgang könne schließlich zu schweren Verletzungen führen. Nach der Veranstaltung baut er seine Installationen ab und reinigt den Platz - auch das gehört zum Job.
Die meiste Zeit fordert die Organisation: In Gesprächen mit Auftraggebern klärt Mattias Hörr Budget, Zeitrahmen und Wünsche. "Manche möchten das Feuerwerk in den Farben des Firmenlogos oder eine besondere Musik im Hintergrund", sagt er. Am liebsten sind ihm Aufträge, bei denen er freie Hand hat. Sind die Details geklärt, muss er zum Amt für Arbeitsschutz, um das Feuerwerk genehmigen zu lassen. Die Meldung geht auch an die Flugbehörde und die Polizei. Brennt Hörr das Feuerwerk auf dem Wasser ab, muss auch die Wasserschutzpolizei informiert sein.
"Mindestens ein Helfer ist bei Großfeuerwerken gesetzlich vorgeschrieben", sagt Hörr. Wird von einem Dach aus gezündet oder bleiben vor Ort nur zwei Stunden für den Aufbau, bucht er auch schon mal bis zu sechs Personen. "Erst dann entwickele ich den Ablauf für das Feuerwerk", sagt Hörr. Dabei spielen auch Sicherheitsabstände sowie Art und Größe des Abbrennplatzes in seine Überlegungen hinein. Und natürlich das Ereignis selbst: Für eine Silberhochzeit setzt er eher Kometen und Farben für tolle optische Effekte ein, für ein Rockfestival muss es dagegen laut sein. Aber immer müsse es einen Spannungsbogen geben, sagt Hörr. "Samt fulminantem Finale."
Dabei zieht er alle Register: Aus römischen Lichtern, Fontänen, Feuerrädern, Kugel- oder Zylinderbomben, Feuerharfen und Sternenregen komponiert er Bilder in unterschiedlichen Höhen, Farben und Geschwindigkeiten. "Raketen werden im professionellen Feuerwerk selten gezündet", sagt er. Denn für sie sei ein Sicherheitsabstand von 200 Metern zum Publikum vorgeschrieben, der ließe sich meist nicht einhalten. Stattdessen setzen die Profis sogenannte Bomben ein. Ein Verzögerungszünder an den manchmal fußballgroßen Körpern steuert, wann die Ladung in der Luft auseinanderplatzt und sich als glitzernde Kaskade entlädt.
Von Großfeuerwerken allein können Pyrotechniker selten leben. Viele betreiben dies deshalb als Nebenjob. Größere Firmen mit fest Angestellten gibt es nur wenige. Matthias Hörr arbeitet auch weiterhin fürs Thalia-Theater. Ein wichtiges Standbein sei zudem seine Firma Pyroprodukt, die Profi-Feuerwerk aus China importiert und in Deutschland, Österreich, Belgien und Tschechien verkauft. "Ich weiß durch meine Arbeit als Pyrotechniker, welche Feuerwerkskörper etwas taugen", sagt Hörr. Das sei viel Wert. Denn der größte Albtraum in seinem Job ist, dass das Feuerwerk vor den erwartungsvollen Zuschauern nicht zündet. Aber das ist ihm zum Glück noch nicht passiert.





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