Serie: Das 1 x 1 des Führens (Teil 2)
Gute Chefs setzen auf Werte
Arbeitnehmer möchten von ihren Vorgesetzten "als Mensch" geachtet werden. Wo endet Management, wo beginnt Führung?
Die drei wichtigsten Eigenschaften einer Führungskraft? "Vertrauenswürdigkeit, Sensibilität, die Motive der Mitarbeiter zu erkennen, und die Fähigkeit, die Beschäftigten auf dieser Basis zu motivieren." Oliver Franke, Inhaber des Hamburger Ingenieur-Dienstleisters Franke + Pahl unterscheidet deutlich zwischen Führen und Managen. "Führen bezieht sich auf die Persönlichkeit - die des Führenden und die der Geführten." Managen dagegen sei das Anwenden von Lehrbuchmethoden und "nur das Handwerkszeug".
Ein Ziel zu bestimmen, das zum Unternehmen passt, hält Torsten Teichert, CEO des Emissionshauses Lloyd Fonds, für die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft. Und das dürfe nicht nur das gute Quartalsergebnis sein. "Wenn mein Geschäft die Produktion von grauen Schuhen ist, sollte mein Ziel sein, die absolut besten grauen Schuhe herzustellen." Die Mitarbeiter müsse man ebenfalls für dieses Ziel begeistern. "Durch Transparenz." Von Motivationsseminaren hält Teichert wenig. "Gegen unmotivierte Mitarbeiter kann man wenig tun. Die anderen erreicht man sowieso."
"Führung basiert auf Werten", formuliert es Cay von Fournier, Geschäftsführer des SchmidtColleg, eines Weiterbildungsinstituts in Berlin, in seinem Buch "Die 10 Gebote für ein gesundes Unternehmen" (Campus). Auch er versteht unter Führung etwas anderes als unter Management - trotzdem die beiden Begriffe häufig synonym gebraucht werden. Doch seine Überzeugung ist: "Menschen können nicht gemanagt, sondern nur geführt werden." Die Qualität der Führung sei immer abhängig von der Person, die führt. "Der entscheidende Wettbewerbsfaktor im 21. Jahrhundert wird die gute und wirksame Führungspersönlichkeit sein", sagt von Fournier.
Als Schlüsselqualifikationen für Führungskräfte werden gemeinhin Qualitäten genannt wie: Eigenmotivation, sich selbst reflektieren können, Integrität, Gerechtigkeitssinn, Berechenbarkeit, die Fähigkeit zuzuhören wie ganz allgemein Kommunikationsstärke. Doch das ist noch nicht in allen Führungsetagen angekommen. Zahlreiche Studien bestätigen das. So ergab im Jahr 2008 eine Erhebung des Personaldienstleisters Kelly Services, dass die meisten Befragten die Führungsqualität ihrer Vorgesetzten als unzureichend einschätzten. 44 Prozent gaben zum Beispiel an, vom Chef nicht genügend motiviert zu werden. Und auf die Frage, ob ihr Vorgesetzter schwerer arbeite als sie selbst, antworteten nur 21 Prozent der Studienteilnehmer mit "ja". Oft fehlt es auch an Anerkennung durch Vorgesetzte, wie eine Studie der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" (INQA) 2007 festgestellt hat. Dabei möchten Arbeitnehmer von ihren Chefs "als Mensch" geachtet und nicht lediglich als Arbeitskraft betrachtet werden. Dieser soziale Aspekt des Führungsverhaltens gilt für 83 Prozent sogar als sehr wichtiges Kriterium von guter Arbeit.
"In unserer Arbeitswelt besteht ganz sicher ein Bedarf an Methodik", hebt der Unternehmensberater David Freemantle in seinem Buch "80 Tipps für tolle Chefs" (verlag moderne industrie) hervor. Doch er sagt auch: "Was wir wirklich nicht brauchen, sind Techniken zur Führung unserer Mitarbeiter." Er plädiert stattdessen für gesunden Menschenverstand, um ein guter Chef zu sein.
Ob man das dann Führen oder Managen nennt, ist nicht mehr so wichtig. "Die Bezeichnung ist egal, es gibt nur gut oder schlecht", sagt CEO Teichert.
Nächstes Wochenende: Teil 3 - Führungsstile Verlassen Sie sich auf den Verstand Ihrer Mitarbeiter."




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