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Karriere

Consulting

Karrieresprungbrett Unternehmensberatung

Die Consulting-Branche – nur was für junge Absolventen? Einerseits ja, aber auch den Weg vom erfahrenen Manager zum Berater beschreiten nicht wenige.

 
Foto: Picture Alliance

Hamburg. Das Tischtuch aus Papier mit der darauf skizzierten Gründungsidee hält Thomas Hohlfeld unter Verschluss. Für den Fall, dass "Ribbon und Partner" einmal "Museumsreife" erzielen sollte, scherzt der Mitinhaber der Hamburger Unternehmensberatung. Vor drei Jahren gründete Hohlfeld, damals noch Mitglied der Geschäftsführung bei AOL Deutschland, zusammen mit seiner Kollegin Simone Brecht die Ribbon GmbH.

Den Anstoß gab ein frühlingshafter Feierabend nach einem anstrengenden Arbeitstag: "Vier Wochen lang waren damals fünf Berater zu einem Honorarsatz von 3.000 Euro bei uns ein und ausgegangen. Am Ende ohne Ergebnis." Am Abend der gescheiterten Projektintegration saßen Hohlfeld und Brecht im Café Central und wussten: "Das geht besser."

Geschäftsidee auf den Tisch gemalt

Wie, das notierten die beiden Betriebswirte kurzerhand aufs Tischtuch: In die Mitte setzten sie ein Interessendreieck aus Eigentümer, Mitarbeitern, Kunden. "Jeder Top-Manager agiert aus verschiedenen Spannungsumfeldern heraus", erklärt Hohlfeld das magische Dreieck. Drumherum führt das Band der Kundenbindung, auf dem auch der Firmenname "Ribbon und Partner" basiert (engl. ribbon = Band).

Zum Zeitpunkt der Gründung war Hohlfeld 44, seine Kollegin 39 Jahre alt – und damit weit über dem typischen Einstiegsalter der Unternehmensberater. Deren Laufbahn beginnt klassisch nach dem Hochschulabschluss mit Bestnoten und führt bei Erfolg vom Juniorberater zum Consultant und schließlich zum Seniorberater.

Die meisten wechseln auf die Unternehmensseite

Die höchste Stufe als Partner mit Budget und Personalverantwortung erreichen zwischen 20 und 30 Prozent der Mitarbeiter, sagt Klaus Reiners, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater, BDU in Bonn. Die anderen wechselten nach sieben oder acht Jahren auf die Unternehmensseite: "Beratung ist ein Karriereturbo", sagt Reiners und verweist beispielhaft auf die internen Beratungseinheiten großer Unternehmen: Zwei Drittel der Inhouse-Berater rückten binnen weniger Jahre in die Führungsmannschaft ihres Unternehmens auf, ergab eine von der European Business School durchgeführte Studie.

Vom Manager zum Berater

Ganz ungewöhnlich ist der Weg vom gestandenen Manager zum Berater aber auch nicht. Und er muss keinesfalls immer über die eigene Gründung gehen. Putz & Partner beispielsweise, mit 70 fest angestellten Beratern eine der größten Gesellschaften am Standort Hamburg, stellt prinzipiell nur Führungskräfte mit mindestens zehnjähriger Berufserfahrung ein.

"Wer frisch von der Uni kommt, kann sicherlich tolle Konzepte schreiben, aber ihm fehlt die Umsetzungserfahrung", sagt der kaufmännische Leiter Michael Schindler. Folglich verzichte Putz & Partner auf die Karrierestufe Juniorberater und suche gestandene Mitarbeiter auch jenseits der Altersgrenze 40plus: "Das Prinzip ‚up or out’ gibt es bei uns nicht."

"Grow or go" – wer es nicht bringt, ist draußen

Die Formel steht für ein fixes Karrieremodell großer Beratungen, Beförderungen innerhalb bestimmter Fristen zu verlangen – oder sich andernfalls von den Mitarbeitern zu trennen. "Der Personaldurchsatz der Branche ist hoch", sagt Dirck Süß, Geschäftsführer des Hamburger Consulting Club (HCC). Das liege nicht nur an dem Ausleseprinzip, das je nach Beratungshaus auch mal "grow or go" laute. Sondern auch an der Strategie talentierter Hochschulabsolventen: "Die sammeln als Junior Berater viel Projekterfahrung, lernen ganz unterschiedliche Branchen kennen und suchen sich nach ein paar Jahren dann ihren Wunscharbeitgeber aus."

Erfahrungen als Berater sind immer ein Karriereschub

So könne selbst das "Go" einer Unternehmensberatung zu einem Schrittmacher in der Karriere werden. "Die Ausbildung in einer Unternehmensberatung gilt als vorbildlich, die Mitarbeiter erhalten viel Methodenkompetenz", betont Süß. Sein Wissen und Können aus zwanzig Jahren Berufserfahrung einzubringen und sich gleichzeitig durch neue Anfragen und Fortbildungen ständig weiterzuentwickeln, das ist auch für Berater Thomas Hohlfeld das Tolle an seinem Beruf und durchaus ein Karriereschub: "Jawohl, ich bin vorangekommen und mit jedem neuen Aufgabengebiet geht es weiter."

 

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