Einstieg ins Consulting
Es muss nicht immer McKinsey sein
Wer eine Karriere als Berater anstrebt, schaut meist als erstes auf die ganz großen Namen. Doch auch abseits von McKinsey und Co. finden Bewerber attraktive Jobs.
Foto: Picture Alliance
Hamburg. Eine erstklassige Abschlussnote in einer wirtschaftlichen oder technischen Fachrichtung, Mehrsprachigkeit und Praxiserfahrung - wer das in seine Bewerbung schreiben kann, dem öffnen sich die Türen in der Consulting-Branche. Anlaufstelle für Bewerber sind vor allem die großen Beratungen. Dort wird gut gezahlt, es warten namhafte Kunden und es gibt umfangreiche Weiterbildungsprogramme, mit denen sich die Karriere vorantreiben lässt.
Womit können kleine Beratungen punkten?
Was können die kleinen und mittelständischen Beratungsunternehmen diesem beeindruckenden Angebot eigentlich entgegensetzen - wo sie doch ebenfalls auf der Jagd nach bestens ausgebildeten Hochschulabsolventen sind? Finanziell könne seine Firma zwar nicht mit den Großen mithalten, sagt, Michael Zipser, Geschäftsführer von "Dennso Management Consulting" mit etwa 20 Mitarbeitern. "Dafür bieten wir flache Hierarchien und die Möglichkeit, schnell Verantwortung für interessante Projekte zu übernehmen."
Job und Familie sind besser zu vereinbaren
Auch Klaus Reiners, Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU), sieht gerade in der größeren Eigenverantwortung und umfangreicheren Projekterfahrung ein Pfund, mit dem die kleineren Unternehmen wuchern können. Statt nur einzelne Projektabschnitte zu betreuen, begleiten Berater hier in der Regel das gesamte Projekt von Anfang bis Ende und sind auf diese Weise "nah am Kunden sowie am Puls des Unternehmens", sagt Reiners.
Dazu finde die Beratung oft regional statt und erfordere somit eine geringere Reisetätigkeit. "Dies führt zu einer besseren Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben. Das lässt sich so zwar nicht pauschalisieren, aber die Tendenz ist da", erklärt der BDU-Sprecher.
Der Beruf muss Berufung sein
Wilbert Hirsch, verheiratet, drei Kinder und Senior Partner der "audio consulting group" (acg) ist überzeugt, in seinem Unternehmen lassen sich Privat- und Berufsleben gut vereinbaren. "Allerdings sprechen wir hier nicht von einem ‚Nine-to-Five-Job’. Vielmehr von einem Beruf im Sinne von Berufung. Was uns umtreibt ist eine Passion für das Thema, und das führt fast automatisch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Inhalten. Letztlich auch zeitlich."
Die acg als einer der Pioniere im Bereich der akustischen Markenführung, hat den Vorteil des Alleinstellungsmerkmals bei der Mitarbeiterakquise. "Wer als Berater in unserem Bereich tätig sein möchte, kommt an uns kaum vorbei", sagt Hirsch lachend. "Andererseits ist jedoch die Zahl der Interessenten begrenzt, die für uns prädestiniert sind", fügt er hinzu.
Praxiserfahrung gilt als wichtiger als tolle Noten
Marketing Managerin Jasmin Junge kam über ihre Diplomarbeit zu acg. "Mein Thema waren die rechtlichen Aspekte der akustischen Markenführung und damit war ich hier na-türlich genau richtig", erzählt die 28-Jährige. In dem halben Jahr, das sie so in dem Unternehmen verbrachte, konnte Junge sich beweisen. "Sie brachte eigene Ideen ein, kam sehr gut mit den Kunden zurecht und betreute schnell selbständig Projekte", sagt Senior Partner Hirsch. Solche Erfahrungen wiegen für ihn weit mehr als imponierende Abschlussnoten.
Entscheidend ist die Sozialkompetenz
Auch Klaus Schmöcker, Geschäftsführer der "Hamburg Port Consulting GmbH" (HPC), einer hundertprozentigen Tochter der HHLA, hat bei Bewerbern weniger die Note im Blick. "Die Frage nach einem Prädikatsexamen erübrigt sich oft, da viele Interessenten promoviert haben. Entscheidend ist vielmehr die Sozialkompetenz, denn wie fachlich versiert ein Bewerber auch sein mag, er muss sein Wissen auch beim Kunden umsetzen können."
Besonders gern gesehen sind bei der HPC Bewerber, die - wie Schmöcker selbst - über nautische Erfahrung verfügen. "Vor meinem Studium zum Diplomkaufmann war ich als Kapitän auf großer Fahrt. So kenne ich beide Seiten: Die Anforderungen unserer Kunden, der Häfen und Terminalbetreiber, und die betriebswirtschaftlichen Hintergründe."
Zudem sind Bewerber mit Seefahrtserfahrung längere Phasen der Abwesenheit von zu Hause gewohnt. "80 Prozent unseres Geschäfts findet im Ausland statt." Je nach Aufga-bengebiet gehören mehrmonatige Beratereinsätze einfach dazu.
Vielen Bewerbern sind flache Hierarchien wichtig
So geht es im Grunde weniger darum, die sprichwörtlichen "klugen Köpfe" direkt von der Uni weg zu engagieren, sondern "den möglichst optimal passenden Mitarbeiter für das eigene Unternehmen zu gewinnen", erklärt Klaus Reiners. "Es muss auf beiden Seiten passen und da steigen die Chancen der kleineren und mittleren Unternehmen durchaus, da für viele Interessenten flache und überschaubare Hierarchien wichtig sind."





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