20.04.10

Ausbildung

Wer zahlt den Wegzug für die Lehre?

Wenn Azubis für ihren Ausbildungsplatz das Elternhaus verlassen und in ein anderes Bundesland ziehen, kostet das so einiges. Die Arbeitsagentur zahlt eine Unterstützung.

Von Berit Schmidt
Foto: DPA
Wer für die Ausbildung weit weg ziehen muss, kann Berufsausbildungsbeihilfe beantragen.
Wer für die Ausbildung weit weg ziehen muss, kann Berufsausbildungsbeihilfe beantragen.

Hamburg. Das wochenlange Suchen nach einem Ausbildungsplatz im Heimatort hat nichts gebracht. Den passenden Job gibt es nur in einem anderen Bundesland. Das bedeutet den Auszug aus dem Elternhaus – und mehr Kosten bei einem meist mageren Einkommen. Viele können sich das nicht leisten.

Abhilfe soll in solchen Fällen die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) schaffen. Sie ist für Auszubildende gedacht, die während der Lehre nicht bei den Eltern wohnen können, weil der Ausbildungsbetrieb vom Elternhaus zu weit entfernt ist, erklärt Adriana Galunic von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg.

Die BAB ist quasi das Gegenstück zum BAföG. Allerdings werde diese Beihilfe nicht bei schulischen Ausbildungen gezahlt, sagt Ingo Kolf vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Berlin. Darunter falle etwa die Ausbildung zum Physiotherapeuten. "Das ist eine Förderungslücke."

Beihilfe vor Beginn der Lehre beantragen

Auch Auszubildenden, die älter als 18 Jahre sind und mindestens ein Kind haben, steht laut BA die Förderung zu, wenn sie bisher in der Nähe des Elternhauses wohnten und wegen der Ausbildung wegziehen müssen. Gleiches gilt für Azubis, die verheiratet sind oder waren.

Gefördert werden in der Regel deutsche und unter bestimmten Voraussetzungen auch ausländische Antragsteller. Die Beihilfe müssen die Azubis bei der Agentur für Arbeit beantragen, in deren Bezirk sie ihren Wohnsitz haben, erklärt Galunic. Wird der Antrag abgelehnt, kann man Widerspruch einlegen. Die Beihilfe sollte bereits vor Beginn der Ausbildung beantragt werden.

Doch auch Spätzünder bekommen die Förderung. "Allerdings wird sie rückwirkend längstens vom Beginn des Monats an geleistet, in dem die Leistung beantragt worden ist", erläutert Galunic. Wenn die Ausbildung am 1. September beginnt, aber der Auszubildende erst am 21. Oktober Beihilfe beantragt, bekommt er die Hilfe nur rückwirkend ab dem 1. Oktober bewilligt.

Nur die erste Ausbildung wird gefördert

Um die Beihilfe zu bekommen, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. In der Regel werde nur die erste Ausbildung gefördert, erklärt Jorg-Günther Grunwald vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. In Ausnahmefällen komme die Beihilfe auch für eine zweite Ausbildung in Betracht, ergänzt Galunic. Auch wenn die erste Ausbildung nicht beendet wurde, könnte unter Umständen eine erneute Ausbildung gefördert werden. Teilnehmer an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen bekommen nach Angaben der BA ebenfalls Berufsausbildungsbeihilfe. Voraussetzung dafür ist, dass die Maßnahme auf die Ausbildung vorbereitet oder der beruflichen Eingliederung dient. Sie darf nicht den Schulgesetzen der Länder unterliegen.

Auch eine berufliche Ausbildung oder Teile einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme im Ausland können gefördert werden. Allerdings rät Adriana Galunic Azubis mit solchen Plänen zu einem Beratungsgespräch, da hier spezielle Voraussetzungen gelten. Keine Förderungen erhalten Auszubildende, die zum Beispiel von einer anderen Behörde Leistungen erhalten, die mit der Berufsausbildungsbeihilfe vergleichbar sind.

Einkommen der Eltern wird geprüft

Generell gilt, dass man nur dann BAB erhält, wenn die Kosten für den Lebensunterhalt, für Fahrten und sonstige Aufwendungen wie Arbeitskleidung nicht anderweitig bezahlt werden können, erklärt Galunic. Zur Prüfung werden die Einkommen des Auszubildenden, der Eltern und des Lebenspartners angerechnet – sobald sie bestimmte Freibeträge übersteigen. Von diesem Einkommen können Sozialabgaben und Steuern abgezogen werden. Bei Teilnehmern an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen wird grundsätzlich kein Einkommen angerechnet.

Azubis, die wegen ihrer Lehre in einer eigenen Wohnung leben, erhalten nach BA-Angaben 341 Euro Grundbedarf, 146 Euro Mietpauschale und einen Zuschlag von bis zu 72 Euro, soweit die Mietkosten 146 Euro übersteigen. Machen sie eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme und wohnen in einer eigenen Wohnung, stehen ihnen 383 Euro Miete und Grundbedarf zu. Außerdem können sie maximal 72 Euro Zuschlag erhalten, soweit die Miete 57 Euro übersteigt.

Ingo Kolf kritisiert, dass die BAB oft nicht die tatsächlichen Mietkosten abdeckt. Auszubildende könnten einen separaten Antrag bei der zuständigen Hartz-IV-Behörde stellen. Das sei aber ein erheblicher bürokratischer Aufwand. Der Anspruch auf BAB besteht für die Dauer der Ausbildung, erklärt Galunic. Allerdings entscheidet die Agentur nicht für die gesamte Zeit, sondern zunächst für 18 Monate. Dann prüft sie, ob die Ausbildung fortgesetzt wird und bewilligt gegebenenfalls weiterhin Beihilfe.

Ausbildungsbeihilfe für Behinderte

Für Menschen mit Behinderung gelten Besonderheiten. Sie werden laut der Bundesagentur für Arbeit auch bei beruflichen Ausbildungen unterstützt, die von den Ausbildungsordnungen für staatlich anerkannte Ausbildungsberufe abweichen oder eine Sonderform für behinderte Menschen sind. Außerdem erhalten sie die Beihilfe auch, wenn ihre Ausbildung länger dauert oder sie eine Lehre wiederholen. Eine erneute berufliche Ausbildung wird unter Umständen gefördert. Und es gibt Geld, wenn sie während der Ausbildung zu Hause wohnen. (dpa)

Zum Beihilferechner der Arbeitsagentur
http://babrechner.arbeitsagentur.de

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