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Karriere

Serie: Angekommen - Migranten in Hamburg (Teil 14)

"Die Person zählt, nicht die Herkunft"

Michael Drews berät Ausländer in der Sozialbehörde. Selbst Migrantenkind zu sein hilft ihm dabei.


Foto: Arlt

"Wenn Menschen mit Migrationshintergrund bemerken, dass auch ich einen habe, reden sie gleich viel offener mit mir", sagt Michael Drews, Mitarbeiter der Leitstelle Integration und Zivilgesellschaft in der Hamburger Sozialbehörde. So ist es eben. Wirklich gut findet er das nicht: "Es ist eher schade, dass einem schneller vertraut wird, wenn man einen ähnlichen Hintergrund hat." Die Herkunft sollte doch heute nicht mehr so wichtig sein. Allerdings sieht er auch die Vorteile, die ihm der Vertrauensvorschuss bietet: "So kommt eher ein Smalltalk zustande, und man kann offener über Probleme sprechen." Außerdem wachse das Verständnis für seine Auskünfte - die auch mal negativ für den Betroffenen ausfallen können.

Seinem Namen nach ist Michael Drews allerdings kein typischer Migrant. Dennoch gilt er nach der Definition als Deutscher mit Migrationshintergrund, denn seine Mutter stammt aus dem Iran. Als assyrische Christin habe sie Anfang der 1980er-Jahre gemeinsam mit Drews Vater, der auf einer Bohrinsel im Persischen Golf tätig war, den Iran verlassen. "Für viele, besonders für Angehörige religiöser Minderheiten, wurde das Leben dort nach der islamischen Revolution sehr schwierig", sagt der 25-Jährige.

Geboren und aufgewachsen ist er in Hamburg. Er spielt gern Fußball, reist, interessiert sich für ausländische Kulturen, trifft sich mit seiner Freundin, einer angehenden Polizistin, oder anderen Freunden. In Hamburg hat er auch studiert: Public Management an der HAW. "Das Studium enthält Elemente aus Jura, BWL und Sozialwissenschaften", erklärt Drews. Es bereitet die Teilnehmer auf eine Beamtenlaufbahn im öffentlichen Dienst vor. Sicherheitsdenken sei es nicht gewesen, das ihn diese Richtung habe einschlagen lassen. In der Verwaltung sieht er vielmehr die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen und mit unterschiedlichen Themen zu arbeiten. "Die Verwaltung bietet als größter Arbeitgeber in Hamburg die unterschiedlichsten beruflichen Facetten", sagt er. Einen konkreten Zukunftsplan hat Drews nicht. Aber so viel ist klar: "Ich möchte Beruf und Freizeit auf einen Nenner bringen, sodass ich eine gesunde Balance im Leben habe."

Seit fast zweieinhalb Jahren arbeitet er im Bereich Integration. Was ihm daran gefällt? "Integration ist ein Querschnittsthema", sagt Drews. "Es betrifft Jugendliche wie Senioren, behandelt Bildungsfragen, die Arbeitswelt, die Eingliederung . . . Wir haben Berührungspunkte zu jeder anderen Behörde." Oft berät er Anrufer. Aber er hat auch viele organisatorische Aufgaben. Zum Beispiel betreut Drews die Geschäftsstelle des Integrationsbeirats. Dessen ehrenamtliche Mitglieder, viele davon selbst Migranten, beraten die Sozialbehörde, parallel nutzt die Behörde den Beirat als Multiplikator für Integrationsthemen.

Sich selbst empfindet Michael Drews als eine Mischung zweier Kulturen. Er habe von beiden Seiten wesentliche Charakterzüge mitbekommen, ist er überzeugt: "Vom Vater stammen eher Eigenschaften wie sicheres Auftreten und das Gespür für Prioritäten", sagt er. Seine Mutter habe ihm Menschenkenntnis vermittelt, Verständnis für andere und die Fähigkeit, Vertrauen haben zu können. Außerdem hat der 25-Jährige von seiner Mutter Persisch gelernt. "Ich spreche es aber nicht so gut", gesteht er ein. "Es taugt eher für den Alltagsgebrauch, nicht für die Arbeit." Darum wechselt er in der Behörde auch kaum mal ins Persische, wenn er mit Iranern zusammentrifft. "Ich nutze es nur hin und wieder, um Vertrauen herzustellen, aber nicht um Sprachbarrieren zu überwinden."

Interessant findet er, wie unterschiedlich sein Aussehen von Deutschen und Ausländern wahrgenommen wird: "Perser kommen selten auf die Idee, dass ich selbst einen Migrationshintergrund haben könnte. Deutsche sehen mir das eher an." Benachteiligt habe er sich dennoch nie gefühlt. "Ich habe aus Gesprächen mit Afrikanern den Eindruck gewonnen, dass ihnen gegenüber noch viel mehr Vorurteile abgebaut werden müssen." Er selbst ist jedenfalls überzeugt: "Es kommt auf die Person an, nicht auf die Herkunft. Warum ich so denke, weiß ich nicht." Vielleicht weil er in Billstedt aufgewachsen ist. "Da geht das automatisch, dass man zu allen möglichen Nationalitäten Kontakt hat." Oder weil er eh eine soziale Ader hat. Beim Zivildienst der Caritas hat er im mobilen Hilfsdienst vor allem in sozial schwachen Gegenden gearbeitet. "Dabei habe ich Lebensverhältnisse kennengelernt, die mir bis zu dem Zeitpunkt völlig fremd waren. Das hat mich schon ein bisschen geprägt." Wie auch seine zahlreichen Reisen. "Ich mache oftmals nicht das klassische Touri-Programm, sondern reise abseits der breiten Pfade und gern allein." Vor einigen Jahren ist er zum Beispiel im Sudan gewesen. "Da weiß man zu schätzen, wie gut es einem hier in Deutschland geht."

Solche Reisen haben ihn immer auch darin bestärkt, andere unterstützen zu wollen - egal, ob derjenige sich selbst in eine prekäre Situation gebracht hat oder unverschuldet hineingeraten ist. "Denn nur so kann unsere Gesellschaft funktionieren", sagt der 25-Jährige. "Mit einer Ellenbogenmentalität zu leben ist nicht richtig."

 

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