Gründerinnen vernetzen sich bei der Handelskammer
Abenteuer Selbstständigkeit
Fortgeschrittenes Alter steht einer beruflichen Umorientierung nicht im Wege - wenn man sein Handwerk versteht und selbstbewusst ist.
"Jede Frau sollte sich bewusst sein, was sie in ihrem Kompetenzkoffer hat. Denn den braucht man, wenn es hart auf hart kommt und der Aufbau einer eigenen Existenz als sinnvolle Lösung erscheint." Die 57 Jahre alte Personalberaterin Petra Minnemann sagt dies mit Nachdruck und schaut in die Runde der rund 100 Frauen, die sich regelmäßig im Rahmen des Netzwerks "Existenzgründerin trifft Unternehmerin" in der Hamburger Handelskammer trifft. Es ist eine sehr gemischte Gruppe, die sich im großen Plenarsaal an diesem Tag versammelt hat.
Das Durchschnittsalter ist relativ hoch - obwohl das Thema Existenzgründung auf der Agenda steht. Die Frauen diskutieren an diesem Abend, welche Chancen und Risiken es mit sich bringt, wenn sich eine Frau mit 50 Jahren beruflich selbstständig macht.
"Besonders als Frau wird man bei einer solchen Entscheidung oft gefragt, ob eine Gründung in diesem Alter überhaupt noch sinnvoll ist, beziehungsweise ob die Selbstständigkeit Früchte tragen wird", sagt Unternehmerin Imme Vogelsang, die sich nach Jahren als Angestellte im PR-Bereich als Etikette Expertin selbstständig gemacht hat. "Aber überlegen Sie mal: Sie haben einen langen Weg im Berufsleben bereits hinter sich, haben wahrscheinlich ein großes Netzwerk und wesentlich mehr Lebenserfahrung als junge Menschen, die eine Existenz gründen. Also, worauf warten Sie noch?" Nach Meinung vieler Teilnehmer ist die Gründung einer eigenen Existenz in diesem Alter alles andere als eine schlechte Idee. Mit dem richtigen Grundstock an Kompetenzen und dem entsprechenden Selbstbewusstsein sei das Alter kein Hindernis dafür, sich auch mit 50plus noch einmal umzuorientieren.
"Ich wollte einfach nicht dumm sterben", sagt Roswitha Okon bei der Frage nach ihrer Motivation, sich selbstständig zu machen. Jahrzehntelang war die Informatikerin in einer Bank im IT-Bereich beschäftigt, leitete am Ende sogar die Abteilung. "Die Bedingungen wurden dann in dem Job immer schlechter, und dann habe ich mich einfach umorientiert, hab geschaut, was ich sonst noch so kann."
Die 55-Jährige legte eine berufliche 180-Grad-Wende hin und begann mit viel Selbstbewusstsein, ihre kreative Seite auszuleben. Heute kreiert die Hamburgerin Mode für Frauen über 40 und bietet Typberatung an. "Ich habe ganz von vorne angefangen und gemeinsam mit jungen Mädels die Schulbank in einer Modeschule gedrückt, Klausuren geschrieben und Seminare besucht", sagt Roswitha Okon und lächelt. "Ich bin aber überzeugt, dass ich den richtigen Weg gegangen bin und meine Nische gefunden habe, in der ich glücklich bin."
Die Finanzberaterin Ulrike Schalow hat sich aus einem anderen Grund selbstständig gemacht. Bei ihr war es nicht der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung, sondern ihre Lebensumstände, die sie dazu brachten, auf eigenen Beinen stehen zu wollen. Doch der Weg in die Selbstständigkeit war für die Finanzberaterin nicht ganz einfach, wie sie offen zugibt. "Zu Beginn macht man natürlich viele Fehler. Woher nimmt man das Startkapital? Brauche ich Angestellte? Wo finde ich den richtigen Steuerberater? All diese Fragen muss man sich zunächst beantworten, bevor man so richtig loslegen sollte", sagt Schalow.
Heute ist die 46-Jährige als selbstständige Finanzberaterin tätig, explizit auf die Beratung von Frauen spezialisiert. "Die Frage nach einer guten Altersvorsorge und der richtigen Versicherung stellt sich gleich am Anfang einer Umorientierung", sagt die Geschäftsfrau aus Buxtehude bei Hamburg. "Denn wenn man sich mit 50plus eine Existenz aufbaut, ist es höchste Eisenbahn, auch an seine Altersvorsorge zu denken."
Die Fallen auf dem Weg in die Selbstständigkeit könne man aber leicht umgehen, wenn man sich ihrer bewusst ist, sagen die Unternehmerinnen im Saal. "Wir Frauen sind immer der Meinung, dass wir alles selber machen müssen und bloß keine Aufgaben an andere delegieren sollten", sagt Etikette-Expertin Imme Vogelsang. "Aber in der Zeit, in der wir uns mit Steuern abärgern, können wir viel sinnvollere Dinge machen, zum Beispiel neue Kunden akquirieren." Zudem sei es wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich auf eine Leistung zu beschränken. "Auch wenn eine Frau in ihrem bisherigen Berufsleben viele Kompetenzen erworben hat, sollte sie sich auf eine Dienstleistung beschränken", rät Petra Minnemann. "Klasse statt Masse - das zählt."
Und wenn dann die Kernkompetenz gefunden ist, muss diese propagiert werden. Erfolg stellt sich aber nur ein, wenn man gut in dem ist, was man tut und das Geschäftskonzept überzeugend ist. Und dann heißt es, für seine Produkte oder Dienstleistungen zu trommeln: "Sie glauben nicht, wie viel Kaffee ich in den letzten Jahren mit verschiedenen Menschen getrunken habe", sagt Ulrike Schalow. Denn auch das Pflegen des Netzwerks ist wichig. "Aber es bringt auch ungemein Spaß."




Branchenbuch Hamburg
Bauunternehmen Dirk Kage
Hamburger Gutscheinwochen
EnergieBauZentrum


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



