28.12.12

Studium

Smartphones und Tablet-PCs: Lernen im digitalen Zeitalter

Universität im Netz und neue Kursformen - der Tablet-Computer ist auf dem Vormarsch und wird für Fortbildung und Studium immer wichtiger.

Von Andreas Matz
Foto: pa/empics/PA Wire
Fortbildung mit dem Tablet-Computer. Studenten können sich die Vorlesung vorab auf YouTube ansehen
Fortbildung mit dem Tablet-Computer. Studenten können sich die Vorlesung vorab auf YouTube ansehen

Ende Oktober sorgte ein Bericht in der amerikanischen Ausgabe des "Technology Reports" für Aufsehen. Kinder in einer der ärmsten Gegenden Afrikas, die Eltern allesamt Analphabeten, hatten sich mit Tablet-Computern selbst das Lesen und Schreiben beigebracht. Sie taten das ohne Lehrer und Anleitung.

Hinter der Geschichte steht der bekannte Digital-Entwicklungshelfer Nicholas Negroponte. Seit 2005 ist der Gründer des Media Lab am Massachusetts Institut of Technology (MIT) mit seiner Initiative One Laptop Per Child (OLPC) unterwegs. Das Ziel dieser Aktion ist, Kindern in Entwicklungsländern Computer und Software zum Lernen zur Verfügung zu stellen. Da überzeugt potenzielle Spender und Sponsoren die spektakuläre Geschichte der Bauernkinder in Äthiopien.

Szenenwechsel: Deutschland. Seit Wochen hält sich das Sachbuch des Ulmer Professors und Hirnforschers Manfred Spitzer mit dem Titel "Digitale Demenz" in den Bestsellerlisten. "Digitale Medien machen dick, dumm, aggressiv, einsam, krank und unglücklich; Internetnutzung führt zu einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung und einer verminderten Fähigkeit zur Informationssuche", so fasst das Computermagazin "c't", das Zentralorgan aller Nerds und Freunde des Digitalen, den Inhalt des Spitzer-Buchs zusammen. Größer könnten die Unterschiede kaum sein als zwischen diesen beiden Gelehrten mit entwickeltem Sendungsbewusstsein. Und was machen die Deutschen? Sie lesen Spitzer, kaufen Smartphones und Tablet-PCs.

Eins steht fest, nie war der Zugang zu Wissen und Information so einfach wie heute. Egal was man sucht, fast immer wird man fündig. Das fängt mit relativ banalen Starthilfe-Anleitungen für Autos im Winter an und reicht zu ganzen Reihen von Lehrveranstaltungen, die im Internet abgebildet werden. Bekanntestes Beispiel ist die Khan Academy. Am Anfang ging es dem Hedgefonds-Manager Salman Khan nur darum, seiner Cousine mit Zeichnungen und kleinen Videos Mathe näherzubringen. 2009 hing er seinen Job an den Nagel. Seitdem kümmert er sich nur noch um sein Bildungs-Video-Angebot im Netz. Die über 3600 Videos wurden über 200 Millionen mal abgerufen. Inzwischen expandiert Khan in zwei Richtungen. Von Freiwilligen werden die Lektionen in andere Sprachen, darunter Deutsch, übersetzt. Der ursprüngliche Themenschwerpunkt von Mathe und Naturwissenschaften soll auf andere Gebiete erweitert werden. Tests und Übungen ermöglichen eine Lernkontrolle. Wie Universität im Netz funktionieren kann, zeigt Udacity.

Am Anfang stand die Vorlesung zu "Künstlicher Intelligenz", die der Stanford-Professor Sebastian Thrun zusammen mit seinem Kollegen ins Netz stellte. Unglaubliche 160.000 Menschen aus 190 Ländern wollten den kostenlosen Kurs mitmachen und schrieben sich ein. Das Material wurde in 44 Sprachen übersetzt. Bemerkenswert an Udacity ist der Aufbau der Lektionen. Sie bestehen aus vielen kurzen Sequenzen, die immer wieder durch Quizfragen unterbrochen werden. Dadurch entsteht keine monotone One-Man-Show, sondern der Student erhält sofort Feedback und weiß, ob er den Stoff verstanden hat. Nachdem Thrun diesen Erfolg erlebt hatte, konnte er nicht mehr nach Stanford zurückgehen, wie er sagt, sondern gründete Udacity. Mittlerweile gibt es 14 Kurse mit 400.000 Studierenden.

Das sind Zahlen, von denen deutsche Initiativen weit entfernt sind. Ununi.tv versteht sich als eine "Virtuelle Hochschule für Film, TV und Web". Ihre Co-Gründerin Anja C. Wagner sagt: "Es führt derzeit kein Weg an englischsprachigen Angeboten vorbei. Der deutsche Sprachraum ist zu klein."

"Flipped Classroom", zu deutsch etwa "umgedrehter Unterricht" ist eine Form, die der Mathe- und Informatikprofessor Jörn Loviscach an der Fachhochschule Bielefeld anwendet. Dabei schauen sich die Studenten die Vorlesung vorab auf YouTube an. Neben dem Video gibt es Begleitmaterial und Aufgaben. Die Hausaufgaben werden quasi im Voraus gemacht. In der Veranstaltung an der Schule oder Hochschule wird der Dozent zum Moderator oder Coach. Christian Spannagel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hält das für die Unterrichtsform des 21. Jahrhunderts: "Über 90 Prozent der Studierenden würde dieses Veranstaltungskonzept wieder wählen."

Lernen im digitalen Zeitalter ist also weniger eine Frage der Technologie als vielmehr was man damit macht. Das sieht auch der Hamburger Internet-Experte und Buchautor Frank Puscher so. Er hat es lieber, wenn seine beiden Söhne mit dem iPad Stop-Motion-Filme drehen oder mit der App Garage Band kleine Musikstücke komponieren. "Das Spielerische geht dann fließend in das Kreativ-Produktive über", sagt Puscher.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandRuhestand im LuxusDeutschland droht die Diktatur der Alten
  2. 2. WirtschaftStellen-LandkarteWo Fachkräfte jetzt die besten Job-Chancen haben
  3. 3. KommentareUkraine-KriseDie seltsame Gedankenwelt der Putin-Versteher
  4. 4. VfB StuttgartBundesligaVeh tritt als Trainer beim VfB Stuttgart zurück
  5. 5. Bühne und KonzertJonathan Meese"Die Gralsritter, das sind ja Penner"
Top-Videos
Das Wunder von Bern
So rührend kann ein Fußball-Musical sein

Genau 60 Jahre nach der Fußball-WM 1954 feiert das Muscial "Wunder von Bern" seine Premiere mit unzähligen Prominenten. Es ist eine imposant…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Weltpremiere

Stars beim "Das Wunder von Bern" in Hamburg

Eishockey

Freezers drehen Partie gegen Wolfsburg

Bundesliga

HSV siegt gegen Werder Bremen

Formel 1

Hamilton vor Rosberg im Saisonfinale

Hamburg Guide mehr
Weitere Dienste alle Dienste
Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr