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Karriere

Jobsuche: Wie gut sind Chefs und Arbeitsklima?

Mitarbeiter benoten ihre Firma

Bewertungsportale haben noch relativ wenige Nutzer. Sie geben dennoch einen guten ersten Eindruck.

In Bewertungsportalen können Mitarbeiter ihre Firma benoten.
Foto: Jörg Dommel

Da scheint jemand seinen Arbeitgeber wirklich zu schätzen: "Selbstständiges, eigenverantwortliches Arbeiten" sei in seiner Firma möglich. "Und die Führungskraft bezieht Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ein." Das schreibt ein anonymer User auf der Bewertungsplattform kununu.com über die Firma HS - Hamburger Software. Sie bekommt von ihm 4,15 von 5 möglichen Punkten.

Fünf Bewertungen hat das Unternehmen bislang bekommen. Vier sind mehr als zufrieden mit ihrer Firma und ihrer Arbeit, einer äußert sich weniger positiv: Man möge doch "Zusagen einhalten, kritisches Mitarbeiterfeedback nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern als Denk- und Verbesserungspotenzial annehmen."

"Wir wissen um die Bewertungen und gucken auch mal in die Portale rein", sagt Svenja Röger, Personalreferentin bei der HS - Hamburger Software. "Natürlich interessiert es uns, wie wir beschrieben werden." Allerdings stellt sie infrage, dass die Online-Urteile bereits wirklich aussagkräftig sind. Dafür bekämen die meisten Firmen noch zuwenig Einträge. "Es ist doch wie mit Hotelbewertungen. Ein paar Einträge bei Tausenden von Gästen - da muss man das Verhältnis sehen."

Die meisten Unternehmen erhalten auf kununu, evaluba, kelzen und den rund zehn anderen Portalen (siehe Kasten) ein bis drei Bewertungen. "Die Krux ist noch - bei allen Bewertungsportalen - die Aussagekraft", weiß auch Björn Schwenzer, Vorstand der evaluba AG. Doch durch die Möglichkeit, auch Unternehmensleistungen oder die behindertengerechte Ausstattung des Gebäudes anzugeben und einen Kommentar zu verfassen, werde der Eindruck umfassender: "Bereits bei einer einzelnen Bewertung entsteht so ein vergleichsweise objektives und aussagekräftiges Bild", findet Schwenzer.

Online-Experten wie der Kommunikationsberater und PR-Blogger Klaus Eck, glauben das indes nicht. "Welche Glaubwürdigkeit hat eine Aussage, wenn man den Klarnamen des Users nicht kennt?" Nicht zuletzt seien "auf allen Plattformen", auf denen es um Bewertungen geht, Marketingleute der jeweiligen Firmen unterwegs. Der Autor ("Karrierefalle Internet", Hanser) hält Blogs, Xing und Twitter für wesentlich glaubwürdiger, wolle man sich über einen Arbeitgeber informieren - Foren, in denen Mitarbeiter frei schreiben und Fragen der User beantworten dürfen. "Als Arbeitgeber kann man eh nicht verhindern, dass sich Mitarbeiter online äußern", sagt Eck. "Man kann es nur kanalisieren, indem man Regeln dafür aufstellt."

Idealerweise werden Mitarbeiter dann zu Botschaftern ihres Unternehmens. Daimler zum Beispiel sei mit seinem Blog sehr erfolgreich ( www.blog.daimler.de ), hebt Eck hervor. "Die Glaubwürdigkeit ist hoch. Mit Fragen wird dort sehr offen umgegangen."

"Ein Arbeitgeber hat keine Chance, sich dagegen zu wehren, dass Mitarbeiter im Netz über ihren Job schreiben", sagt Christina Grubendorfer, Geschäftsführerin der Leadership Equity Association, einem Beratungsunternehmen, dass auf Employer Branding spezialisiert ist. "Darum muss man als Unternehmen eben vorher alles richtig gemacht haben", sagt sie. "Seinen Ruf bekommt durch Verhalten, nicht durch Behauptungen."

Im Gegensatz zu Klaus Eck gesteht Grubendorfer den Arbeitgeberbewertungsportalen durchaus eine einflussreiche Zukunft zu: "Sie werden - wenn ihre Bekanntheit wächst - auch zunehmend relevant werden." Gerade unter Absolventen und Young Professionals seien sie heute schon eine Anlaufstelle. "Aber", so rät sie, "das sollte immer nur eine Möglichkeit von vielen sein, um sich bei der Jobsuche über Arbeitgeber zu informieren." Denn ebenso wie ausnehmend positive sind auch sehr negative Einträge fragwürdig. "Wenn man sich von einem Mitarbeiter getrennt hat, ist die Wahrscheinlichkeit gleich höher, dass er eine nicht so gute Bewertung abgibt", sagt Personalreferentin Röger von der HS - Hamburger Software.

Doch nicht nur für Bewerber, auch für Unternehmen sind die Bewertungsportale eine Möglichkeit, einen Eindruck zu bekommen, wie sie öffentlich wahrgenommen werden und wie zufrieden Mitarbeiter bei ihnen sind. Kleine und mittelständische Unternehmen scheinen sich aber noch wenig für ihre Online-Reputation zu interessieren. Ausnahme sind Internetfirmen. "Bei Sevenload etwa schreibt der Geschäftsführer den Blog", weiß Kommunikationsberater Eck. "Außerdem ist er bei Xing und Facebook vertreten. Er ist für jeden erreichbar!"

Generell kümmern sich jedoch Großunternehmen stärker um ihre Präsenz in den Online-Netzwerken. Zum Beispiel Otto. Personal-Direktor Michael Picard: "Seit August 2008 verfolgen wir regelmäßig, wie oft unser Unternehmensprofil bei kununu angeklickt wird und welche Tendenzen die abgegebenen Bewertungen haben." Otto hat 21 überwiegend gute bis sehr gute Bewertungen bei kununu bekommen - besonders in den Bereichen Umwelt- und Sozialbewusstsein sowie Gleichberechtigung. Picard geht davon aus, dass Bewerber diese Portale künftig stärker nutzen werden, um sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren. Positive Einträge wären sicher hilfreich bei der Personalwerbung, negative hingegen sehe man bei Otto als "Ansporn zur Verbesserung unserer Leistung und als Chance zur Weiterentwicklung".

 

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