30.06.13

Erbschaft Ein gut überlegtes Testament ist Gold wert


Ein Testament muss handschriftlich verfasst werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seinen letzten Willen beim Notar hinterlegen

Foto: Z6068 Hans Wiedl / dpa

Ein Testament muss handschriftlich verfasst werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seinen letzten Willen beim Notar hinterlegen Foto: Z6068 Hans Wiedl / dpa

Haus, Schmuck, Bankguthaben - beim Erbe kommt einiges zusammen. Einen Teil davon holt sich der Fiskus, denn oft wird Erbschaftsteuer fällig. Allerdings gibt es Wege, die Steuerlast zu senken.

Die Zahl ist gewaltig: 250 Milliarden Euro werden voraussichtlich allein 2013 in Deutschland vererbt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank hervor. Klar, dass die Finanzbehörden daran einen Anteil haben wollen.

Allein im vergangenen Jahr spülte die Erbschaftsteuer insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen. Wer wie viel Steuern zahlen muss, hängt unter anderem vom Verwandtschaftsgrad ab.

Der Fiskus räumt jedem Erben einen Freibetrag ein. Erst wenn er diesen überschreitet, werden Steuern fällig. Dabei gilt: Je enger die verwandtschaftliche Beziehung sind, desto mehr kann steuerfrei vermacht werden. Ehepartner können bis zu 500 000 Euro erben oder schenken, ohne Steuern zahlen zu müssen. Kinder können von jedem Elternteil 400 000 Euro erhalten.

Gesetz teilt Erben in drei Steuerklassen ein

Wie hoch die Erbschaftssteuer ausfällt, hängt von zwei Faktoren ab. Neben der Höhe des Betrags spielt ebenfalls der Verwandtschaftsgrad eine wichtige Rolle. So müssen Kinder oder Ehepartner des Verstorbenen wesentlich weniger Erbschaftssteuer zahlen als der Chauffeur, der nach dem Tod des Hausherrn zum Alleinerben wird.

Das Gesetz teilt Erben und Beschenkte in drei Steuerklassen ein: Ehepartner, Kinder und Enkel haben die beste Steuerklasse I. Geschwister, Nichten und Neffen sind in der ungünstigeren Steuerklasse II. Und für Onkel, Tanten aber auch für langjährige Lebensgefährten und Freunde gilt die Steuerklasse III.

So zahlt der Ehepartner für eine Erbschaft, die über der Freigrenze von 500.000 Euro liegt, zwischen 7 und 30 Prozent Steuern. Der Lebensgefährte hingegen muss mindestens 30 Prozent Steuern zahlen - bei einer Freigrenze von gerade mal 20.000 Euro.

Bei der Steuerminimierung ist auch Heirat ein Thema

Ein Beispiel: Der Partner stirbt und vererbt eine vermietete Immobilie an seine Partnerin. Der Wert liegt bei 550.000 Euro. Ist das Paar unverheiratet, muss die Frau 159.000 Euro Steuern zahlen. Ist das Paar verheiratet, bezahlt die Frau 3500 Euro Erbschaftssteuer. Wenn sie die Immobilie noch selbst bewohnt, muss sie gar nichts bezahlen. Familienbande können sich also lohnen.

Bei einem entsprechenden Wert des Erbes kann daher auch eine Heirat ein Thema sein, hat Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge beobachtet. "Nach einer Beratung haben sich doch einige Paare zum Heiraten entschlossen."

Grundsätzlich gilt: "Wer Erbschaftssteuer sparen will, muss vor dem Tod aktiv werden", erklärt Fachanwalt Bittler. Das Motto heißt dabei: verschenken statt vererben. Zwar wird bei einer Schenkung auch Steuer fällig. Allerdings gibt es einen entscheidenden Vorteil. "Man kann alle 10 Jahre schenken und die Freibeträge erneut ausnutzen."

Schenker sollten sich lebenslanges Wohnrecht sichern

Bei Immobilien kann sich das durchaus lohnen. Früher wurden Häuser und Wohnungen im Erbfall nur mit einem Teil ihres Wertes angesetzt. Heute gilt der Verkehrswert. Dennoch ist der Fiskus großzügig. "Man kann seinem Ehepartner die Immobilie steuerfrei schenken oder vererben", erklärt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. "Man muss nur darin wohnen."

Auch Kinder genießen ähnliche Freiräume. Sie können das Haus steuerfrei übernehmen, wenn die Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter ist. "Allerdings müssen die Erben mindestens zehn Jahre darin wohnen, es sei denn, es ist aus zwingenden, objektiven Gründen nicht mehr möglich", sagt Käding. Wer vorher auszieht, muss rückwirkend Steuern bezahlen.

Großzügige Schenker sollten aber sich selbst nicht vergessen. "Wer sein Haus verschenkt, kann sich lebenslanges Wohnrecht einräumen lassen. Und bei einem Miethaus den Nießbrauch", sagt Bittler. So verblieben die Einnahmen in der eigenen Kasse.

Erbengemeinschaften sind immer sehr schwierig

Gerade wenn Kinder eine Immobilie von ihren Eltern erben, ist jedoch Streit oft programmiert. Denn anders als zum Beispiel bei Aktien oder Bargeld lassen sich Häuser oder Wohnungen nicht immer problemlos aufteilen. "Und der Normalbürger hat sein Geld häufig in einer Immobilie angelegt", sagte Paul Grötsch, Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht in München. Gibt es keine testamentarische Festlegung, müssen sich die Erben einigen.

"Erbengemeinschaften sind immer sehr schwierig", sagte Grötsch. "Die Frage ist dann: Will man vermieten, verkaufen, oder will ein Erbe in der Immobilie wohnen?" In der Regel sei die einfachste Lösung, Haus oder Wohnung zu verkaufen und die Kaufsumme zu teilen. "Es ist allerdings oft der Wille der Eltern, dass eines der Kinder das Haus übernimmt", erklärte Grötsch.

Wenn eines der Kinder einzieht und die anderen auszahlen muss, stelle sich immer das Problem, wie sich der Wert der Immobilie ermitteln lässt. "Man kann versuchen, sich auf eine Summe zu einigen", erläuterte Grötsch – oder darauf, einen Sachverständigen den Wert bestimmen zu lassen. Eine andere Möglichkeit ist, das Haus zum Verkauf anzubieten. So bekomme man einen Anhaltspunkt, welcher Preis für die Immobilie zu erzielen ist.