30.06.13

Erbschaft

Ein gut überlegtes Testament ist Gold wert

Haus, Schmuck, Bankguthaben - beim Erbe kommt einiges zusammen. Einen Teil davon holt sich der Fiskus, denn oft wird Erbschaftsteuer fällig. Allerdings gibt es Wege, die Steuerlast zu senken.

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Ein Testament muss handschriftlich verfasst werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seinen letzten Willen beim Notar hinterlegen
Ein Testament muss handschriftlich verfasst werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seinen letzten Willen beim Notar hinterlegen

Die Zahl ist gewaltig: 250 Milliarden Euro werden voraussichtlich allein 2013 in Deutschland vererbt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank hervor. Klar, dass die Finanzbehörden daran einen Anteil haben wollen.

Allein im vergangenen Jahr spülte die Erbschaftsteuer insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen. Wer wie viel Steuern zahlen muss, hängt unter anderem vom Verwandtschaftsgrad ab.

Der Fiskus räumt jedem Erben einen Freibetrag ein. Erst wenn er diesen überschreitet, werden Steuern fällig. Dabei gilt: Je enger die verwandtschaftliche Beziehung sind, desto mehr kann steuerfrei vermacht werden. Ehepartner können bis zu 500 000 Euro erben oder schenken, ohne Steuern zahlen zu müssen. Kinder können von jedem Elternteil 400 000 Euro erhalten.

Gesetz teilt Erben in drei Steuerklassen ein

Wie hoch die Erbschaftssteuer ausfällt, hängt von zwei Faktoren ab. Neben der Höhe des Betrags spielt ebenfalls der Verwandtschaftsgrad eine wichtige Rolle. So müssen Kinder oder Ehepartner des Verstorbenen wesentlich weniger Erbschaftssteuer zahlen als der Chauffeur, der nach dem Tod des Hausherrn zum Alleinerben wird.

Das Gesetz teilt Erben und Beschenkte in drei Steuerklassen ein: Ehepartner, Kinder und Enkel haben die beste Steuerklasse I. Geschwister, Nichten und Neffen sind in der ungünstigeren Steuerklasse II. Und für Onkel, Tanten aber auch für langjährige Lebensgefährten und Freunde gilt die Steuerklasse III.

So zahlt der Ehepartner für eine Erbschaft, die über der Freigrenze von 500.000 Euro liegt, zwischen 7 und 30 Prozent Steuern. Der Lebensgefährte hingegen muss mindestens 30 Prozent Steuern zahlen - bei einer Freigrenze von gerade mal 20.000 Euro.

Bei der Steuerminimierung ist auch Heirat ein Thema

Ein Beispiel: Der Partner stirbt und vererbt eine vermietete Immobilie an seine Partnerin. Der Wert liegt bei 550.000 Euro. Ist das Paar unverheiratet, muss die Frau 159.000 Euro Steuern zahlen. Ist das Paar verheiratet, bezahlt die Frau 3500 Euro Erbschaftssteuer. Wenn sie die Immobilie noch selbst bewohnt, muss sie gar nichts bezahlen. Familienbande können sich also lohnen.

Bei einem entsprechenden Wert des Erbes kann daher auch eine Heirat ein Thema sein, hat Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge beobachtet. "Nach einer Beratung haben sich doch einige Paare zum Heiraten entschlossen."

Grundsätzlich gilt: "Wer Erbschaftssteuer sparen will, muss vor dem Tod aktiv werden", erklärt Fachanwalt Bittler. Das Motto heißt dabei: verschenken statt vererben. Zwar wird bei einer Schenkung auch Steuer fällig. Allerdings gibt es einen entscheidenden Vorteil. "Man kann alle 10 Jahre schenken und die Freibeträge erneut ausnutzen."

Schenker sollten sich lebenslanges Wohnrecht sichern

Bei Immobilien kann sich das durchaus lohnen. Früher wurden Häuser und Wohnungen im Erbfall nur mit einem Teil ihres Wertes angesetzt. Heute gilt der Verkehrswert. Dennoch ist der Fiskus großzügig. "Man kann seinem Ehepartner die Immobilie steuerfrei schenken oder vererben", erklärt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. "Man muss nur darin wohnen."

Auch Kinder genießen ähnliche Freiräume. Sie können das Haus steuerfrei übernehmen, wenn die Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter ist. "Allerdings müssen die Erben mindestens zehn Jahre darin wohnen, es sei denn, es ist aus zwingenden, objektiven Gründen nicht mehr möglich", sagt Käding. Wer vorher auszieht, muss rückwirkend Steuern bezahlen.

Großzügige Schenker sollten aber sich selbst nicht vergessen. "Wer sein Haus verschenkt, kann sich lebenslanges Wohnrecht einräumen lassen. Und bei einem Miethaus den Nießbrauch", sagt Bittler. So verblieben die Einnahmen in der eigenen Kasse.

Erbengemeinschaften sind immer sehr schwierig

Gerade wenn Kinder eine Immobilie von ihren Eltern erben, ist jedoch Streit oft programmiert. Denn anders als zum Beispiel bei Aktien oder Bargeld lassen sich Häuser oder Wohnungen nicht immer problemlos aufteilen. "Und der Normalbürger hat sein Geld häufig in einer Immobilie angelegt", sagte Paul Grötsch, Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht in München. Gibt es keine testamentarische Festlegung, müssen sich die Erben einigen.

"Erbengemeinschaften sind immer sehr schwierig", sagte Grötsch. "Die Frage ist dann: Will man vermieten, verkaufen, oder will ein Erbe in der Immobilie wohnen?" In der Regel sei die einfachste Lösung, Haus oder Wohnung zu verkaufen und die Kaufsumme zu teilen. "Es ist allerdings oft der Wille der Eltern, dass eines der Kinder das Haus übernimmt", erklärte Grötsch.

Wenn eines der Kinder einzieht und die anderen auszahlen muss, stelle sich immer das Problem, wie sich der Wert der Immobilie ermitteln lässt. "Man kann versuchen, sich auf eine Summe zu einigen", erläuterte Grötsch – oder darauf, einen Sachverständigen den Wert bestimmen zu lassen. Eine andere Möglichkeit ist, das Haus zum Verkauf anzubieten. So bekomme man einen Anhaltspunkt, welcher Preis für die Immobilie zu erzielen ist.

dpa/ww
Was beim Erben zu beachten ist
  • Testament

    Es gibt die Möglichkeit, mit Hilfe eines Notars ein „öffentliches Testament“ zu erstellen. Dieses wird bis zum Tode amtlich verwahrt. Die Gebühr richtet sich vor allem nach dem Wert des Vermögens. Wer sein Testament ohne Notar aufsetzt, muss dieses komplett per Hand verfassen und unterschreiben. Verfasst ein Ehepaar ein gemeinschaftliches Testament, muss einer der beiden dieses niederschreiben, beide müssen es unterschreiben. Die Erben müssen unmissverständlich kenntlich gemacht werden.

  • Tipps für Hinterbliebene

    Zunächst sollten sie nach einem Testament des Verstorbenen suchen. Dieses müssen sie zum Nachlassgericht bringen. Zuständig ist stets das Nachlassgericht am letzten Wohnsitz des Toten. Womöglich gab der Erblasser sein Testament auch beim Gericht in amtliche Verwahrung. Es wird automatisch über dessen Tod informiert. Das Gericht öffnet schließlich das Testament, benachrichtigt die Erben und verkündet ihnen den letzten Willen des Verblichenen.

  • Ohne Testament

    In einem solchen Fall wird das Vermögen nach festen Regeln aufgeteilt. Es erben nur direkte Verwandte, Adoptivkinder und Ehepartner beziehungsweise eingetragene Lebenspartner, nicht jedoch angeheiratete Familienmitglieder und auch keine Stiefkinder oder -eltern. Die Erben werden nach dem Grad ihrer Verwandtschaft mit dem Toten in Gruppen eingeteilt. An erster Stelle stehen Ehepartner und Kinder. Ein Mitglied einer hinteren Gruppe erbt nur, wenn der in der Erbfolge unmittelbar vor ihm stehende Verwandte ausfällt. Hatte der Tote weder Ehe- oder Lebenspartner noch Verwandte, geht der Nachlass an den Staat.

  • Gesetzliche Erbfolge

    Zwar kann der Erblasser per Testament seine nächsten Verwandten offiziell enterben, ein gesetzlicher Pflichtteil steht ihnen aber auch dann zu. Dieser ist halb so hoch wie der Anteil, der dem Enterbten ohne Testament zustehen würde.

  • Schulden

    Auch Verbindlichkeiten werden vererbt. Die Erben können aber beantragen, die geerbten Schulden auf die Erbmasse zu beschränken. Damit vermeiden sie, dass sie zu deren Tilgung an ihr eigenes Erspartes gehen müssen. Ein Hinterbliebener hat auch die Möglichkeit, sein Erbe auszuschlagen. Innerhalb von sechs Wochen, nachdem er von der Erbschaft erfahren hat, muss er dies dem Gericht erklären. Das geschieht schriftlich, die Unterschrift muss notariell beglaubigt werden.

  • Erbschein

    Er bestätigt, dass eine Person Erbe eines Verstorbenen ist. Häufig wird dieser Schein verlangt, etwa wenn der Erbe eine Immobilie oder das Bankkonto des Verstorbenen auf seinen Namen umschreiben lassen will. Der Erbschein ist beim Nachlassgericht zu beantragen. Zusätzlich muss der Erbe eine eidesstattliche Erklärung zu bestimmten Angaben abgeben.

  • Erbschaftssteuer

    Ihre Höhe richtet sich in erster Linie nach dem Wert des steuerpflichtigen Erbes und dem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser. Unter anderem aus letzterem ergibt sich die Erbschaftssteuer-Klasse. Zudem existiert ein Steuer-Freibetrag von bis zu 500.000 Euro, der sich wiederum aus Verwandtschaftsgrad und Steuerklasse ergibt. Auch existiert ein besonderer Versorgungsfreibetrag für Ehepartner und Kinder bis 27 Jahre. Daneben existieren eine Reihe von Steuerbefreiungen.AFP

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