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Wirtschaft

Bürgermeisterin hofft auf Betreiber für das Callcenter

Für Angelika Carstens wird der Weg ins Büro nie wieder so sein wie zuvor. Seit elf Jahren ist sie jetzt bei Talkline, dem Elmshorner...

Elmshorn/Hamburg. Für Angelika Carstens wird der Weg ins Büro nie wieder so sein wie zuvor. Seit elf Jahren ist sie jetzt bei Talkline, dem Elmshorner Telekommunikationsanbieter, der sich mit seiner vorbildlichen Unternehmenskultur schon vor Jahren weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Zur Philosophie gehörten regelmäßige Feedbackgespräche, Mitarbeiterbefragungen, das Prinzip der offenen Tür selbst in der Chefetage. Nicht selten bekamen die Talkliner Besuch von Bewunderern ihres Managements, die sich hier etwas abschauen wollten. "Wir haben immer gerne hier gearbeitet", sagt die 44-Jährige.

Doch das ist bald Vergangenheit. Die Firma, die mit Mobilfunkkunden und Call-by-Call-Nummern einmal gutes Geld verdient hatte, wanderte durch die Hände immer neuer Eigentümer. Jetzt steht Talkline, neben Unternehmen wie Kölln Flocken oder Autoliv einer der größten Arbeitgeber in Elmshorn, vor dem Aus. Zu teuer. Die Telekomfirma Freenet streicht nach der Übernahme ihres Rivalen Debitel jede siebte Stelle im Konzern, zu dem eben seit einigen Monaten auch Talkline gehört. Die Zentrale von Talkline in dem Städtchen gut 30 Kilometer von Hamburg entfernt, wo mehr als 650 Beschäftigte arbeiten, werde geschlossen, hieß es von Freenet. Etwa 160 Mitarbeitern werde ein Arbeitsplatz am Freenet-Standort im rund 80 Kilometer nördlich gelegenen Büdelsdorf angeboten.

Angelika Carstens aber musste gestern in der Betriebsversammlung hören, dass sie ihre Stelle verliert. "Es war furchtbar, wie gefühllos die das gemacht haben", sagt die Kundenbetreuerin noch sichtlich verstört. "Und das, obwohl sie uns vor einem Jahr noch für unsere Superqualität gelobt haben. Und jetzt treten die einen einfach weg."

500 Menschen verlieren wie die Elmshornerin, Mutter einer erwachsenen Tochter, ihren Arbeitsplatz. "Das wird heftig werden." Einige Kollegen haben eine rote Talkline-Fahne aus dem Fenster gehängt, die im kalten November-Wind aus dem Bürokomplex im Gewerbegebiet flattert, andere haben ein Plakat an die Fensterscheibe geklebt: "Ausverkauf in Elmshorn! Nicht mit uns!", haben die Beschäftigten dort in ihrer spontanen Wut auf ein großes Stück Papier geschrieben.

Auch Bürgermeisterin Brigitte Fronzek versteht die Welt nicht mehr. "Im letzten Sommer bin ich richtig erleichtert in Urlaub gefahren. Damals hatte uns die Debitel-Führung die Standortgarantie für Elmshorn gegeben." Jetzt gibt es plötzlich keine Hoffnung mehr. "Dabei haben die doch immer gute Profite gemacht."

Bester Beweis: Talkline habe immer einen Großteil der Gewerbesteuern bezahlt, darauf konnten sich die 49 000 Elmshorner verlassen. 2006 waren das noch 31 Millionen Euro, dieses Jahr muss Fronzek mit 17 Millionen auskommen, heißt es von den Behörden. Der neue Eigentümer Debitel habe immer weniger an Steuern überwiesen, bald gibt es gar nichts mehr. "Dabei haben wir uns immer für die Firma bemüht, etwa Kindergartenplätze für die Mitarbeiter garantiert", seufzt Fronzek, "Talkline war einfach ein Teil von uns."

Jetzt bleibt der Politikerin nicht mehr, als mit dem Betriebsrat und mit Freenet-Chef Eckhard Spoerr, der jetzt für Talkline verantwortlich ist, letzte Dinge zu besprechen. Wie die Schließung ablaufen soll. "Wir werden auch das Land Schleswig-Holstein einschalten", sagt Fronzek. Sie kämpft an allen Fronten, denn eine kleine Hoffnung bleibt ihr noch: "Vielleicht können wir wenigstens das Callcenter erhalten." Gut geschulte Leute und die entsprechende Infrastruktur, das sei doch alles da. "Jetzt brauchen wir nur noch einen Betreiber."

 

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