Abendblatt-Test: Wo gibt es in Hamburg noch das Edelmetall?
Suche nach dem letzten Gold
Besuch bei acht Banken im Stadtgebiet. Nur ein einziges Mal gab es die begehrten Barren.
Foto: Astrid Ott
Hamburg. Seit Wochen gibt es einen regelrechten "Run" auf Gold. Auch in Hamburg. Viele Banken mussten ihre Kunden bereits vertrösten, konnten kein Edelmetall mehr ausgeben. Die Lager waren leer. Der Preis für eine Unze lag bei 838 Dollar, vor einem Jahr kostete sie noch etwas mehr als 750 Dollar. Das Abendblatt hat sich gestern auf die Suche begeben - nach Hamburgs letztem Gold. "Wir können Ihnen erst im November wieder etwas anbieten", war die Standardantwort an den Bankschaltern. Einzig die Hamburger Sparkasse (Haspa) hatte noch Restbestände vorrätig. Simuliert wurde die Situation, dass eine Nicht-Kundin der jeweiligen Bank am Schalter der Filiale nach Gold fragt. Die Antworten:
Volksbank: "Wir haben erst in frühestens vier Wochen wieder Gold vorrätig." Außerdem müsse der Käufer ein Konto eröffnen.
Deutsche Bank: "Wir hatten viele Anfragen und können leider erst im November liefern."
Commerzbank: "Wir können Ihnen leider kein Gold verkaufen, wenn Sie keine Kundin sind." Ansonsten gebe es im November wieder Hoffnung auf Gold.
HypoVereinsbank: "Gold gibt es erst im November wieder, aber nur mit einem Konto bei uns. Auch wir wissen aber nicht genau, wann uns die Firmen, die mit Gold handeln, wieder etwas verkaufen können", so der Angestellte am Schalter. Die Nachfrage sei hoch.
Citibank: "Wir verkaufen grundsätzlich kein Gold."
Postbank: "Momentan leider vergriffen. Wir wissen nicht, wann es wieder etwas gibt, liefern aber auch an Nichtkunden".
Conrad Hinrich Donner Bank: "Gold verkaufen wir nur an unsere Kunden, und leider bekommen wir frühestens Anfang November Nachschub."
Einzig die Haspa konnte Hoffnung auf einige Münzen und Barren machen, die es in der Hauptstelle beim Rathaus zu kaufen gibt. Dort hatte sich bereits eine Kundenschlange gebildet. "Wir haben auch deshalb gerade einige Münzen hier, weil Kunden sie an uns verkauft haben", sagte Stefan Rose, Leiter Edelmetalle. Die Anbieter nutzten die hohen Goldpreise, um ihre Schätze mit Gewinn zu verkaufen.
Der Ankaufpreis für einen Krügerrand betrug gestern 619 Euro. Diese beliebteste Münze entspricht genau einer Unze Gold, die also ebenfalls im Ankauf 619 Euro für den Besitzer brachte. Der Verkaufspreis ist mit 662 allerdings deutlich höher - ein Wertverlust, den Goldfans immer mit einkalkulieren müssen.
Auch andere Nachteile gilt es bei der Anschaffung von dem wertvollen Rohstoff zu berücksichtigen: Zwar ist Gold derzeit knapp, 160 000 Tonnen sind weltweit bislang gefördert worden und nur etwa 2500 Tonnen kommen pro Jahr hinzu. Diese Knappheit und der industrielle Nutzen lassen Gold als einen wertbeständigen Rohstoff erscheinen, dem auch Krisen nichts anhaben können.
Dennoch schwankt der Preis stark, weil auch Spekulanten mit Gold handeln und der Wert durch den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar beeinflusst wird. Denn Gold wird in Dollar gehandelt. Außerdem wirft Gold keinen Ertrag ab, also weder Zinsen noch Dividenden, und sollte im Schließfach oder Safe aufbewahrt werden. Die Wertentwicklung des Metalls ist darüber hinaus von mehreren Faktoren abhängig: Zwar dürfte der wachsende Wohlstand in Ländern wie China, Russland und Indien, dem größten Abnehmerland, die Nachfrage nach Gold in die Höhe treiben. Und auch die Unsicherheit der anhaltenden Finanzmarktkrise dürfte den Preis steigern. Auf der anderen Seite planen Zentralbanken oder der Internationale Währungsfonds, ihre Goldbestände zu reduzieren.
Eine Alternative für Sparer, die die Aufbewahrung scheuen und lediglich auf einen steigenden Goldpreis spekulieren wollen, sind Zertifikate oder Goldminenaktien. Hier droht allerdings ein Ausfallrisiko, wenn der Emittent in Schwierigkeiten gerät, warnt Lars Gleßke von der Conrad Hinrich Donner Bank. Grundsätzlich gilt: Wegen der Risiken sollten Anleger nach Einschätzung der meisten Experten nicht mehr als zehn Prozent ihres Vermögens in das Edelmetall investieren.




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