NXP-Halbleiterwerk: IG Metall plant Aktionen - Niederländer bleiben hart
Gewerkschaft: Proteste gegen Jobabbau
Es soll beim Wegfall von 850 Stellen bleiben. Arbeitnehmervertreter fühlen sich über Pläne bisher nur grob informiert.
Hamburg. Nach der Ankündigung des niederländischen Hightech-Konzerns NXP, im Hamburger Halbleiterwerk 850 der insgesamt 2500 Stellen zu streichen, gibt es jetzt erste Reaktionen aus der Belegschaft. "Wir werden alle unsere gewerkschaftlichen Instrumente nutzen, auch Demonstrationen gegen den Abbau sind nicht ausgeschlossen", sagte gestern Heiko von Thaden, der zuständige Sekretär bei der IG Metall in Hamburg, dem Abendblatt. Zunächst werden sich heute der NXP-Betriebsratsvorsitzende Lothar Barop und Hamburgs IG-Metall-Chef Eckard Scholz zusammensetzen.
"Bisher sind wir nur grob informiert. Die Kollegen wollen aber genau wissen, wie es weitergeht", sagte Barop gestern dem Abendblatt. Auch ein Gespräch zwischen Geschäftsführung, der Agentur für Arbeit und der Wirtschaftsbehörde ist geplant. "Wir suchen aber noch nach einem Termin", sagte die Sprecherin der Behörde, Kerstin Feddersen, dem Abendblatt.
Klar ist jedoch, dass NXP vor allem in der Chip-Produktion Stellen streichen will. Hier sollen 640 der 850 Arbeitsplätze wegfallen. "Sie ist nicht rentabel und wird reduziert und modernisiert", sagte NXP-Sprecherin Birgit Rustemeier dem Abendblatt. Künftig sollen für die Elektronikbauteile 20 Zentimeter statt bisher 15 Zentimeter große Silizium-Scheiben (Wafer) verwandt werden. "Einige Produkte werden künftig auch in Holland hergestellt", so Rustemeier. Neben der Produktion sind in Hamburg noch Stellen im Bereich Personal, Buchhaltung und Einkauf von dem Abbau betroffen.
Der Stellenabbau soll sich über zwei Jahre erstrecken. "Da kann sich gerade in der Halbleiterbranche noch einiges ändern", hofft der Betriebsratsvorsitzende Barop. Möglicherweise könnten doch noch Arbeitsplätze gerettet werden. Bei NXP steht jedoch die Zahl 850. "Wir wollen aber möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen", sagt Rustemeier. Neben der Fluktuation setzt das Unternehmen auch darauf, die Belegschaft über Altersteilzeit zu reduzieren. "Es ist für alle Beteiligten wichtig, dass möglichst schnell Klarheit über die Einzelheiten geschaffen wird - zum Beispiel über die finanziellen Rahmenbedingungen, Jobangebote und Qualifizierungsmaßnahmen", sagte der NXP-Personalchef in Deutschland, Wigand Ridder. Industrie und Senat hätten ihre Unterstützung angeboten, betroffene Mitarbeiter "schnell in neue Stellen zu vermitteln".
Von den weltweit 31 000 Beschäftigten will NXP - wie berichtet - 4500 Jobs streichen und die Kosten um 390 Millionen Euro senken. Hamburg soll aber neben Nimwegen in den Niederlanden einer der beiden großen Produktionsstandorte in Europa bleiben. Neben der Produktion ist in Hamburg auch die weltweite Führung für die Geschäftsbereiche Automobil, Identifizierung sowie Standard-Halbleiter angesiedelt. NXP ist die ehemalige Chipsparte von Philips, die 2006 ausgelagert worden war.
Das Unternehmen arbeitet insgesamt in 20 Ländern und erzielte 2007 einen Umsatz von 6,32 Milliarden Dollar. In Deutschland gibt es noch Vertriebsbüros in Stuttgart und München mit zusammen 100 Mitarbeitern sowie eine Forschungsgruppe für moderne Autoradios in Dresden mit 20 Beschäftigten, die aber vom Abbau nicht betroffen sind.




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