Golfen zum Tchibo-Preis
Der Hamburger Kaffeeröster bietet eine Clubmitgliedschaft für 499 Euro an. Wie aus dem elitären Sport ein Massenphänomen wird
Hamburg. Tchibo will den elitären Golfsport für die Massen öffnen: Nach Reisen, Versicherungen, Bademänteln und Computern verkauft der Hamburger Kaffeeröster von Dezember an nun auch eine Golfclub-Jahresmitgliedschaft für 499 Euro. "Golf ist ein Thema für die Deutschen, aber für viele unerschwinglich", sagt Unternehmenssprecher Joachim Klähn dem Abendblatt.
Um dies zu ändern, hat sich Tchibo den Golfclub Fleesensee in Mecklenburg-Vorpommern als Partner ausgesucht, der sich mit dieser Zusammenarbeit nicht nur Freunde in der Szene macht. Einige alteingesessene Clubs fänden das Angebot sicher "gar nicht so witzig", sagt Fleesensee-Manager Perry Einfeldt.
Denn mit der Mitgliedschaft in seinem Club erwerben die Tchibo-Golfer auch die Eintrittskarte für Golfanlagen in der gesamten Republik: Wer Mitglied in einem Verein des Deutschen Golf Verbandes (DGV) ist, kann grundsätzlich auf allen anderen rund 600 Plätzen in der Bundesrepublik spielen. Allerdings muss dafür eine Tagesgebühr, das so genannte Greenfee, gezahlt werden. Außerdem liegen bestimmte Auflagen im Ermessen der Vereine, wie etwa die Spielstärke.
"In Hamburg wird bestimmt weniger als die Hälfte der Clubs die Tchibo-Mitglieder akzeptieren", schätzt Erhard Heine, Geschäftsführer des Hamburger Golfverbands, im Gespräch mit dem Abendblatt. Die Clubs seien nicht verpflichtet, die Spieler auf ihren Platz zu lassen. Schließlich nimmt der Club Fleesensee den Hamburger Golfplätzen die finanzielle Grundlage, wenn Tchibo-Mitglieder die Plätze belegen, aber lediglich das Greenfee von durchschnittlich 30 bis 50 Euro zahlen müssen. Bedrohlich ist eine solche Niedrigpreispolitik besonders in Ballungsräumen mit hohen Grundstückskosten wie im Raum Hamburg, wo die Finanzierung für Vereine wegen steigender Kosten in den vergangenen Jahrzehnten immer schwieriger geworden sei, sagt Heine.
Und das ist nicht der einzige Grund für den Unmut, den die Tchibo-Offensive bei vielen Hamburger Clubs auslöst. Sie stehen ohnehin stark unter Druck, weil "in Hamburg die Zahl der Clubs schneller gewachsen ist als die Zahl der Golfspieler", sagt Wolfgang Mych, Geschäftsführer des Hamburger Golfclubs Gut Kaden.
Und es kommen noch neue dazu: Bis 2003 entstehen in Glinde und in Oststeinbek (von der Münchner Golf Range GmbH & Co. KG) weitere Orte für den "Spaziergang mit Hindernissen" (Mark Twain über Golf). Oststeinbek und Moorfleet sind wie Lutzhorn und Hoisdorf Plätze, die auch Golfern offen stehen, die nirgendwo Mitglied sind. Auch schon vor der Tchibo-Offensive gab es damit bereits Anbieter, die den bislang eher als teuer geltenden Sport für die Massen erschwinglich machen wollten. Traditionelle Clubs in Hamburg sind dadurch gezwungen, ihre Preise zu senken: Während es beim Golfclub Treudelberg früher nur eine lebenslange Mitgliedschaft für 13 500 Euro gab, hat der Club jetzt auch eine Mitgliedschaft für nur fünf Jahre im Programm, die 3500 Euro kostet, sagte Rolf Haug, Geschäftsführender Direktor des Marriott Hotel Treudelberg, dem Abendblatt.
Ebenso hat der Golfclub Brunstorf seinen Eintritt von ehemals 16 000 Mark auf 2500 Euro vergünstigt. Im Golfclub Gut Kaden ist man schon 1994 dazu übergegangen, den Beitritt von 20 000 Mark, den man allerdings nach 30 Jahren zurückbekam, auf heute 3000 Euro zu senken. Daneben gibt es Modelle, bei denen statt der Beitrittsgebühr Anteile am Club erworben werden müssen, die das Mitglied später wieder verkaufen kann. Trotz der günstigeren Einstiegsmöglichkeiten kommt auch heute auf die Bewerber der meisten Hamburger Golfclubs noch die Pflicht zu, Bürgen beizubringen. Diese stehen für die Finanzkraft der Neumitglieder gerade und sollen sie in den Club integrieren, sagt Heine.
Neben dem neuen Tchibo-Angebot und den Preismodellen der Clubs ist auch die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) ein Antriebsmotor für den Golfboom - und Alternative für kostenbewusste Sportler: Für 220 Euro im Jahr kann jeder VcG-Mitglied werden und - mit Einschränkungen - auf 600 Plätzen golfen, ohne im Club Mitglied zu sein. Fällig wird nur das Greenfee. Weit mehr als 20 000 Deutsche sind über die VcG zum Golfsport gekommen, sagt Christine Burgard, Geschäftsführerin der Vereinigung.
Damit auch über Tchibo mehr Deutsche zum Golf finden, will der Golfclub Fleesensee für das 499-Euro-Angebot des Kaffeerösters in den kommenden Monaten noch bis zu zehn Partner in ganz Deutschland finden. In diesen Vereinen soll dann die Tagesgebühr für die Tchibo-Golfer sinken. Anfang Dezember will der Konzern mit einer Kampagne für sein Angebot werben. Verkaufsstart ist 4. Dezember. Interessierte Hobbygolfer können auch eine Mitgliedschaft von Mai an beantragen. Im Frühjahr 2003 soll die Aktion wiederholt werden.
Perry Einfeldt, Manager des Golfclubs Fleesensee, ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass sich die Clubs "am Ende darum reißen, diesem Verbund anzugehören".




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