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Wirtschaft

Versandhandel: Dicke Kataloge weniger gefragt - Inlandsgeschäft schwach

Otto setzt nach Gewinnminus aufs Ausland

Neuer Chef geht auf Expansionskurs in Russland, den Vereinigten Staaten und in Asien. Wenig rentable Tochterfirmen kommen auf den Prüfstand.

Hamburg. Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied zwischen dem neuen Otto-Chef Hans-Otto Schrader und seinem Vorgänger ausmachen. Hielt sich der langjährige Vorstandsvorsitzende und Konzerninhaber Michael Otto bei der Bilanzvorlage stets an sein vorgefertigtes Redemanuskript, skizzierte Schrader gestern erstmals frei seine Strategie für den weltgrößten Versandhändler. Ein Stückchen mehr Lockerheit zieht ein in die Konzernzentrale in Hamburg Wandsbek.

Für die Zukunft geht der Blick des neuen Chefs vor allem ins Ausland. Wachsen will der Konzern in den kommenden Jahren überwiegend in Russland und Asien, aber auch die USA sollen einen Schwerpunkt der Expansion bilden. "Die zunehmende Internationalisierung ermöglicht es uns, regionale Schwankungen auszugleichen und weltweit Wachstumschancen zu nutzen", so Schrader. Schon heute erwirtschaftet der Konzern 53 Prozent seiner Erlöse außerhalb Deutschlands.

In Russland ist Otto derzeit dabei, sich mit mehreren Marken als einer der größten Versandhändler des Landes zu etablieren. In Japan setzt der Konzern vor allem auf den boomenden Onlinehandel und in Nordamerika soll das US-Einrichtungshaus Crate and Barrell sein Filialnetz ausbauen und erstmals nach Kanada expandieren.

Die Orientierung nach Osten und in die USA ist allerdings auch bitter nötig, denn im Inland ist für den Versandhandelsriesen immer weniger zu holen. "In Deutschland kommt das Wachstum leider nicht bei den Verbrauchern an", erklärte Schrader. Hohe Energiepreise, sowie wachsende Steuern und Abgaben seien Gift für das Konsumklima. Trotz eines boomenden Onlinehandels verzeichneten alle großen Versandhandelshäuser der Gruppe (Otto-Versand, Baur, Schwab) daher durchweg Umsatzrückgänge.

Vor allem die dicken Universalkataloge des Unternehmens, die sogenannten Big Books, finden bei den Bundesbürgern immer weniger Anklang. Machten sie in den 70er-Jahren noch einen Umsatzanteil von 90 Prozent am Einzelhandelsumsatz der Gruppe aus, so ist dieser Anteil mittlerweile auf 30 Prozent zusammengeschrumpft. Ein Trend, der sich laut Schrader kaum umkehren lässt: "Big Books sind heute im Versandhandel keine Wachstumsträger mehr", sagte er.

Die Schwächen im Inland waren überwiegend dafür verantwortlich, dass Otto nach einer Periode stetiger Zuwächse im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 einen empfindlichen Gewinneinbruch um 15 Prozent auf 457 Millionen Euro hinnehmen musste. Daneben spielten auch gestiegene Investitionen, etwa für den Aufbau des Paketgeschäfts in Österreich, eine Rolle.

Der Umsatz im gesamten Konzern erhöhte sich leicht um 2,4 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro. Dazu trug nicht zuletzt der Internethandel bei, der um 26 Prozent auf einen neuen Rekordwert von gut fünf Milliarden Euro kletterte. Der Konzern konnte damit seine Position als weltweit zweitgrößter Onlinehändler hinter Amazon weiter festigen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 rechnet der Otto-Chef dank des wachsenden Online- und Auslandsgeschäfts mit einer deutlichen Ertragswende. Bei einem um drei Prozent steigenden Umsatz soll der Gewinn vor Steuern prozentual "in zweistelliger Höhe" zulegen, sagte Schrader.

Um das Ergebnis zu verbessern und mehr Mittel für die Auslandsexpansion frei zu bekommen, hat sich Otto zudem von mehreren Tochterunternehmen in Deutschland getrennt oder diese geschlossen. So stellte zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres mit Oktavia ein Hersteller für Firmenkleidung und Maßkonfektion den Betrieb ein. Anfang März dieses Jahres wurden zudem die Anteile am Großhändler Fegro/Selgros verkauft. Im Juni veräußerte Otto außerdem die Anteile an der Modemarke Eddie Bauer im Rahmen eines Management Buyouts. Schrader kündigte an, auch in den kommenden Monaten weitere Tochterfirmen auf den Prüfstand zu stellen.

Die Zahl der Mitarbeiter der Otto-Gruppe ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um rund 1250 auf 52 700 gewachsen. Ob sich diese positive Entwicklung fortsetzen werde, lasse sich derzeit allerdings noch nicht sagen, so der Otto-Chef.

 

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