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Wirtschaft

Brasilien: Schwarzes Gold liegt tief unter dem Meer - Reserve größer als die der gesamten USA

Riesiges Ölfeld entdeckt - Preis zieht trotzdem an

Experte warnt vor Euphorie. Barrel kostete gestern fast 114 Dollar - weil die Chinesen mehr heizen.

Hamburg. Der Schatz schlummert in der Bucht von Santos, 5000 Meter tief unter Wasser und einer dicken Salzschicht: Brasilien hat vor seiner Atlantikküste ein gewaltiges Ölfeld mit geschätzten Reserven von 33 Milliarden Barrel (rund 4,5 Milliarden Tonnen) entdeckt. Es könne sich dabei um die drittgrößte Quelle der Erde handeln, sagte der leitende Direktor der Nationalen Erdöl-Agentur des südamerikanischen Landes, Haroldo Lima, in Rio de Janeiro. Er sprach vom größten Erdölfund der vergangenen 30 Jahre.

Der Chef der Öl-Aufsichtsbehörde räumte allerdings ein, seine Informationen nur "inoffiziell" von der staatlichen Ölgesellschaft Petrobras bezogen zu haben, der das Feld mit dem Namen "Carioca" überwiegend gehört. Die Gesellschaft teilte gestern lediglich mit, die genaue Größe des Fundes werde erst nach weiteren Studien in den kommenden Tagen bekannt gegeben. Petrobras-Techniker betonten, man könne noch nicht sagen, ob die Förderung rentabel sei.

Sollte sich die Größenordnung des Fundes aber bewahrheiten, so hätte dies nach Einschätzung von Experten deutliche Auswirkungen auf die Position Brasiliens als Erdölfördernation. Laut einer Studie von Esso Deutschland hat das südamerikanische Land zwischen 1990 und 2006 seine bestätigten Ölreserven bereits verfünffacht und liegt auf Rang 17 der ölreichsten Länder der Erde. Erst im vergangenen Jahr kam das riesige Ölfeld "Tupi" hinzu, das sich in derselben Bucht wie "Carioca" befindet. Es birgt fünf bis acht Milliarden Barrel sowie Erdgas.

Der jüngste Ölfund entspräche mit seinen 4,5 Milliarden Tonnen deutlich mehr als die gesamten bestätigten Erdölreserven der USA (2,9 Milliarden Tonnen). Er reicht fast an die Vorkommen in Nigeria heran, das in der Esso-Studie immerhin auf Rang 10 der ölreichsten Länder weltweit geführt wird. Die deutschen Reserven werden gar um weit mehr als das 100-fache übertroffen.

"Wenn der Fund in Brasilien bestätigt wird, ist dies ein weiterer Beleg dafür, dass das Erdölzeitalter keineswegs durch den Mangel an Rohstoffen zu Ende geht", sagte die Sprecherin von Esso Deutschland, Gabriele Radke, dem Abendblatt. Vielmehr gelinge es durch neue technische Verfahren immer besser, neue Vorkommen zu erschließen und auch wirtschaftlich zu fördern. "Vor allem unter dem Meeresboden befinden sich noch erhebliche Erdölreserven", so Radke.

Wesentlich weniger optimistisch zeigt sich hingegen der Geologe Hilmar Rempel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. "Zunächst einmal muss man abwarten, wie viel Öl sich in Brasilien tatsächlich zu welchem Preis fördern lässt", sagte er dem Abendblatt.

"Doch selbst wenn man tatsächlich das gesamte Vorkommen auf einmal auf den Markt bringen würde, könnte man damit den Ölbedarf der ganzen Welt gerade mal für ein viertel bis zu einem halben Jahr decken", betonte der Experte.

"Niemand sollte also denken, dass sich unsere Energieprobleme mit solchen neuen Ölfunden überwinden ließen." Nach der Einschätzung Rempels dürfte ein Fund wie der in Brasilien für lange Zeit der letzte in dieser Größenordnung gewesen sein. "Die Energiereserven sind endlich", betonte er.

Die weltweiten Rohstoffmärkte ließ die Entdeckung in Brasilien jedenfalls völlig kalt. Der Ölpreis kletterte gestern auf ein neues Rekordhoch von mehr als 113 Dollar pro Barrel. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wurde zeitweise zu 113,85 Dollar gehandelt und damit 1,7 Prozent teurer als im späten Vortagesgeschäft. Auch an der Börse in London erreichte der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent mit Auslieferung im Mai nach einer kurzen Verschnaufpause zu Beginn der Woche einen neuen Höchstwert bei 112,08 Dollar.

Den Grund für den Preisanstieg sahen Händler vor allem in dem immer größer werdenden Öl-Durst Chinas. Allein im März hätten die Chinesen im Jahresvergleich etwa ein Viertel mehr Rohöl eingeführt, berichtet Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. Dies hängt unter anderem mit den Spätfolgen von Unwettern zusammen, die die Volksrepublik zu Beginn des Jahres heimsuchten. Starke Schneefälle führten zu einer Verknappung der Kohlevorräte, weshalb nun zum Heizen immer mehr Dieselgeneratoren im Einsatz sind.

 

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