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Wirtschaft

Metalle: Markt gehorcht den alten Regeln nicht mehr - Spekulanten am Werk

Preise für Rohstoffe explodieren

Furcht vor Inflation treibt Anleger in Metalle. Kosten steigen, Wirtschaft wächst weniger. Keine Trendwende.

Hamburg. Gold für mehr als 1000 Euro pro Feinunze, 159 Liter Rohöl für 110 Dollar und Aluminium- und Kupferpreise, die sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt haben. Die Rohstoffmärkte spielen seit Monaten verrückt. "Die kurzfristigen Entwicklungen werden derzeit stark von den anhaltenden Liquiditätszuflüssen seitens der Finanzinvestoren dominiert", heißt es in einer Analyse der Commerzbank. Im Klartext: Spekulanten, die bislang in den Dollar investierten, setzen wegen des Verfalls des Dollar-Kurses und den damit verbundenen Inflationsängsten nun auf Rohstoffe.

Ölpreis und Konjunktur Die Bewegung verläuft nach dem Prinzip "die Hausse nährt die Hausse", sagte Barbara Lambrecht, Rohstoffexpertin der Commerzbank, dem Abendblatt. Sie sieht zumindest kurzfristig kein Ende der Spirale, "da viele Investoren auf den Zug aufspringen und der schwache Dollar in Ölanlagen lockt". Doch die fundamentale Lage unterstützte den Höhenflug nicht. "In den kommenden Monaten könnte es eine Entspannung geben, da die Förderung auch außerhalb der Opec, in Brasilien und in einigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, ausgeweitet wird." Für eine Entspannung spreche auch, dass die Nachfrage im zweiten Quartal (wenn weniger geheizt werden muss) traditionell nachgibt.

Benzin und Diesel werden in Deutschland derzeit teurer, obwohl Rohöl in Dollar notiert wird und dessen Kurs stark gefallen ist. "Der Rohölpreis steigt stärker als der Euro-Kurs", so Lambrecht.

Kurzfristig werde der Ölpreis noch zulegen, meint auch Klaus Matthies, Rohstoffexperte beim Hamburger HWWI-Institut. "Eine schon seit Langem erwartete Korrektur wird aber kommen, spätestens in ein oder zwei Jahren", sagte er. Die derzeit hohen Preise belasten nicht nur die Verbraucher, die mehr fürs Tanken und Heizen bezahlen müssen, sondern auch die Wirtschaft, die höhere Kosten hat und in der Folge niedrigere Gewinne. "Die Wirtschaft wird mit Sicherheit unter der jetzigen Entwicklung leiden", sagte der HWWI-Konjunkturexperte Jörg Hinze dem Abendblatt. Rein rechnerisch bedeute eine Ölpreiserhöhung um zehn Dollar pro Barrel, dass sich das Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozent abschwächt, auch weil die Kaufkraft der Konsumenten sinkt. Hinze überarbeitet gerade die HWWI-Wachstumsprognose für 2009. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat seine Zahl für 2009 von 1,6 Prozent auf 1,2 Prozent revidiert. Wie sich die Preise von Öl und Industriemetallen kurzfristig entwickeln, mag keiner konkret sagen - nachdem beim Gold sogar Experten von der Entwicklung überrascht wurden. Auch der Anlass für die Hausse war spektakulär. Fernsehaufnahmen aus Großbritannien hatten sogar auch deutsche Sparer verunsichert: Schlangen standen vor den Filialen der Northern Rock Bank, weil die Kunden um ihre Einlagen fürchten.

Gold statt Papiergeld "Seit das im Fernsehen zu sehen war, haben wir jeden Tag einen Großauftrag von 100 000 Euro", sagt Martin Siegel, Geschäftsführer des Edelmetallhauses Westgold in Lindhorst. "Vorher war das einmal im Monat oder der Woche." Gefragt sind Münzen wie der Krügerrand und Barren. Den Trend bestätigt Stefan Rose, Leiter des Goldhandels bei der Haspa. "Steigende Goldpreise fördern die Nachfrage, zumal die Unsicherheit wächst", sagt er. Jahr für Jahr setzt die Haspa größere Mengen an Münzen und Barren ab. Im Schatten des Goldes erlebt auch Silber seine Renaissance bei den Sparern. "Es hat noch einen höheren Nachholbedarf als Gold, die Ressourcen sind geringer und es gibt auch einen industriellen Bedarf", sagt Rose. Im Gegensatz zu Gold müssen aber hier mindestens 100 Unzen (31,1 Gramm) gekauft werden.

Die wachsenden Unsicherheit an den Finanzmärkten dürfte den Goldpreis weiter steigen lassen. Auch wenn eine Korrektur nicht ausgeschlossen werden kann, immerhin ist das Edelmetall seit letztem Sommer um rund 50 Prozent teurer geworden. Doch erst bei einem Unzenpreis von mehr als 2000 Dollar hätte Gold kaufkraftbereinigt den alten Höchststand aus dem Jahr 1980 erreicht. "Gold hat einen 20-jährigen Abwärtstrend hinter sich und kaum einer ist investiert", sagt Siegel, der auch zwei Investmentfonds zu Gold betreut. Da sei es viel zu früh, jetzt schon an Ausstiegsszenarien zu denken. Erst eine Hochzinspolitik könnte das Vertrauen in das Finanzsystem wieder steigen lassen. "Doch davon sind wir weit entfernt."

"Fünf Prozent des Portfolios in Gold sind der beste Schutz gegen Inflation und Probleme im Finanzsystem", sagt Philipp Vorndran von Credit Suisse Asset Management. Neue Nachfrage nach Gold kommt von den Exchange Traded Funds (ETF). Diese Fonds investieren direkt in Gold und Anleger können sich daran beteiligen. Im Gegensatz zu Zertifikaten ist die Anlage damit durch physisches Gold abgesichert und ein Ersatz für das direkte Goldinvestment.

Kupfer und Aluminium Seit Oktober 2003 hat sich der Kupferpreis auf knapp 8500 Dollar mehr als vervierfacht. "Fallende Lagerbestände treiben die Kupfernotierungen immer weiter nach oben. Gleichzeitig schwellen aber die Lagerbestände in Shanghai an, was die Marktteilnehmer eigentlich beunruhigen sollte, da China nach wie vor der wichtigste Faktor an den Metallmärkten bleibt", sagt Commerzbank-Analystin Lambrecht. Der Markt scheine aber dennoch derzeit stark von der steigenden Investorennachfrage zu profitieren. "Dennoch erwarten wir in Kürze eine Preiskorrektur - auch wegen der abgeschwächten Baukonjunktur in den USA."

Auch die Aluminiumpreise werden durch die steigende Nachfrage aus China bestimmt. "Das Land versucht wegen der hohen Energiekosten, die Ausweitung seiner Aluminiumproduktion zu dämpfen, sodass es bald auf dem Weltmarkt als Nettokäufer auftreten könnte", so Lambrecht. Von der Hausse bei Aluminium profitierte immerhin das Aluminium-Werk der Stadt. Es wurde Anfang 2006 geschlossen und konnte wegen des guten Weltmarkts 2007 wiedereröffnet werden.

 

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