Größere Geschäfte und mehr Designerware sollen jüngere Käufer locken, ohne die Stammkunden zu verprellen.

Hamburg. Der über Jahrzehnte erfolgsverwöhnte Hamburger Kaffeeröster Tchibo muss sich neu erfinden. Zwar werden in den Tchibo-Geschäften künftig weiterhin neben dem Kaffee ständig wechselnde Gebrauchsprodukte verkauft, aber die Angebote werden hochwertiger und die Läden größer. "Derzeit sind unsere Filialen im Schnitt 85 Quadratmeter groß, in Zukunft wollen wir mindestens 100 bis 120 Quadratmeter", sagte gestern in Hamburg Wolfgang Merkle, der im Konzern für das deutsche Einzelhandelsgeschäft zuständig ist. Die Folge davon ist, dass etwa 100 der 1000 Filialen mangels Größe aufgegeben und teilweise durch neue Geschäfte ersetzt werden. Die Filialen bekommen Umkleidekabinen sowie ein kleines Cafe.

Tchibo ist zum Handeln gezwungen. Mit seinem Konzept der wöchentlich wechselnden Produktangebote hatte das Unternehmen zwar über Jahre eine Alleinstellung im Markt, aber dann begannen Discounter dieses System zu kopieren. Gleichzeitig eröffneten oft in direkter Nachbarschaft zu Tchibo immer mehr Coffeeshops. Das Unternehmen geriet damit in seinen beiden einzigen Geschäftsbereichen gleichzeitig unter Druck.

Über Jahre hatte Tchibo geglaubt, den beiden Entwicklungen mit seinem bisherigen Modell gegenhalten zu können. Doch vor einem Jahr wurde der Handlungsbedarf erkannt, nachdem der Gewinn für 2006 erstmals seit zehn Jahren zurückging und sich von 380 auf 143 Millionen Euro mehr als halbierte. Ein neues Konzept wurde erarbeitet, in das Tchibo bis 2010 knapp 100 Millionen Euro investieren wird.

Neben der Neugestaltung der Filialen will sich der Konzern auch Gebrauchsgütersortiment künftig von Wettbewerbern abheben. "Wir wollen uns am Facheinzelhandel orientieren", sagte Merkle und räumte ein, dass ein Tchibo-T-Shirt für fünf Euro bei der gestiegenen Qualität kaum machbar sei.

Als wegweisend gilt die Kooperation mit dem früheren Adidas-Chefdesigner Michael Michalsky. Unter der Marke Mitch & Co. hat Michalsky bereits zwei Bekleidungskollektionen über Tchibo verkauft. Die dritte ist derzeit in den Filialen. Ein T-Shirt kostet 15 Euro. "Die Zusammenarbeit wird fortgesetzt, wir haben inzwischen rund zwei Millionen Teile von Mitch & Co. verkauft", sagte Merkle.

Wichtiger als die Absatzzahlen sei für das Unternehmen gewesen, dass das neue Modelabel auch jüngere Kunden in die Tchibo-Geschäfte gelockt habe. Das Durchschnittsalter der Kundschaft sank laut einer Erhebung des Unternehmens in den beiden Wochen mit Mitch-Klamotten von 49 auf 42 Jahre. "Für mich ist es wichtig, dass die Produkte beim Kunden landen", begründete Michalsky, der ein eigenes Label hat und unter anderem für MCM arbeitet, die Kooperation mit dem Tchibo-Konzern.

Moderneres Publikum zu locken, ohne die bisherige Kundschaft zu verprellen, will Tchibo auch durch die Kooperation mit weiteren Designern wie etwa Sir Conran aus London, der für das Unternehmen Küchenutensilien gestaltete, erreichen. Zudem wird es neue Artikel geben. "Allein für dieses Jahr haben wir 15 neue Sortimente geplant", so Merkle. Unter anderen soll es Bekleidung aus ökologisch angebauter Baumwolle geben.