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Wirtschaft

Bilanz: Verlust von Anschlüssen hält an - dafür Trendwende im DSL-Geschäft

Telekom verliert zwei Millionen Kunden

Nettogewinn des Bonner Konzerns fällt um 82 Prozent. Operatives Ergebnis und Umsatz steigen. T-Aktie im Minus.

Hamburg/Bonn. Licht und Schatten haben die Bilanz der Deutschen Telekom für das Jahr 2007 geprägt. Der Umsatz des Rosa Riesen stieg leicht, dafür sanken operativer Gewinn und Jahresüberschuss. Im deutschen Festnetz verlor der Ex-Monopolist erneut 2,1 Millionen Anschlüsse, dafür gewann er mehr als zwei Millionen DSL-Kunden hinzu. So uneinheitlich die Bilanz war, so unentschlossen verhielten sich gestern die Aktionäre: Bei Bekanntgabe der Zahlen kletterte die T-Aktie um 1,5 Prozent auf 13,12 Euro nach oben, um dann im Tagesverlauf auf 12,54 Euro (minus 2,94 Prozent) abzusinken. Das Leiden der Telekom-Aktionäre geht unter Vorstandschef Rene Obermann weiter.

Verkünden konnte der Konzernlenker, dass die Telekom dank hoher Einsparungen durch verschärften Personalabbau ihre Finanzziele übertroffen hat. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag mit 19,3 Milliarden leicht über den anvisierten 19 Milliarden Euro - nach zwei Gewinnwarnungen in den Vorjahren aus Sicht der meisten Analysten ein "ordentliches" Resultat, wie Annemarie Schlüter von der Hamburger Sparkasse sagt.

Dazu beigetragen hat vor allem der massive Personalabbau, infolgedessen 2,3 Milliarden Euro eingespart wurden - 300 Millionen Euro mehr als erwartet. Die Telekom hatte weite Teile des Services in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert, in der die Mitarbeiter für weniger Gehalt länger arbeiten. Zudem verließen 2007 mehr als 14 000 Mitarbeiter den Konzern, sodass die Personalkosten in Deutschland um acht Prozent sanken. Der Umbau solle in diesem Jahr fortgesetzt und weitere Sparpotenziale "konsequent" genutzt werden, kündigte Obermann an.

Nicht zufriedenstellen konnte Obermann den Nettogewinn: Er fiel um 82 Prozent auf 569 Millionen Euro. Dies lag nach Angaben des Konzerns insbesondere an einer höheren Steuerlast für 2007. Der Umsatz erhöhte sich hingegen um 1,9 Prozent auf 62,5 Milliarden Euro, wobei der Auslandsanteil mit 31,8 Milliarden erstmals größer war als die Erlöse in Deutschland. Umsatztreiber war vor allem der Mobilfunk in den USA, wo die Telekom um 3,3 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro zulegte. Auf Dollar-Basis betrug die Steigerung sogar 12,6 Prozent.

Die Abwanderung von Telefonkunden im Inland hielt an: 2007 verlor die Telekom wieder mehr als zwei Millionen herkömmliche Festnetzanschlüsse, etwa ebenso viele wie im Vorjahr. Anders als 2006 legte sie aber bei schnellen Internetzugängen deutlich zu: Die Sparte T-Home verzeichnete im heimischen Breitbandmarkt 22 Prozent Wachstum auf nunmehr rund neun Millionen Anschlüsse und gewann damit fast so viele DSL-Kunden wie alle Wettbewerber zusammen.

In der Mobilfunksparte T-Mobile sorgte der Tarif MyFaves und Apples iPhone für Zulauf. Rund 20 Prozent mehr Kunden als 2006 schlossen einen Vertrag bei T-Mobile ab, zusammen mit den Prepaid-Tarifen verzeichnete die Mobilfunksparte 4,5 Millionen neue Kunden. Der Umsatzrückgang in Deutschland konnte so gegenüber dem Vorjahr auf 2,7 Prozent verringert werden.

Als Mutmacher für die Anteilseigner wagte Obermann denn auch das Bild: "Der Tanker nimmt Fahrt auf und bewegt sich Richtung offene See", sagte er. Eine rasche Erholung des Aktienkurses ist indes nicht in Sicht. Die Haspa bestätigte ihre Bewertung "Halten", sagte Analystin Schlüter dem Abendblatt. Die Ziele für 2008 lägen auf dem Niveau des Vorjahres, gravierende Neuigkeiten seien nicht zu erwarten. "Die Telekom wird weiter Kosten sparen und versuchen, sich mit neuen Themen wie mobiles Internet im gesättigten deutschen Markt voranzukommen." Im Ausland seien Investitionen in den Mobilfunk denkbar.

Die übertroffene Konzernprognose beim operativen Ergebnis sowie die Kostenreduzierungen veranlassten einige Analysten dazu, die T-Aktie zu empfehlen: UniCredit, Sal. Oppenheim und Cheuvreux bewerteten das Papier gestern mit "Kaufen" und gaben Ziele zwischen 16,50 und 17 Euro aus. Dagegen stufte Independent Research die Aktien mit "Reduzieren" ein und setzte als Kursziel 12,50 Euro.

 

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