Medien: Sinnerschrader-Chef beklagt Fachkräftemangel
Internetspezialisten gesucht
Nachwuchs für Beratung, Design, Software und Kreativ-Bereich wird knapp. Zu wenig Ausbildung für Online-Profis in Hamburg.
Hamburg. SinnerSchrader-Chef Matthias Schrader beklagt einen massiven Fachkräftemangel in der Hamburger Internetbranche. Die Hansestadt sei mit den großen Agenturen wie Elephant Seven, BBDO Interone, Tribal DDB, Proximity und seiner Firma der deutschlandweit größte Standort der Internetbranche. Das weitere Wachstum dieses wichtigen Standbeins der Hamburger Wirtschaft werde aber durch den fehlenden Nachwuchs behindert. "Die gesamte Branche hat in der Internet-Eiszeit von 2001 bis 2004 nicht mehr ausgebildet, sondern massiv Personal abgebaut", begründete Schrader den Engpass, der auch die Expansion seiner eigenen Agentur, die Internetlösungen für Firmenkunden anbietet, bremst: "Wir suchen derzeit 22 neue Mitarbeiter, querbeet, für Beratung, Design, Text, Software, im Kreativ-Bereich." Bis Ende des Jahres sollte das Unternehmen eigentlich von jetzt 150 auf mindestens 170 Beschäftigte angewachsen sein, "wenn wir die Leute denn finden", sagte Schrader.
Die Ausbildungsituation an Hamburger Schulen und Hochschulen sei zwar im Bereich Software und Technik gut, lasse aber bei Design und Konzeption zu wünschen übrig. SinnerSchrader selber hat derzeit auch keine eigenen Auszubildenden, sagte Schrader. "Dafür fehlt leider momentan die Zeit."
SinnerSchrader braucht Verstärkung, weil das börsennotierte Unternehmen mit dem Autovermieter Sixt und dem skandinavischen Schuhhersteller Ecco zwei neue prominente Auftraggeber gewonnen hat, die das Portfolio bestehender Kunden wie die Deutsche Bank, TUI oder Deutsche Telekom ergänzen.
Für immer mehr Unternehmen rücke das Internet in Sachen Kundenbindung und Werbung an die erste Stelle, vor andere Werbeträger wie dem Fernsehen, sagte Schrader zu den Chancen der Internetbranche. Diese spiegeln sich auch in den Geschäftszahlen wider: SinnerSchrader hat im Geschäftsjahr 2006/2007 (1. September 2006 bis 31. August 2007) seinen Umsatz um 17,5 Prozent auf 18,6 Millionen Euro erhöht. Das operative Ergebnis stieg um knapp 74 Prozent auf 1,04 Millionen Euro.
Um die Möglichkeiten des Internets auf neue Weise zu nutzen, hat sich Autovermieter Sixt etwa für die Plattform Carmondo entschieden, auf der Autofahrer ihren Wunsch-Neuwagen konfigurieren können. "Jeder Nutzer kann über alle Marken hinweg vergleichen, welche Ausstattungen möglich und sinnvoll sind", erklärt Schrader das Prinzip der Seite. Auf diese Weise könne Sixt herausfinden, welche Eigenschaften und Extras ein Auto haben sollte. Für den Autovermieter sind diese Informationen im Vermietgeschäft, aber auch als Wiederverkäufer der Wagen sehr wertvoll.
Für den Schuhhersteller Ecco realisiert SinnerSchrader unter anderem eine Internetplattform mit der Möglichkeit, das gesamte Sortiment auch online bestellen zu können. "Auch die bekannten Versender wie Otto oder Quelle sind mit dem Schuhversand groß geworden", sagte Schrader. Der Kunde erwarte heute auch im Bekleidungsbereich, dass er das gesamte Angebot einer Marke online bestellen kann.
SinnerSchrader rechnet mit einem weiteren Ausbau der Aktivitäten von Firmen im Internet und entsprechendem Umsatzwachstum: Für das Geschäftsjahr 2007/2008 haben sich die Hamburger zum Ziel gesetzt, den Umsatz um 15 Prozent auf über 21 Millionen Euro zu steigern und ein operatives Ergebnis (Ebita) von 1,8 bis 1,9 Millionen Euro zu erzielen. Mit einer Ebita-Marge zwischen 8,5 und 9 Prozent will die Firma den Abstand zum mittelfristigen Margenziel von 10 bis 12 Prozent erheblich verringern.



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