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Wirtschaft

Studium der Betriebswirtschaftslehre bei Tchibo im Sonderangebot

Hamburg. Tchibo klagt über Probleme im Geschäft mit Kaffeebohnen und Aktionsartikeln wie Haushaltswaren und Textilien. 2006 brach der Gewinn auch durch die Konkurrenz der Discounter ein. Und da Not erfinderisch macht, gibt es inzwischen bei dem Hamburger Kaffeeröster kaum etwas, was es nicht gibt. Nach Girokonten, Bahntickets, Baukrediten und Malerstunden hat Tchibo ab 9. November auch ein BWL-Fernstudium im Programm.

Gemeinsam mit der Privaten Fachhochschule Göttingen gibt es bei Tchibo jetzt ein dreijähriges Fernstudium zum Diplom-Betriebswirt (FH) mit staatlich anerkanntem Abschluss. Wer sich zwischen dem 9. November und 31. Dezember mit den Informationen auf dem Tchibo-Flyer oder der Tchibo-Internetseite einschreibt, erhält einen Rabatt von 50 Euro auf die monatliche Gebühr (298 Euro) und zahlt keine Einschreibegebühr von 650 Euro. Studienbeginn ist wahlweise im Februar oder Juni 2008 möglich. Zielgruppe sind Berufstätige, die sich nach Feierabend weiterbilden und dadurch ihre Karrierechancen erhöhen wollen.

"Bildung ist insgesamt ein wichtiges Thema", sagt Tchibo-Sprecherin Janna Dreher. "Wir haben im Februar schon Nachhilfestunden verkauft. Das lief für uns und unseren Partner Studienkreis sehr gut und wir wollen jetzt daran anknüpfen." Tchibo sehe sich als Vermittler, der für seine Kunden aus dem großen Angebot das Beste heraussuche. Mit Zusatzangeboten aus dem Bereich Dienstleistungen versucht das Unternehmen, mehr Kunden auf die Homepage und in die Filialen zu locken. Freitags werde in Zukunft immer eine überraschende neue Serviceleistung bei dem Kaffeeröster im Regal stehen.

Begonnen hat das Zusatzgeschäft bereits 1997 mit dem Angebot von Reisen. 2004 kamen Handytarife und Versicherungen dazu. Allein in diesem Jahr hatte Tchibo bereits Bahntickets, Girokonten, Malerarbeiten, Baukredite, Krankenkassenverträge und Tagesgeldkonten im Angebot. Vor wenigen Tagen kündigte das Unternehmen einen Weihnachts-Paketversand mit Hermes an. Und jetzt ist das Studium als Schnäppchen zu haben.

"Wir haben einen Bildungsauftrag und wollen über diesen Vertriebsweg möglichst viele Menschen auf unser Angebot aufmerksam machen", sagt Professor Bernt Sierke, Präsident der privaten Fachhochschule Göttingen, die 1995 den Studienbetrieb aufnahm und mit Firmen wie Airbus, Bahlsen und auch Tchibo zusammenarbeitet. "Wir bauen deutschlandweit Fernstudienzentren auf und wollen dies jetzt innovativ bewerben." Das Diplom gebe es trotzdem nicht einfach am Kaffeetresen zu kaufen. "Dort liegen nur die Informationen aus. Dann melden sich die Interessenten bei einer Hotline und erhalten Informationsmaterial, bevor sie sich bei uns einschreiben", so der FH-Präsident. Auch müssten die Zugangsvoraussetzungen wie die Allgemeine Hochschulreife bei den Kunden erfüllt sein.

Trotzdem bleibt das Tchibo-Studium nicht ohne Kritik. "Bildung wird zur Ware und Händler ohne Kompetenz in der Beratung verkaufen plötzlich ein Studium", sagt Andreas Keller, Hochschulexperte und Vorstandsmitglied bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Es besteht auch die Gefahr, dass ein Kunde durch Zufall auf das Lockangebot stößt und es annimmt, ohne sich über Alternativen zu informieren." Daher rät der Experte, sich vorher genau das Angebot der Fernuni anzusehen und es zum Beispiel mit den Möglichkeiten der staatlichen Fernuniversität Hagen zu vergleichen, die ein breites Spektrum an Studienrichtungen anbiete und nur geringe Materialgebühren verlange. Auch eine Beratung bei der Agentur für Arbeit könne darüber Sicherheit geben, ob man sich nicht nur wegen des niedrigen Preises für das falsche Studium entscheide.

 

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