01.10.07

Preisexplosion: Energie immer teurer - wichtige Fragen und Antworten

Heizöl - mit dem Kauf noch warten

Auch die Dieselpreise ziehen kräftig an. Und ein Ende der steigenden Ölkosten ist nicht in Sicht.

Von Daniela Stürmlinger
Foto: Weisflog
Mit der Förderung von Erdöl lässt sich derzeit viel Geld verdienen. Autofahrer und Kunden von Heizölhändlern bekommen die Preiserhöhungen zu spüren.

Hamburg. Seit Monaten kennt der Ölpreis nur eine Richtung - nach oben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölmarke Brent kletterte Ende vergangener Woche in London auf ein Rekordhoch von über 81 Dollar. Eine Trendwende ist - vor allem auch im Hinblick auf die nahende Wintersaison - nicht in Sicht. Warum steigen die Preise? Was können Verbraucher tun, um den Preisschock abzumildern? Fragen und Antworten zur Preismisere.

Warum ist Öl so teuer geworden?

"Derzeit treffen mehrere Faktoren zusammen: Die weltweite Nachfrage nach Öl steigt und der nahende Winter verstärkt diese Nachfrage, weil sich die Verbraucher mit Heizöl eindecken", sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Wirtschaftsforschungsinstitutes DIW, dem Abendblatt. "Hinzu kommt, dass derzeit die Amerikaner in Europa Heizöl einkaufen, weil sie selbst nicht über genügend Raffineriekapazitäten verfügen. Es wurde versäumt in die Raffinerien zu investieren." Mittelfristig werden sich die Rohölpreise laut Claudia Kemfert auf einem Niveau von 80 bis 85 Dollar pro Barrel einpendeln. "Langfristig werden wir die 100-Dollar-Marke überschreiten."

Soll man jetzt Heizöl kaufen?

Claudia Kemfert rechnet mit einem leichten Absinken der Preise auf um die 75 Dollar pro Barrel (159 Liter) Ende Januar oder Anfang Februar 2008. "Deshalb würde ich jetzt dazu raten, wenn möglich nur kleine Mengen Heizöl zu kaufen und erst später, wenn der Ölpreis gesunken ist, den Tank komplett zu füllen." Wer Öl günstig einkaufen will, kann sich auch mit Nachbarn zusammentun und eine Sammelbestellung aufgeben, empfiehlt Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei Sammelbestellungen kommen Kunden etwa drei bis fünf Prozent billiger davon, hat der Bund der Energieverbraucher berechnet. Aber der Organisator einer Privatbestellung trägt ein finanzielles Risiko. Springt ein Nachbar ab, ist der Auftraggeber in der Haftung und bleibt womöglich auf dessen Kosten sitzen, wie Hörmann zu bedenken gibt. Will man dieses Risiko vermeiden, kann man sich an organisierten Sammelbestellungen via Internet beteiligen.

Warum ist Diesel so teuer?

Diesel und Heizöl sind ähnliche Produkte und wenn die Raffinerien derzeit auf die Heizölproduktion setzen, können sie im Gegenzug weniger Diesel herstellen. Deshalb steigen fast immer im Winter die Dieselpreise. "Im Frühjahr wird sich der Dieselpreis wieder auf niedrigerem Niveau einpendeln", so Claudia Kemfert. Die Verbraucher können sich zudem darüber freuen, dass Ölpreise weltweit in Dollar gehandelt werden und darüber, dass die US-Währung derzeit sehr schwach ist. "Die Preise in Deutschland würden noch höher ausfallen, wenn sie nicht durch den starken Euro gebremst würden", sagte Energieexperte Klaus Matthies vom Hamburger Institut HWWI dem Abendblatt.

Steigt auch der Gaspreis?

Auch Erdgaskunden müssen mit steigenden Preisen rechnen. Denn der Gaspreis ist in Deutschland mit sechsmonatiger Verzögerung an den für leichtes Heizöl gebunden. Einige Versorger in Deutschland haben bereits weitere Preisrunden angekündigt. Der Hamburger Versorger E.on Hanse gab bekannt, dass seine Gaspreise zumindest bis Ende des Jahres stabil bleiben. Experte Hörmann empfiehlt den Gaskunden, die Preise aller Anbieter auf dem Markt zu vergleichen und gegebenenfalls einen neuen Versorger auszuwählen.

Wie spart man beim Heizen?

Als Erstes sollten die Verbraucher den Markt genau beobachten, um dann zum günstigsten Zeitpunkt zu kaufen. 2006 betrug der Unterschied für 3000 Liter zwischen billigstem und teuerstem Kauf 390 Euro, teilte die Bausparkasse Schwäbisch-Hall mit. Möglich sei auch, weniger zu heizen. Wer die Heizung nur um ein Grad herunterdreht spart sechs Prozent Heizkosten. Ersparnis bei einer Dreizimmerwohnung mit 70 Quadratmetern: rund drei Euro im Monat. Claudia Kemfert setzt zudem auf den Gebäudepass, der 2008 kommen soll. Zwar werden über ihn nur Mieter und Käufer besser über den Energieverbrauch ihrer Immobilien informiert, aber mit diesem Wissen könnte gezielt in Energiesparmaßnahmen wie die Wärmedämmung oder in Solarthermie-Anlagen investiert werden, mit denen man - je nach Größe - die Heizkosten um bis zu 50 Prozent verringern kann. Solche Anlagen lohnen sich in Zeiten hoher Ölpreise laut Kemfert auch wegen der staatlichen Förderung.

Sparen beim Autofahren?

Beim Autofahren lässt sich Kraftstoff einsparen. Einige der wichtigsten Regeln vom Verkehrsclub Deutschland: Vorausschauend fahren und unnötiges Beschleunigen und Bremsen vermeiden; früh in den nächsten höheren Gang schalten und niedrigtourig fahren; bei Stopps, die länger als zehn Sekunden andauern, Motor ausschalten; den Reifendruck auf den maximal empfohlenem Wert erhöhen; unnötiges Gepäck aus dem Kofferraum und nicht benötigte An- und Aufbauten entfernen; Tempo auf Landstraßen maximal 90 Kilometer pro Stunde; auf Autobahnen nur bis zu 120 fahren.

Laut ADAC kann man bei einer solchen Fahrweise bis zu 30 Prozent Benzin sparen. Zudem sollte man beim Kauf eines Neuwagens auf den vom Hersteller angegebenen Literverbrauch pro 100 Kilometer achten. Auch wenn die Angaben in der Praxis meist überschritten werden, können sie als Orientierungswert gelten. Beispiele von verschiedenen Fahrzeugklassen: Smart Fortwo (3,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer), VW Polo 1,4 TDI Blue Motion (3,8 D), Honda Civic Hybrid (4,7), Toyota Prius (4,3), BMW 520 d (5,2), Mercedes CLS 320 CDI (7,6 D). Allerdings sollte bei der Kaufentscheidung der geringere Verbrauch mit den höheren Anschaffungskosten für das spritsparende Modell verrechnet werden.

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