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Wirtschaft

Mattel kämpft nach Rückruf ums Image

Mit dem Satz "Weil ihre Kinder auch unsere Kinder sind" hat Mattel gestern in ganzseitigen Zeitungsanzeigen um Vertrauen bei verängstigten Kunden geworben.

Hamburg. Mit dem Satz "Weil ihre Kinder auch unsere Kinder sind" hat Mattel gestern in ganzseitigen Zeitungsanzeigen um Vertrauen bei verängstigten Kunden geworben. Der Grund: Am Dienstag musste der US-Konzern die größte Rückrufaktion der Firmengeschichte bekannt geben, weil sich mehr als 18 Millionen in China gefertigte Spielzeuge als lebensgefährlich herausgestellt hatten. "Sie haben mein persönliches Versprechen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun, um dieses Problem mit Integrität und Verantwortungsbewusstsein zu beseitigen", hieß es in der von Mattel-Chef Robert Eckert unterzeichneten Anzeige.

"Kurzfristig hat das Unternehmen alles richtig gemacht", sagt Herbert Stoffels, Krisenexperte der PR-Agentur Weber Shandwick in Hamburg, "Es war wichtig, dass sich der Geschäftsführer einschaltet. Er ist mit seinen vier Kindern auch besonders glaubwürdig." Trotzdem bleibe die Krise bei vielen Kunden im Kopf, die dann vielleicht zu hochwertigem Spielzeug greifen. "Langfristig muss die Firma die Produktionskette überprüfen und überlegen, ob sie weiter zu geringen Kosten produzieren will. Sonst leidet die Glaubwürdigkeit", so Stoffels.

In Deutschland wurden zwischen Mai und August 4000 Sarge-Spielzeugautos verkauft, die mit bleihaltiger Farbe bemalt wurden. Schon vor zwei Wochen musste das "Sesamstraße- Musikinstrumente"-Set aus dem selben Grund zurückgerufen werden. Verschluckbare Magnete enthielten Sets von "Polly Pocket" und "doggie day care", von denen in Deutschland eine Million Stück verkauft wurden. Auch "Barbie und Tanner" enthalten den gefährlichen Magneten. Mindestens ein Kind in den USA ist bereits nach Verschlucken des Magneten gestorben, 19 mussten sich Notoperationen unterziehen.

Wenn Verbraucher diese Produkte im heimischen Kinderzimmer finden, können sie diese zurückgeben. Ein vorfrankierter Paketaufkleber kann auf der Internetseite mattel.de/service angefordert werden, mit dem das Produkt an Mattel gesendet wird. Dann schickt die Firma einen gleich- oder höherwertigen Artikel.

Bei vielen Spielzeugläden können die Mattel-Artikel auch direkt abgegeben werden. "Wer die Artikel bei uns gekauft hat, kann sie zurückbringen. Wir geben das Geld oder ein unbedenkliches Spielzeug zurück", sagt Karstadt-Sprecher Michael Scheibe. "Dann regeln wir das intern mit Mattel." Im Zuge der Produkthaftung muss der Hersteller für Schäden aufkommen, die auf einen Fehler an der Ware zurückzuführen sind.

Kaufen kann man die Produkte nicht mehr. Scheibe: "Gleich am Dienstag haben wir unsere Filialen aufgefordert, die Artikel aus den Regalen zu nehmen."

Der chinesische Spielzeugverband räumte ein, von den Problemen bereits seit März gewusst zu haben. Der Verband wolle jetzt mit dem Handelsministerium und den für die Qualitätskontrolle zuständigen Stellen zusammenkommen. Mattel kündigte nun an, seine Lieferanten genauer unter die Lupe zu nehmen, um die Missstände zu beseitigen. Niemand wolle eine weitere Rückrufaktion, betonte Mattel-Chef Eckert. Die Börse reagierte gestern versöhnlich. Die Aktie stieg wieder - nach hohen Verlusten in den Wochen zuvor.

 

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