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Wirtschaft

Hilfe - auch für kleine Firmen

Holzmann, MobilCom und kein Ende: Wenn es eng wird, erhalten die Großen Kredite. Aber auch für selbstständige Meister gibt es Hilfe. Doch viele nehmen sie nicht wahr.

Hamburg. Es wird schwierig für den Dachdeckermeister. Das Geschäftskonto gerät immer tiefer ins Minus. Weil weniger gebaut wird, bleiben Aufträge aus. Die Kunden zahlen spät, häufig kommt gar kein Geld. Dann kündigt die Bank den Firmenkredit. Der Betrieb steht vor dem Aus, sechs Arbeitsplätze sind auf der Kippe. Denn eine neue Bank will nicht einspringen. "Ich bin nicht MobilCom", resigniert der Meister. "Zu mir kommt kein Kanzler und hilft." "Wir Kleinen kämpfen jeden Tag. Aber bevor ein kleiner, solider Handwerksbetrieb mal einen Kredit bekommt, muss das Geld schon in fünf Richtungen abgesichert sein", ärgert sich der Hamburger Sanitärmeister Dietmar Borcherding. Damit steht er nicht allein. Keine Frage: Die Banken sind vorsichtiger geworden. "Mit gut gemeinten Krediten haben wir in der Vergangenheit öfter nur noch die Verschuldung der Betriebe in die Höhe getrieben", hat Werner Möller, der Leiter des Firmenkunden-Centers in der Zentrale der Hamburger Sparkasse (Haspa) immer wieder erfahren. Denn häufig kam der Hilferuf zu spät. "Um fünf vor zwölf können wir nicht mehr helfen. Die Liquiditätshilfe wäre dann ein viel zu später Versuch, etwas glattzubügeln, das nicht mehr zu glätten geht." Kein Wunder, dass zuletzt immer mehr kleine Handwerksfirmen aufgeben mussten. Seit 1998 sinkt die Zahl der Betriebe in Hamburg stetig. So standen im vergangenen Jahr 1509 Schließungen (Aufgaben und Pleiten) nur 1233 Neugründungen gegenüber. Bundesweit sagen Experten in diesem Jahr sogar mehr als 40 000 Pleiten voraus. In 99 Prozent der Fälle sind Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern betroffen. Doch Hilfen für kleinere Unternehmer gibt es. Man muss sie nur finden. So haben Handwerks- und Handelskammern Betriebsberatungen organisiert. "Es gibt schon Hilfen", so Jörg Hansen, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Hamburg. Oft reiche schon ein Hinweis auf Förderprogramme oder die Vermittlung von Ansprechpartnern, um die Krise eines Handwerkers zu meistern. Übergreifend für alle Firmen kann die Firmenhilfe eingreifen. Das Pilotprojekt wird von der Wirtschaftsbehörde und aus dem europäischen Sozialfonds finanziert und ist als Ansprechpartner für Unternehmer mit bis zu zehn Angestellten gedacht. "Oft aber wissen die Unternehmer nichts von möglicher Unterstützung", berichtet Martin Jung, Berater bei der Firmenhilfe. "Es gibt ein differenziertes Förderinstrumentarium. Aber auch bei uns kommen die Betroffenen meist viel zu spät." Dazu kommt: Wo der politische Druck wie bei den Großpleiten fehlt, muss der Kleinunternehmer selbst aktiv werden - oft ein frustrierender Prozess. "Es macht schon mutlos, wenn man sieht, wie schnell und ungeprüft Millionen in ein Unternehmen wie MobilCom gebuttert werden", so Peter Becker, Präsident der Hamburger Handelskammer. So etwas scheint bei Mittelständlern undenkbar. Doch bei den Pleiten der Kleinen spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Nicht immer ist nur die Konjunktur schuld, häufig sind es auch Managementfehler. Mangelnde Beratung und eine falsche Einschätzung der eigenen Lage nennt Berater Jung als Hauptursachen drohender Pleiten. Immerhin: Von den bisher 200 Unternehmern, die sich an die Firmenhilfe gewandt haben, konnten drei Viertel ihre Betriebe retten. Was die Hilfe für Kleinunternehmen noch schwieriger macht: Im Gegensatz zu den Pleiten von Großfirmen spielen persönliche Aspekte eine viel größere Rolle. "Bei MobilCom lässt sich das Management austauschen. Bei einer Handwerksfirma geht das nicht", so Kammerpräsident Becker. Die fehlende Einsicht in die Krise ist für Banker Möller ein entscheidender Punkt: "Viele Unternehmer fühlen sich beleidigt, wenn man sie rechtzeitig auf einen Missstand aufmerksam macht. Sie wehren sich dagegen, einen ,Fremden' in den Betrieb zu lassen. Dabei nehmen sie in Kauf, dass sie ihr Lebenswerk zerstören." Und Arbeitsplätze vernichten. In jedem Fall die falsche Entscheidung.

 

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