Experten fürchten neue Ölkrise
Höhenflug: Auch Benzin wurde teurer - zwei Erhöhungen innerhalb von 24 Stunden
HAMBURG. Die Benzinpreise sind am Freitag zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden um drei Cent je Liter gestiegen. Nach der Erhöhung durch Shell und Aral kostet ein Liter Superbenzin im bundesweiten Durchschnitt 1,43 Euro und Diesel 1,20 Euro. Der Dieselpreis hat damit seinen absoluten Höchststand vom September 2005 wieder erreicht, aber nicht übertroffen. Superbenzin ist von seinem Höchststand nur noch zwei Cent je Liter entfernt
"Der Rohölpreis ist allein in dieser Woche um fünf Dollar je Barrel gestiegen", sagte Ulrich Winkler vom Marktführer Aral/BP. Am Freitag ist der Rohölpreis als Reaktion auf die kriegsähnlichen Zustände im Nahen Osten nochmals geklettert. In London sprang der Preis für die Sorte Brent zeitweise auf über 78 Dollar (rund 61,69 Euro) je Barrel (159 Liter). In New York wurde im elektronischen Handel für die Sorte Light Sweet Crude der Rekordpreis von 78,40 Dollar gezahlt. Experten warnen bereits vor einer neuen Ölkrise, sollte sich die Lage verschärfen. Weltweit gerieten die Finanzmärkte unter Druck.
Der Konflikt im Nahen Osten könnte weit reichenden Konsequenzen haben, warnte die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert: "Wenn der Iran-Konflikt eskaliert, droht eine neue Ölkrise", sagte sie der "Netzeitung". Die Lage im Nahen und Mittleren Osten sei nach den jüngsten israelischen Angriffe im Libanon "extrem instabil". Sollte sich die Krise verschärfen, werde der Ölpreis rasant ansteigen, sagt Kemfert voraus. "Dann wird man nicht nur 80 Dollar als Preis für ein Barrel Rohöl sehen, sondern Preise, die weit darüber hinaus gehen."
Nach Ansicht der Energieexpertin wird am Markt aber auch extrem viel spekuliert: "Wir könnten durchaus einen Preis von 60 Dollar haben", sagte sie. "Alles was darüber hinausgeht, ist auf Spekulationen an den Märkten zurückzuführen." Dennoch sieht Kemfert in dem jetzigen Ölpreis keine Gefahr für die Konjunktur in Deutschland: "Sollte der Preis auf diesem Niveau bleiben, muß man nicht allzuviel Angst haben", sagte sie mit Blick auf die zunehmende Abkoppelung der Wirtschaft von den Energiepreisen.
Inflationsbereinigt liegt der Ölpreis immer noch unter dem Niveau, das durch die Ölkrise nach der islamischen Revolution im Iran Ende der 70er Jahre erreicht worden war. 1979 kostete das Barrel 31,61 Dollar, was einem heutigen Wert von 85,39 Dollar entspricht.
Die internationalen Finanzmärkte reagierten dennoch nervös auf die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. In Tokio sackte der Nikkei-Index am Freitag um 1,67 Prozent ab. Der Deutsche Aktienindex (DAX) verlor nach herben Verlusten vom Donnerstag am Freitag erneut 1,90 Prozent. Größte Verlierer waren neben dem Autozulieferer Continental auch der Nutzfahrzeugbauer MAN und die Deutsche Lufthansa. In Paris gab der CAC 40 bis zum Nachmittag um 0,32 Prozent nach.




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