Das Geschäft mit schönen Fingernägeln
Nagelstudios: Vier Millionen Deutsche lassen sich ihre Hände verschönern - Boom in Hamburg. Durchschnittlicher Jahresumsatz von 55 000 bis 77 000 Euro. Handwerkskammer beklagt Wildwuchs.
Hamburg. Bereits vier Millionen Deutsche lassen sich regelmäßig ihre Nägel verschönern. Auch in Hamburg ist der Trend ungebrochen und Nagelstudios entstehen an nahezu jeder Ecke. "Allein im Hamburger Stadtgebiet existieren hunderte Studios und es gibt viele zu Hause tätige Designerinnen", sagt Ulrich Fenger von der Handwerkskammer Hamburg. Nageldesignerin Anke Spreeberg bestätigt: "Bei mir in Eppendorf gibt es etwa 70 Nageldesigner, schätzungsweise 40 davon sind erst im vergangenen Jahr entstanden." Deutschlandweit sind 37 000 Nageldesigner aktiv, allein 2005 stieg ihre Zahl um 40 Prozent an.
Immer mehr Hanseaten schätzen gepflegte Nägel. Das Problem: Nageldesigner ist kein geschützter Beruf. "Ein Startset kann sich jeder für wenige Euro bei Ebay kaufen und sofort ein Gewerbe anmelden", erklärt Fenger. Dadurch herrsche ein regelrechter "Wildwuchs". Kunden haben es schwer, zwischen unseriösen und guten Nageldesignern zu unterscheiden. Und das sieht nicht nur schlecht aus. "Durch Feilen können Krankheiten übertragen werden", beklagt Fenger. Nun bildet die Handwerkskammer kostenpflichtig selbst zur "staatlich geprüften Nageldesignerin" aus. "Wir wollen dem Kunden eine Art Qualitätssiegel geben, damit er weiß, wo er in guten Händen ist", so Fenger.
Die ersten neun Damen haben vor kurzem ihren Abschluß gemacht. Die Beste war Anne Klingenberg. Die 24jährige betreibt das Nagelstudio "Show your hands" in Rahlstedt. "Hier habe ich viele Mitbewerber, die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden. Dadurch hat unsere Branche keinen guten Ruf", so Klingenberg. Urkunde und Aufkleber der Handwerkskammer sollen den Kunden nun zeigen, daß bei Klingenberg gute Qualität abgeliefert wird.
Selbstverständlich drückt die Masse der Anbieter auch auf den Preis. Durchschnittlich liegt der Jahresumsatz laut Bundesverband deutscher Nail Designer bei 55 000 bis 77 000 Euro. Doch die Unterschiede sind groß. "Viele machen das Geschäft nur nebenbei, wenn sie zum Beispiel noch Kinder großziehen. Aber ich kann davon leben", sagt Ute Reijken. Die 49jährige ist seit 18 Jahren dabei. "Ich setze auf Airbrush und mache zur WM auch Nägel mit Fußbällen", sagt sie.
Anke Spreeberg führt ihr Studio am Eppendorfer Baum seit 1983. Ihr Handwerk hat sie in den USA gelernt. "Ich habe viele Präsentationen auf Vorstandsebene. Da gehören gepflegte Nägel dazu", sagt die Unternehmerin Anja Henning (41) aus Othmarschen, die sich regelmäßig in Eppendorf ihre Nägel machen läßt. Bei Spreeberg zahlt sie 90 Euro - die Preise vieler Konkurrenten liegen darunter. "Das kümmert mich nicht. Wer einmal den Unterschied gesehen hat, kommt wieder", sagt Spreeberg. Schließlich wurde sie von Amica und Gala zu einer der besten Nageldesigner Deutschlands gewählt. Andere gute Fachkräfte will sie fördern und unterrichtet daher an der Handwerkskammer. "Wir brauchen gute Konkurrenz. Man kann ja schließlich nicht 24 Stunden arbeiten."



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