Montag, 13. Februar 2012, 14:12

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Wirtschaft

Freenet und Mobilcom bricht der Gewinn weg

Telekommunikation: Preiskämpfe und Rabatte. Harter Wettbewerb um die Kunden. Firmenchef Spoerr wirft Telekom unfaires Verhalten vor.

Hamburg. Der Kampf um die Telefon- und Internetkunden in Deutschland verschärft sich weiter. Die ständig sinkenden Preise kommen zwar den Kunden zugute, doch die Telekommunikationsunternehmen müssen dafür mit zunehmend geringen Margen auskommen. Und das heißt: Trotz steigender Kundenzahlen und wachsender Umsätze fallen die Gewinne deutlich geringer aus. Das spürt jetzt auch der Mobilcom-Konzern, zu dem neben dem gleichnamigen Mobilfunkunternehmen auch der Hamburger Internetanbieter Freenet gehört.

So fiel der Mobilcom-Konzerngewinn von Januar bis März um mehr als ein Drittel auf 18 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhte sich der Umsatz um 16 Prozent auf 522 Millionen Euro. Bei Freenet kletterten die Erlöse im ersten Quartal um 37 Prozent auf gut 200 Millionen Euro, während der Gewinn von 17,4 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 12,1 Millionen Euro fiel. Insgesamt hat der Konzern knapp 15 Millionen Kunden, davon fünf Millionen im Mobilfunkbereich.

Angesichts steigender Marketingausgaben und eines sich weiter verschärfenden Wettbewerbs rechnet Mobilcom-Vorstandschef Eckhard Spoerr "kurzfristig nicht mit einer positiven Ergebnisentwicklung". Das Wachstum koste "viel Geld". Mit einem Barmittelbestand von 460 Millionen Euro sei man aber gut positioniert, um das weitere Wachstum zu finanzieren. "Wir gehen jeden Preiskampf mit und werden unsere Wettbewerbsposition halten", kündigte Spoerr gestern bei der Vorlage der Bilanz an.

Eine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr lehnte Spoerr mit dem Hinweis auf "fehlende Voraussetzungen" ab. So gebe es im Mobilfunkbereich neuerdings Billiganbieter wie Simyo, die den Preisdruck am Markt weiter verschärften. Im Internetbereich behindere die Preispolitik der Deutschen Telekom das Neukundengeschäft von Freenet. Spoerr warf dem Bonner Konzern in ungewöhnlich scharfer Weise eine "massive Wettbewerbsbeeinflussung" vor, weil dieser den beiden größten Marktteilnehmern T-Online und United Internet hohe Rabatte für den Weiterverkauf von Breitband-Internetleitungen gewähre. Diese Anbieter könnten DSL-Anschlüsse deshalb zur Zeit deutlich günstiger verkaufen, als Freenet.

Scharfe Kritik kommt auch vom Branchenverband Breko, der offen von einem "Dumpingskandal" spricht. Preisnachlässe von bis zu 58 Prozent für die großen Weiterverkäufer der Telekom-DSL-Anschlüsse, aber nur von 11,5 Prozent für Anbieter wie Freenet, Arcor oder HanseNet seien nicht akzeptabel. Nachdem Freenet mit einer Klage gegen die Telekom vor Gericht gescheitert ist, setzt der Branchenverband jetzt auf eine Korrektur durch die Bundesnetzagentur, die noch in diesem Monat erfolgen könnte.

Unterdessen verzögert sich die geplante Fusion von Mobilcom und Freenet weiter. Selbst ein Scheitern wird nicht ausgeschlossen, sollte der von der Mobilcom-Hauptversammlung im Jahr 2003 beschlossene Verschmelzungsprozeß weiterhin auf Grund Klagen einzelner Aktionäre die Gerichte beschäftigen. "Erpressen lassen wir uns nicht", sagte gestern Mobilcom-Finanzchef Axel Krieger.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus