05.05.06

Neue Billigkette im Weinhandel

Hawesko: Hamburger greifen Discounter an - zehn neue Läden geplant. Preisverfall - die Deutschen zahlen im Schnitt nur noch zwei Euro pro Flasche.

Von Mathias Eberenz

Hamburg. Die "Geiz ist geil"-Mentalität hat auch den Weinhandel erfaßt. Das Rebengetränk wird in Deutschland immer mehr zum Billigartikel. Nur 2,50 Euro pro Liter und damit rund zwei Euro pro Flasche will der Kunde im Schnitt noch im Laden bezahlen. Unangefochtene Marktführer im Weinhandel sind deshalb längst nicht mehr die Fachgeschäfte, sondern Discounter wie Aldi, Lidl, Plus und Co.

Mit Hawesko, Deutschlands führendem Weinhandelshaus, will jetzt erstmals ein großer Fachhändler offensiv in Konkurrenz zu den Billiganbietern treten. Das Hamburger Unternehmen, das im Versand und in seinen 256 Läden der Kette Jacques' Weindepot bislang Weine für vier Euro und mehr anbietet, plant bis Jahresende die Eröffnung von bis zu fünf Läden im Discountformat. "Wir werden dort schwerpunktmäßig Weine der Preisklasse 2,50 bis vier Euro pro Flasche anbieten", sagte Hawesko-Chef Alexander Margaritoff gestern.

Das neue "Multiwein"-Vertriebskonzept sieht bis 2008 die Eröffnung von zehn Billigweinmärkten in Deutschland vor. Jeder "Testmarkt" soll im Jahr bis zu 800 000 Euro Umsatz bringen, so Margaritoff. Die Läden sollen dabei mit einer Verkaufsfläche von 400 bis 500 Quadratmetern "deutlich größer" als die Jacques'-Geschäfte sein. Als Standorte kämen ausschließlich Großstädte wie Hamburg und Ballungsgebiete in Frage.

Der Preisverfall im Handel hält schon seit Jahren an, wie das Deutsche Weininstitut bestätigt. Und er verschärft sich jedes Jahr. Inzwischen verkaufen die Discounter fast jede zweite Flasche Wein in Deutschland. "Das ist ein Wert, der in keinem anderen Land der Welt erreicht wird", so der Hawesko-Chef. Vor zehn Jahren habe der Anteil der Discounter noch bei 27 Prozent gelegen. Aktuell hätten Weinflaschen, die mehr als vier Euro kosteten, nur noch einen Marktanteil von 17,3 Prozent. Damit seien fast 83 Prozent des Marktes für Hawesko nicht erreichbar. Mit dem neuen Vertriebskonzept könne man in diesem Segment mitmischen.

Der Preisverfall ist laut der Branche vor allem eine Folge der zunehmenden Importe aus Übersee und einem Überangebot am Markt. Doch der Verbraucher profitiere nicht immer von dem vermeintlichen Schnäppchenkauf beim Wein. "Für zwei Euro oder weniger gibt es praktisch nur noch standardisierte Industrieware", sagte Michael Holst vom Weinfachhandelsverband Nord, dem Abendblatt. Statt den Wein im Faß reifen zu lassen, würden die Billighersteller Kanthölzer aus Eiche oder sägespäneartige Holzchips in die Stahltanks legen. Bei Blindverkostungen habe es immer wieder "katasprophale Ergebnisse" gegeben, so der Weinexperte.

Neben dem Billigtrend gibt es aber auch einen leichten Hoffnungsschimmer. So zeichne sich im Lebensmitteleinzelhandel erstmals wieder eine "Trendwende zu mehr Qualität" ab, berichtet Hawesko-Chef Margaritoff. TV-Kochshows und Weinseminare trügen dazu bei. Mittlerweile sei sogar deutscher Wein, der zuletzt im Handel nur noch einen Anteil von 37 Prozent hatte, wieder auf Erfolgskurs. "Eine junge Winzergeneration sorgt für eine neue Dynamik", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut dem Abendblatt. Das bestätigt auch Margaritoff. Hawesko habe den Anteil von deutschem Wein am Gesamtsortiment von einem Prozent im Jahr 2001 auf jetzt fünf Prozent aufgestockt.

Das Geschäftsjahr 2005 hat Hawesko mit seinen Einzel- und Großhandelsaktivitäten trotz eines rückläufigen Marktes mit einem Umsatzplus von 0,4 Prozent auf 287 Millionen Euro beendet. Der Gewinn (Ebit) stieg um 12,4 Prozent auf 18,9 Millionen Euro. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von zwei Euro pro Aktie.

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