Montag, 28. Mai 2012, 00:36

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Info
  • Rechner
  • Ticket kaufen
  • studiVZ
  • meinVZ
Magazin Hafen Magazin Senioren

Wirtschaft

Chefs kassieren Millionen im Minutentakt

Börse: Geschäft mit Google. Sergey Brin und Lawrence Page verdienen offiziell nur einen Dollar pro Jahr. Doch ihre Aktienoptionen machen sie reich.

Hamburg. Die vergangenen Wochen waren nicht besonders erfreulich für Aktionäre des Internet-Riesen und Suchmaschinenbetreibers Google: Zweimal hintereinander brach der Kurs der Papiere an der Börse heftig ein, zuletzt um sieben Prozent auf 402 Dollar am vergangenen Mittwoch. Innerhalb weniger Stunden gingen so neun Milliarden Dollar verloren. Der Grund: Google hatte im vierten Quartal Gewinn und Umsatz zwar um jeweils mehr als 80 Prozent gesteigert. Doch die Analysten hatten mehr erwartet.

Besonders hart traf es die Google-Gründer Sergey Brin und Lawrence Page. Die beiden 32jährigen, gleichzeitig auch Google-Hauptaktionäre, verloren beim Kurssturz jeweils eine Milliarde Dollar. Trotz ihres vertraglich mit sich selbst vereinbarten Jahreseinkommens von nur einem Dollar war das aber kein Beinbruch. Denn in den Wochen zuvor - als der Kurs der Aktien noch bei 440 Dollar lag - hatten sie einen Großteil ihrer ihnen zustehenden Aktienoptionen eingelöst und an der Börse versilbert. Völlig legal, korrekt bei der Börsenaufsicht angemeldet.

"Die haben Kasse gemacht", sagt der Schweizer Managementberater und Börsenexperte Arthur P. Schmidt dem Abendblatt. Schmidt, der den Google-Aktiencrash bereits Ende Januar vorausgesagt hatte, hat die Aktienverkäufe des Google-Managements seit November analysiert und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Allein Sergey Brin und Lawrence Page haben in dieser Zeit Aktien für zusammen 9,4 Milliarden Dollar verkauft. "Wunderbar gestückelt und damit unauffällig", sagt Schmidt.

Teilweise kassierten die beiden Firmengründer ihre Millionen im Minutentakt. So verkaufte Lawrence Page am 20. Januar 140 000 Aktien in drei Tranchen für bis zu 420 Dollar pro Stück. Dabei flossen 58 182 000 Dollar auf seine Konten. Auch Google-Chef Eric Schmidt stieß kräftig Aktien ab - für insgesamt 1,2 Milliarden Dollar. Google-Verkaufschef Omid Kordestani nahm bei seinen Verkäufen sogar 2,1 Milliarden Dollar ein.

Daß der Wert des Unternehmens unter den massiven Verkäufen gelitten hat, ist nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Auch nach den jüngsten, für Marktbeobachter enttäuschenden Zahlen, setzten einige Analysten ihr Kursziel für Google-Aktien weiter herauf. 500 Dollar, ja 1000 Dollar werden zum Teil genannt.

Schmidt jedoch gehen die Geschäfte inzwischen zu weit. "Es mutet grotesk an, daß jemand 66 Prozent des Google-Umsatzes von 2004 als Honorar für seine Tätigkeit realisieren kann", sagt der Managerberater, der unter www.unternehmercockpit.com einen Börseninfodienst anbietet.

Die Firmengründer Brin und Page belegen inzwischen die Plätze 16 und 17 auf der aktuellen "Forbes"-Liste der reichsten Amerikaner. Das Vermögen der beiden wird auf jeweils elf Milliarden Dollar geschätzt. "Aber wahrscheinlich werden sie demnächst Google-Aktien zu den günstigen Kursen kaufen, ihre Anteile am Konzern aufstocken - und dann bei steigenden Kursen noch reicher sein", sagt Schmidt. Ähnliches habe man bei den Gründern des weltgrößten Internet-Kaufhauses Amazon und dem Internet-Dienst Yahoo! gesehen.

Vorerst jedoch haben Brin und Page andere Pläne. Laut US-Medien legten sie sich für 15 Millionen Dollar eine gebrauchte Boeing 767 zu und lassen sie gerade zum VIP-Flieger mit Wohnzimmeratmosphäre und Duschen umrüsten. Mit eingebautem Zusatztank könnten die Google-Pioniere dann nonstop jeden Ort der Welt erreichen, etwa um Firmenübernahmen einzufädeln.

Knapp acht Milliarden Dollar liegen derzeit in der Google-Kriegskasse. Und dann haben die beiden ja auch noch ihre privaten Milliarden.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus