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Wirtschaft

Handwerk: Streit um höhere Beiträge

Kammer: 4,5 Prozent mehr. Innungen kritisieren Entscheidung. Angst vor Mitgliederschwund. Präsident Peter Becker verteidigt Anhebung als notwendig.

Hamburg. Die Hamburger Handwerkskammer wird die Beiträge für ihre 13 600 Mitgliedsfirmen zum 1. Januar 2006 um 4,5 Prozent erhöhen. Die Mehrkosten richten sich nach dem Gewerbeertrag des einzelnen Unternehmens. Erst Anfang 2004 hatte die Kammer ihre Beiträge um 4,4 Prozent angehoben. Die erneute Erhöhung sorgt innerhalb der rund 50 Innungen der Stadt für Unmut. "Viele Handwerksbetriebe kämpfen ums Überleben. Da kann jede weitere Kostensteigerung das Ende bedeuten", sagt Lutz Lawer, Obermeister der Tischlerinnung Hamburg und geschäftsführender Gesellschafter der Tischlerei Paul Diptmar, dem Abendblatt.

Auch der Obermeister der Friseurinnung Hamburg, Birger Kentzler, übt Kritik: "Ich kann die Gründe der Handwerkskammer nicht nachvollziehen." Immer mehr Betriebe seiner Zunft müßten aufgeben. "Und das wegen der überall steigenden Kosten." Normalerweise sei der Dezember der beste Monat für die Friseure. Wegen des Weihnachtsgeschäfts hätte bisher kein Betrieb in den letzten Wochen des Jahres schließen müssen. "Jetzt habe ich bereits zehn Geschäftsaufgaben auf dem Tisch." Für Kentzler ist dies eine "besorgniserregende Entwicklung".

Die Innungen befürchten nun weitere Austritte ihrer Handwerker. "Die Mitgliedschaft in der Kammer ist Pflicht, die in der Innung freiwillig. Da ist es klar, wo gespart wird", sagt Lutz Lawer von der Tischlerinnung. Und Walter Wohlert, Hauptgeschäftsführer der Innung Sanitär, Heizung, Klempnerei Hamburg, ergänzt: "Gerade kleine Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Die werden dann gegen ihre Überzeugung aus den Innungen austreten müssen, weil sie diese Möglichkeit bei der Kammer nicht haben." Dabei würden gerade die Innungen immer mehr Aufgaben wie beispielsweise die Ausbildung der Lehrlinge übernehmen. "Nur wie sollen wir das in Zukunft leisten - ohne die Beiträge der Mitglieder?"

Auch an der Basis fällt die Reaktion auf die Beitragserhöhung negativ aus. "Ich frage mich, wofür die Kammer immer mehr Geld haben will", sagt Malermeister Horst Winter, der in Barmbek einen Betrieb mit elf Mitarbeitern führt. "Wir alle kämpfen ums Überleben und nutzen die Hilfe der Kammer nur ganz selten. Die Anhebung ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt."

Der Präsident der Handwerkskammer, Peter Becker, verteidigt den Beschluß der Vollversammlung. "Wir müssen seit Jahren mehr Leistungen für unsere Mitglieder erbringen und erhalten wegen sinkender Gewinne weniger Beiträge." Um dieses Mißverhältnis auszugleichen, hätten Einsparungen nicht mehr ausgereicht. Der Beschluß soll etwa 200 000 Euro in die Kassen der Kammer spülen. "Und die brauchen wir, wenn wir nicht andere Sparmaßnahmen vornehmen müssen, die zum Verlust von Stellen in der Kammer führen", so Becker. Beim Verzicht auf die Erhöhung hätten vier Arbeitsplätze gestrichen werden müssen.

Zudem belaste man die Hälfte der Mitglieder nur mit einer Erhöhung des Grundbetrages um zehn Euro auf 175 Euro. "Weitere 20 Prozent zahlen maximal 15 Euro zusätzlich", so Becker. Und nur eine geringe Anzahl von Betrieben müsse je nach Gewerbeertrag mehr zahlen. "Diese Erhöhung ist nichts im Vergleich zu den steigenden Energiekosten und deckt nicht einmal die Inflationsrate der nächsten Jahre ab." Außerdem verspricht der Präsident, bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2009 keine weitere Anhebung vorzunehmen.

 

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