Neue Vorwürfe gegen Peter Hartz und Klaus Volkert
VW-Skandal: Damenbesuche, Mietwohnungen und Ferien auf Firmenkosten
HAMBURG. Es ist das bittere Ende einer großen Erfolgsgeschichte: Jetzt ermitteln Staatsanwälte gegen den ehemals mächtigen Arbeitsdirektor von VW, Peter Hartz. Der einst hoch geschätzte Berater für Politik und Wirtschaft, Kanzlerfreund und Vater der Arbeitsmarktreformen steht vor den Scherben seines Lebenswerks. Als langjähriger Personalvorstand bei VW stand Hartz wie kein Zweiter aus der Riege der Manager für Konsens und einen besonderen Zusammenhalt mit der Arbeitnehmerseite. Diese Nähe trug jetzt zu seinem Sturz bei.
"Seit 1993, als Hartz Personalchef wurde, sind die Ausgaben für die Betriebsräte bei VW kontinuierlich gesteigert worden", sagte Wolfgang Kubicki, Anwalt des ehemaligen VW-Personalmanagers Klaus Gebauer. Er war das Verbindungsglied zwischen Management und Arbeitnehmerseite, wurde als "Betriebsratsanimateur" tituliert, und steht - wie jetzt sein Ex-Chef Hartz - wegen des Verdachts der Untreue im Visier der Staatsanwaltschaft.
Das System der Vergünstigungen für Betriebsräte sei immer das gleiche gewesen: Gebauer habe ein Konto bei der Sparkasse Gifhorn für Betriebsratsausgaben nutzen und Belege ohne den tatsächlichen Verwendungszweck ausstellen können. Daraufhin seien die Zahlungen von VW über ein Konzernkonto übernommen worden, in Höhe von zusammen 940 000 Euro allein in den Jahren 2001, 2002 und 2003. Von diesem Konto "Diverses" mit der Nummer 1860, hätten neben Hartz auch Pischetsrieder und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gewußt, sagte Kubicki dem Abendblatt. Neben den Luxus-Reisen - etwa einem Indien-Trip "zu Informationszwecken" - für insgesamt mehr als 250 000 Euro, an der auch Hartz teilgenommen hatte, sollen über die Firmenkasse aber noch weit mehr Ausgaben abgerechnet worden sein als bisher bekannt. So soll eine Mietwohnung in Braunschweig in der Nähe des Hauptbahnhofs, die für 50 000 Euro auf VW-Kosten unter anderem mit einem neuen Bad ausgestattet wurde, von Hartz und dem zurückgetretenen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert zwischen 2003 und Anfang 2004 einige Male für Damenbesuche genutzt worden sein, sagte Kubicki. Zudem sei über das Konto hin und wieder eine Ferienwohnung auf Fehmarn bezahlt worden, die Volkert für Treffen mit seiner brasilianischen Geliebten Adriana, die ebenfalls auf der Gehaltsliste von VW stand, genutzt habe.
Aber nicht nur wegen der Schmiergeldaffäre wächst der Druck auf VW. Die Beteiligung von Porsche an dem Konzern, die anfangs von beinahe allen Beteiligten begrüßt worden war, erscheint jetzt in einem anderen Licht. Schon bisher habe Porsche aus gemeinsamen Projekten mit VW den größeren Nutzen der Partner gezogen, etwa bei der Kooperation bei den Geländewagen Cayenne und Touareg, die auf einer gemeinsamen Plattform gebaut werden, erfuhr das Abendblatt aus Aufsichtsratskreisen. Mit dem stärkeren Einfluß des Sportwagenbauers auf VW durch den 20prozentigen Anteil, die von Porsche geplante Beteiligung am Aufsichtsrat, den etwaigen Wegfall des VW-Gesetzes und nicht zuletzt den Porsche-Mitinhaber Piëch im Aufsichtsrat, könnte sich dieses Ungleichgewicht verstärken. Ziel einiger VW-Aufsichtsräte sei es daher, am Montag Piëch als Aufsichtsratschef zu stürzen. Und zugleich zu verhindern, daß Plätze in dem Kontrollgremium für Porsche-Manager frei werden.



Hartmann
JURA Gastro in Deutschland
Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



