Verdacht auf Untreue: Justiz ermittelt gegen Hartz
VW: Auch Piech unter Druck. Büros des Ex-Personalchefs wurden Freitag durchsucht. Neue Vorwürfe von Gebauer-Anwalt Kubicki.
Hamburg. Im VW-Skandal um Schmiergelder und "Lustreisen" für Betriebsräte ist jetzt auch Peter Hartz ins Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen den langjährigen VW-Personalchef eingeleitet, der nach Bekanntwerden der Affäre zurückgetreten war.
Bei der Überprüfung seiner Zeugenaussage hatten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Anhaltspunkte ergeben, daß Hartz von besonderen Vergünstigungen an Betriebsräte wußte und diese gebilligt oder unterstützt haben könnte. Die Staatsanwälte vermuteten, daß frühere Aussagen des 64jährigen "mindestens in Teilbereichen nicht der Wahrheit entsprechen". Noch am Freitag wurden die Büros von Hartz, der auch Namensgeber für die umstrittene Hartz-IV-Reform ist, bei VW durchsucht.
Zuvor hatte der entlassene Personalmanager Hans-Joachim Gebauer fünf Stunden lang zu Spesen und Reisen bei VW ausgesagt. Für den Anwalt Gebauers, den schleswig-holsteinischen FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, steht außer Frage, daß Hartz von umfangreichsten für die Betriebsräte gewußt hat. Der Ex-Personalchef soll Gebauer sogar die Weisung erteilt haben, dem früheren Betriebsratschef von VW, Klaus Volkert, auf Konzernkosten "jeden Wunsch" zu erfüllen. Von ihrem Arbeitgeber hätten sich daraufhin nicht nur Betriebsräte auf luxuriösen Geschäftsreisen Liebesdienste bezahlen lassen, auch Hartz selbst habe etwa eine auf VW-Kosten ausgestattete Braunschweiger Mietwohnung für Damenbesuche genutzt, sagte Kubicki dem Abendblatt.
"Wenn mein Mandant Gebauer - wie von der Staatsanwaltschaft bestätigt - in den Jahren 2001 bis 2003 insgesamt 940 000 Euro an Eigenbelegen für Luxusreisen und andere Annehmlichkeiten für Betriebsräte ausgeben konnte, dürfte davon nicht nur Hartz gewußt haben", sagte Kubicki mit Blick auf VW-Chef Bernd Pischetsrieder und seinen Vorgänger Ferdinand Piëch, der seit 2002 dem Aufsichtsrat des Autobauers vorsteht. "Ob weitere Personen ins Blickfeld kommen, wird vom Ergebnis der weiteren Ermittlungen abhängen", sagte dazu die Staatsanwaltschaft.
Aber auch von anderer Seite nimmt der Druck auf Piëch zu. Am Montag soll es nach Informationen des Abendblattes im Aufsichtsrat zum offenen Machtkampf zwischen Ferdinand Piëëch als Vertreter des neuen Großaktionärs Porsche (18,5 Prozent) und einer Gruppe um den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) kommen. Ziel ist demnach der Sturz Piëëchs, um den Einfluß des Porsche-Clans bei dem Wolfsburger Autobauer zu bremsen.




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